Grönland: Reise ans Ende der Welt

Was nur wenig bekannt ist: Markus Lanz ist Grönland-Fan. Anlässlich seines neuen Bildbandes über das Land, spricht der TV-Moderator über seine Vorliebe für eisigen Urlaub.

Bekannt ist er als TV-Moderator, weniger bekannt ist Markus Lanz als Fotograf und Reisender. Seine abenteuerliche Seite stellt der in Deutschland lebende gebürtige Südtiroler in dem neuen Bildband "Grönland" zur Schau. Abseits des Medien-Business begeistert sich Lanz bereits seit 15 Jahren für die eisigen Welten der Arktis, immer wieder zieht es den 41-Jährigen nach Grönland und zu den Menschen, die dort im Einklang mit der Natur leben. Im Interview verrät Lanz, was ihn an seinen Reisen ans andere Ende der Welt so fasziniert. Herr Lanz, vom gemütlichen Fernsehstudio bis nach Grönland und in die Arktis ist es ein weiter Weg. Wie kam es dazu, dass Sie diesen Teil der Welt vor rund 15 Jahren für sich entdeckt haben?

Markus Lanz: Diese Region wollte ich ehrlich gesagt schon immer bereisen. Ich hatte das Gefühl, ...

(Bild: Markus Lanz im Eis) ... ich müsste diese unglaubliche Eislandschaft wenigstens einmal im Leben gesehen haben. Ich wollte vor allem der
Frage nachgehen: Wie kann man in einer solch "menschenfeindlichen" Umgebung leben? Wenn man
zum Beispiel ein grönländisches Kind fragt: "Wie sieht ein Baum aus?", guckt es dich mit großen Augen fragend an. Ich bin schließlich immer wieder nach Grönland gereist, um besser zu verstehen und Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Inzwischen habe ich allerdings das Gefühl, je öfter ich nach Grönland reise, desto mehr Fragen tun sich auf und desto rätselhafter wird dieses Land für mich.

(Bild: Markus Lanz als TV-Moderator) Die wenigsten Menschen waren wohl bisher in diesem Teil der Welt. Können Sie uns die "Faszination Arktis" etwas näher bringen?

Es ist so: In Grönland läuft alles nach Plan. Leider ist dieser Plan nie der eigene. So kann einem, wenn man auf Reisen ist, auch mal ein gewaltiger Schneesturm dazwischen kommen. Wenn man das mal miterlebt hat, dann versteht man, was Naturgewalten alles ausrichten können. Es ist einfach ein wahres Abenteuer, in Grönland zu reisen. So wie grönländische Jäger, nämlich in erster Linie mit dem Hundeschlitten oder eben im Sommer mit kleinen Booten.

(Bild: Nur das Mobiltelefon und die Zigaretten verraten, dass dieser Jäger im 21. Jahrhundert lebt) Sie haben gerade das Wort "Abenteuer" gebraucht. Ist beim Abenteuer Grönland bei Ihnen auch mal Angst im Spiel?

Angst habe ich komischerweise nie. Und zwar nicht etwa, weil ich kein ängstlicher Mensch bin. Aber wenn ich die Jäger begleite, sehe ich, wie sie die Natur verstehen. Sie lesen die Spuren im Schnee, wenn Sie auf die Jagd gehen. Selbst im dichtesten Nebel finden sie immer wieder ihren Weg nach Hause. Außerdem haben sie diese unglaublichen Hunde, ... ... auf die sie sich blind verlassen können. 
Wenn etwas Gefährliches passiert, dann hast du mit den Huskies eine großartige Lebensversicherung. Jeder Eisbär sucht sofort das Weite, wenn er die Huskies sieht, denn er weiß genau: Gegen diese Hunde hat er im Grunde keine Chance.

(Bild: Inniger Moment zwischen Leithund und Jäger) Sie verdienen Ihr Geld im Showbusiness – wie groß ist der "Kulturschock", wenn es Sie wieder in den kalten Teil der Welt zieht?

Es ist vor allen Dingen etwas, was ich brauche, um einen gesunden Ausgleich zu bekommen. Diese Stille, die du dort erlebst, macht etwas mit dir. Und es ist ganz interessant, das zu erleben. Unser Gehirn ist wahnsinnig reizüberflutet, ...

(Bild: Es ist später Nachmittag - der Mond steht bereits hoch am Nachthimmel) ... wir brauchen die ganze Zeit neue Zerstreuung: Wir brauchen die Zeitung, das Fernsehen und das Internet. In Grönland ist dann plötzlich alles weg. Du bist
zurückgeworfen, auf dich allein gestellt. Zu Anfang wirst du nervös und unruhig. Mit der Zeit lässt man sich aber auf die Umgebung ein und wird ruhiger. Irgendwann fängt man schließlich an weniger zu denken.

(Bild: Düstere Winterstimmung im Eisfjord von Ilulissat) Bis der Zeitpunkt kommt, besonders auf so langen Märschen, wo Du gar nicht mehr denkst und sprichst. Das tut unheimlich gut. Umgekehrt, wenn man dann zurückkommt ins laute Fernsehstudio, ist das Umstellen natürlich gar nicht so einfach.

(Bild: Immer wieder brennen Häuser ab, da die alten Öfen überhitzen. Die Besitzer ziehen dann um, die Ruine bleibt.) Das klingt nach einer "Beziehung", die wohl noch länger andauern wird, oder?

Ich glaube, man hasst Grönland oder man liebt es. Wenn man bereit ist auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten und im Zweifel mal zwei Wochen auf das Duschen verzichten kann, dann gibt es meiner Meinung nach wenig schönere und vor allem romantischere Plätze als die Arktis.
Ich werde da mit Sicherheit noch oft hinreisen. Wenn man mich allerdings richtig quälen möchte, dann schenkt man mir zwei Wochen Mallorca. Das wäre so ziemlich das Ende für mich.

(Bild: Nordlicht über einer alten verlassenen Hütte) Seit bald 15 Jahren sind Sie in der Fernsehbranche, nun haben Sie ein Buch über Ihre Grönland-Erlebnisse geschrieben und auch selber dafür fotografiert. Wie ist das für einen "Fernsehmann", dann auf die Materie Buch umzuschwenken?

Ich habe 2007 mein erstes Buch geschrieben, da ich immer schon großen Spaß am Schreiben hatte.
Das ist ein schönes Gefühl, etwas Bleibendes zu schaffen. Da steckt für mich eine große Motivation dahinter, seine Erlebnisse zu Papier zu bringen und irgendwann sein "Baby" vor sich liegen zu haben: Ein schönes Buch, das nicht so flüchtig ist wie eine Fernsehsendung, die ja in dem Moment zu Ende ist, nachdem sie gesendet wurde.

(Bild: Ole Petersen, einer der besten Jäger in Qaanaaq) Buchtipp 
Diese und viele weitere spektakuläre Bilder und Berichte aus Grönland finden Sie in dem Buch:

Markus Lanz 
Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt 
National Geographic, 285 Seiten
39,95 Euro
(KURIER.at) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?