Grado: Ein frühlingshaf­ter Flirt

KURIER.at-Serie Städtereisen. Die Altstadt von Grado punktet mit viel Italien: Pizza, enge Gassen und viel Blick aufs Meer. Ein Lokalaugenschein nach langen Wintermonaten.

Sonneninsel oder Goldinsel - unter diesen schmeichelhaften Namen ist die kleine italienische Stadt Grado (Region Friaul-Julisch Venetien) bekannt. Und das völlig zu Recht. Vor allem im Frühling, wenn sich bei uns langsam die Temperaturen erhöhen, kann man in Grado schon schöne, frühsommerliche Tage genießen. 

Für Österreicher, die im Süden Kärntens leben, ist die Stadt perfekt für einen Tagesausflug mit viel, viel Urlaubsflair. In knapp zwei Stunden ist das Ziel per Auto erreicht. Schon die Anfahrt ist, jedenfalls nach langen Wintermonaten ohne nennenswerte Reise-Aktivität, spektakulär. Über einen Damm gelangt man auf die Insel ... ... und schon hat man "Dolce Vita" pur. Erster Fixpunkt eines wohl jeden Italien-Besuchs: der Strand, das Meer - endlich! Folgen Sie in Grado einfach den "Spiaggia"-Schildern, schon sind Sie da. Ein Schmankerl für Früh-Besucher: Parken am Strand ist noch gratis. Plätze gibt es auch mehr als genug. Nicht zu vergleichen mit den Monaten Juli oder August. Auch die Strandpromenade muss man in den ersten Frühlingstagen mit nicht besonders vielen Menschen teilen. Der Strand selbst lässt ein wenig das Feeling von einer Skipiste im Sommer aufkommen, ... ... die Winterspuren ... ... müssen erst beseitigt werden. Dafür kann man Fotos machen, die sich vom sommerlichen "Massenliegen" deutlich unterscheiden. Liegend findet man zu dieser Jahreszeit nur verwaiste Baumstämme. Snacks sollte man sich auch von zu Hause aus mitnehmen - diverse Standln sind noch "chiusi", also geschlossen. Es hilft nichts: Die Meerluft macht hungrig. Bevor man die schnuckelige Altstadt erkundet, sollte man sich daher erst stärken. Es haben zwar noch nicht alle Lokale geöffnet, die Auswahl ist aber ausreichend. Empfehlenswert ist etwa die Pizzeria "La Ciacolada" (via Caprin, 35) in der Nähe der Strandpromenade. Pizza: gut, Preis: ausgezeichnet, Gemütszustand nach dem Mahl: "molto contente". Als Verdauungsspaziergang bietet sich ein Bummel durch die engen Gassen der Altstadt bestens an. 

Das alte Stadtzentrum von Grado entspricht zum größten Teil dem alten "Castrum", d.h. dem ersten engen und schmalen Stadtkern, der in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts befestigt wurde und sich im kaiserlichen Zeitalter als Endteil des Hafens von Aquileia entwickelte. Durch Lagune und Stadtmauern geschützt galt Grado damals, in den Zeiten der Barbarenüberfälle, als relativ sicher und wurde oft als Nothafen genutzt. Das Flair von damals ist - natürlich ohne Barbaren-Begegnungen - sehr ursprünglich erhalten geblieben. Eigentlich eignet sich Grado, wie viele andere italienische Kleinstädte, gut als Vorlage für einen neuen Disneypark. Nichts geht aber über das Original. Wäre Grado größer, hätte man es als Tourist schwer, sich in den verwinkelten Gässchen zu orientieren. So kann man aber beruhigt durchwandern und findet eigentlich immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Eine Sehenswürdigkeit der Stadt: die Basilika. Das freut das Touristen-Herz: Wäsche aufhängen auf italienisch. Über einen Garten verfügen die Altstadt-Wohnungen nicht, daher dient der luftige Bereich vor dem Fenster zum Trocknen. Hinter jeder Ecke finden sich entzückende Gebäude. Italien-Architektur, wie man sie kennt und liebt. Auch Fahrräder scheinen in Grado äußerst beliebt zu sein, brav warten diese auf ihre Besitzer. Eine der Einkaufsstraßen von Grado. Shoppingmäßig ist der Frühling noch eine maue Zeit, sehr viele Läden haben geschlossen und präsentieren erst dem Sommertouristen ihre ganze Pracht. Doch viel wichtiger als das Shoppen ist ohnehin das Genießen der ersten, warmen Sonnenstrahlen. Das vertreibt die Wintermüdigkeit. Übrigens: Einheimische erkennt man ganz einfach. Während die Gäste so wenig wie nur möglich anhaben, hüllen sich die Italiener auch bei knapp über 20 Grad noch gerne in dicke Wintermäntel. Auch die Palmen sind noch eingepackt. Ganz egal. Das Meer ist blau, ... ... Muscheln zum Sammeln sind vorhanden und ... ... das nächste Cafe zum gemütlichen Ausruhen auf den fußmüden Touristen, wartet auch schon. Hier zu sehen: die Terrasse des Hotel Ristorante Marea (Via dei Provveditori, 6) - perfekt für einen Drink direkt an der Promenade. Letzter Besichtigungspunkt des Tages: der Hafen von Grado - von hier aus fahren die Schiffe raus in die mehr als zwölftausend Hektar große ist die Lagune, die als die schönste im ganzen Mittelmeer gilt. Eine zeitlose Ortschaft zwischen Wasser und Wind, wo die Stille herrscht. Und die Boote von "Papa Giovanni" sind auch schon startklar ...
(KURIER/Grado) Erstellt am
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