Happy Birthday? 100 Jahre Machu Picchu

Peru: Im Juli 1911 wurde die weltberühmte Inka-Stadt von einem US-Amerikaner gefunden. Das Andenland feiert heuer das Jubiläum. Zu Unrecht, meinen die Nachfolger der Inka.

Geheimnisvoll und gut erhalten thront die letzte Festung der Inka, die die spanischen Eroberer nie entdeckt hatten, versteckt in den peruanischen Anden. Sie gilt als die größte touristische Attraktion Südamerikas, ist seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe und seit 2007 eines der "Neuen 7 Weltwunder". Jährlich pilgert eine Million Touristen in die "heilige Stadt" Machu Picchu. Heuer, im Jubiläumsjahr, dürfte der Ansturm noch dramatischer ausfallen. Die UNESCO möchte die Besucherzahlen auf 800 pro Tag beschränken, um das Kulturerbe nicht zu gefährden und wehrt sich gegen den geplanten Bau einer Seilbahn. Als Entdecker wird der US-Forscher Hiram Bingham gefeiert, der im Zuge einer Expedition für die Universität Yale am 24. Juli 1911 mit einem Indio als Führer die vom Dschungel überwucherten Ruinen fand. "Wer wird mir glauben, was ich gefunden habe", notierte er in sein Tagebuch. Die Welt glaubte es, als National Geographic 1913 ihre gesamte Ausgabe der Entdeckung von Machu Picchu widmete, der bis heute einzigen bekannten Inka-Anlage, die nicht von den spanischen Eroberern geschleift wurde. Das Taschenbuch mit den minutiösen Aufzeichnungen Binghams ist im Buchhandel um 13,95 Euro erhältlich. Für die Nachfolger der Inka ist Bingham ein Lügner. Sie feiern den Bauern Augustin Lizzarraga als den wahren Entdecker. Er war von 1901 bis 1911 Pächter der Acker-Terrassen von Machu Picchu und kannte die Stadt somit zumindest 10 Jahre vor Bingham. Während der Staat Peru zum 100-Jahr-Jubiläum eine große Lichtshow plant, wie man sie etwa von den Pyramiden in Ägypten kennt, feiert der Lizzarraga-Clan bereits das 110-jährige Jubiläum – mit einem Gottesdienst in der Kathedrale der einstigen Inka-Hauptstadt Cusco am 10. Juli , mit Parade, Musik, Tanz und Meerschweinchen-Essen, der Lieblingsspeise der Indio. Machu Picchu liegt auf 2360 Meter über dem Urubambatal, rund 100 Kilometer nordwestlich der Stadt Cusco. Die Masse der Touristen wird ab Cusco mit der Eisenbahn bis zum Ort Aguas Caliente gekarrt. Drei Varianten stehen dabei zur Wahl: Zwei Züge führt die peruanische Staatsbahn Perurail – den preislich günstigeren Zug "Expedition" für Rucksacktouristen sowie den teureren "Vistadome" mit Panorama-Glas-Waggons (Buchung ist unter www.perurail.com auch in Deutsch möglich). Und die englische Firma Orient-Express betreibt den Luxuszug "Hiram Bingham". Nähere Infos unter www.orient-express.com.

(Bild: Touristen beim Berühren einer historischen Uhr, diese soll positive Energien abgeben) Ab Aguas Caliente fahren nur noch Busse über die berüchtigte steile Serpentinenstraße mit 13 Haarnadelkurven auf den "alten Gipfel", wie Machu Picchu übersetzt heißt.
Zimmer in der Inka-Stadt  Auch Übernachten mit Blick auf die Ruinen ist für gut Betuchte möglich. Orient Express betreibt direkt im Eingangsbereich die noble "Sanctuary Lodge" mit zwei Suiten und 29 Zimmern. Im Juli kostet dort zum Beispiel das Jubiläumspackage mit 60-Minuten-Massage und Champagner ab 1025 US-Dollar. www.sanctuarylodgehotel.com Konditionsstarke wandern auf dem Weg der alten Inka. Der Gebirgspfad führt über drei Pässe (der höchste ist 4200 Meter) und passiert mehrere, teils imposante Inka-Ruinen. Die Tour dauert vier Tage und darf aus Umweltschutz- und Sicherheitsgründen nur noch mit Führern gemacht werden. Preis mit Guide und Zelt-Unterkunft ca. 400 US-Dollar. Den Archäologen gibt die Inka-Stadt immer noch Rätsel auf. Warum sie so unzugänglich hoch in den Bergen errichtet wurde, ist nicht erforscht. Erbaut wurde sie um 1450. Es wird vermutet, dass dort bis zu 1000 Menschen lebten. Die Stadt besteht aus 216 steinernen, teils mehrgeschoßigen Bauten auf mehreren Terrassen, die mit Steinstufen verbunden sind. Bingham plünderte alles, was er fand: Keramikkrüge, Mumien, Kopfschmuck. Rund 5000 Stücke verkaufte er angeblich seiner Heimat-Uni Yale, an der er als Historik-Professor lehrte. Mit dem Erlös finanzierte er seine politische Karriere, brachte es mit teuren Wahlkämpfen bis zum US-Senator. Peru forderte jahrelang Einsichtnahme in die Funde und Schadenersatz. Erst 2008 kam es zu einer Vereinbarung.
Nach seinem Tod schaffte es Bingham sogar noch zum Kinohelden. Er diente als Vorlage für Indiana Jones.
(kurier) Erstellt am
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