Stille im Club
Was tun, wenn Mann sich rundum glücklich fühlt – aber niemanden bei sich hat, mit dem er sein Glück teilen kann? Er greift zum Handy, checkt am Strand ins Gratis-WLAN ein und postet ein Bild dessen, was er vor sich hat, auf Facebook: Türkis-blaues Wasser, eingebettet in satt-grüne Hügel-Landschaft – garniert mit dem Text: "Hort der Ruhe. Wo könnte das sein?"
Es ist früher Mittwochnachmittag: So schnell und so zahlreich ist schon lange keiner meiner Facebook-Einträge geliket und kommentiert worden. "Wäre auch gern dort ..." – "Griechenland? Aber dafür ist die Vegetation zu üppig" – "Hat was von einem Salzkammergut-See, wenn da links nicht eine Pinie wäre ..." Dutzende Postings gehen ins Leere. Nur eine Facebook-Freundin, die seit Jahren jeden Urlaub im Land zubringt, landet fast einen Volltreffer: "Bist in der Nähe von Marmaris?"
Zwei Jahreszeiten
Die beiden Orte trennen nur hundert Kilometer und verbindet der gemeinsame Flughafen. Wer in Dalaman landet und im Auto Kurs Richtung Fethiye nimmt, taucht in eine Welt ein, die nichts mit der lebhaften zu tun hat, die die weiter östlich liegende türkische Riviera rund um Antalya zu bieten hat.
Ruhezonen für Kinderlose
Die ersten Bungalows der geschmackvoll in die Umgebung eingebetteten Anlage wurden 1984 errichtet und als deutscher Aldiana-Club geführt. Nun bietet eine türkische Hotelier-Familie hochklassige Club-Atmosphäre für Individualisten. Schon beim Frühstücksbuffet umwieseln den Urlauber freundliche junge Männer, die Kaffee, Tee und Säfte servieren und auch Sonderwünsche umgehend erfüllen.
Ruhebedürftige Paare ohne Kinder können in einem separierten Teil des Restaurants ihre Mahlzeiten einnehmen. Wer in garantiert absoluter Ruhe sonnen und baden will, zieht sich an den "Silent Beach" oder den "Serenity Beach" zurück – die beiden Strände sind zu Fuß in zwei bzw. zehn Minuten zu erreichen. Oder man nimmt den Bootsshuttle, der jede halbe Stunde fährt.
Action, Spaß und Unterhaltung für Familien, Paare und Singles bietet die Anlage anderswo reichlich genug: Tauchen, Segeln, Beach-Volleyball, Fußball, Tennis, Malen, Bootsausflüge und ein komplett ausgestattetes Fitnesscenter, außerdem drei Kinderclubs für jede Altersgruppe (vom Kleinkind übers Schulkind bis zum Teenager), drei Restaurants (zwei à la carte), vier Bars, eine Disco und für Notfälle ein Medical-Service-Center.
Mehr als die Hälfte der Urlauber sind Stammgäste, vornehmlich Holländer, Engländer, Deutsche und Österreicher. Die Hotelleitung legt bei der Vermarktung der Zimmer Wert darauf, keine Dominanz eines Herkunftslandes aufkommen zu lassen. Ein paar meiner Freunde auf Facebook fragen neugierig: "So lonesome wie es aussieht?" Antwort: "Die Anlage ist ausgebucht, aber das merkt man nur in der Früh und am Abend."
Er trägt den gleichen Vornamen wie der Landeschef, aber er wird nicht müde zu proklamieren: Die Türkei ist noch immer anders als deren Premier, Recep Erdogan, sie gerne hätte. Recep, der Fremdenführer, ist ein begeisterter Vermarkter der vielfältigen Kultur, der unbekannten Kunstschätze und der bewegten Geschichte seines Landes. Ein historisch belastendes Kapitel wird eine Viertel-Autostunde außerhalb der Hotelanlage aufgearbeitet: In Kayaköy (türkisch für Felsdorf) hatten sich ab dem 14. Jh. Griechen angesiedelt. Allesamt Handwerker, brachten sie bis dahin unbekannte Fertigkeiten und Produkte in die bäuerlich dominierte Region. Nach dem ersten Weltkrieg wurden sie zur Gänze vertrieben. Das Geisterdorf Kayaköy atmet Geschichte. Die christlichen Kirchen, die dem Verfall preisgegeben waren, werden nun restauriert. Die mehrere Hundert erhaltenen Hausruinen stehen unter Denkmalschutz.
Sehenswert ist auch der Wochenmarkt in Fethiye, wo Dutzende Gewürze, Berge von frischem Obst und Gemüse und in den Marktrestaurants die Spezialität von Fethiye geboten werden: hauchdünne Crêpes, wahlweise gefüllt mit Spinat, Käse oder Kartoffeln, dazu als erfrischendes Mixgetränk Granatapfel-Orangensaft. Die unzähligen Granatapfel-Kulturen der Region machen die Türkei zum zweitgrößten Erzeuger der Welt (nach dem Iran). Die 134.000 Einwohner von Fethiye leben überwiegend von Landwirtschaft. Denn "bei uns wächst alles", sagt Recep stolz, "außer Ananas."
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