Götterinsel Bali bleibt ein Paradies

Reisterrassen, Dschungeldörfer und 2000 Tempel: Die hinduistische Götterinsel in Indonesien hat paradiesischen Charme. Einige Orte haben aber durch den Massentourismus ihren Charakter verloren.

Auf Bali wirst du ruhig und locker. Bali öffnet das Herz, macht gelassen, bessere Menschen, andere Menschen.
Julia Roberts hat mit dem Kinofilm "Eat Pray Love" die Götterinsel endgültig zum romantisch-esoterischen Idyll verklärt und damit im Vorjahr einen neuen Bali-Boom ausgelöst. Liebe, Glück, inneren Frieden findet Julia auf der vom Hinduismus geprägten Insel. Touristen finden ein Bali, das sich in den vergangenen 15 Jahren dramatisch verändert hat. Und zugleich auch wieder nicht. Das einst verträumte Künstlerdörfchen Ubud, wo noch in den 1990er-Jahren ein paar Maler ihre kitschig-naiven Bilder in kleinen Läden verkauften und man sich die wenigen Restaurants entlang der Hauptstraße noch merken konnte, ist heute eine kilometerlange dicht verbaute Shopping- und Restaurantmeile. McDonald’s ist genauso vertreten wie die Mode-Kette Billabong. Es gibt Edel-Boutiquen, Ramschläden, Basare. Ubud quillt über von "home made marmelade", Schnitzereien, Billigschmuck, Batik-Schals und Ethno-Fetzen. Die Idylle steht in den Reiseführern. Wer kann, wohnt in den neuen schicken Hotels mit Bungalows, Tropenholzmöbeln und Pools am Rande des Regenwaldes. Genauso explodiert sind die Strandhochburgen im Süden. In Kuta, Massenziel australischer Pauschaltouristen, ist jeder Quadratzentimeter zu einer Art Urlaubs-Supermarkt verbaut. Europäer weichen nach Sanur Beach und Nusa Dua aus – Reviere konfektionierter 5-Sterne-Tropen, in denen
Männer in Shorts die dicken Einkaufstaschen ihrer Frauen tragen. Der Jetset sitzt in Seminyak, das für den Luxus der Jetztzeit steht. Genossen und gut gelebt wird dort tunlichst hinter Hotelmauern, an türkisblauen Pools mit Modelmaßen und dekorativem Wedel ausgewählter Bananenstauden.

Bali eine Enttäuschung? Mitnichten. Alles ist bekanntlich Geschmacksache. Die neuen Hotels sind todschick, das Service ist exzellent. Selbst Ubud hat trotz Massen noch einen gewissen Charme. Und selbst wer so hoffnungslos altmodisch ist, dass er noch das echte Bali sucht, wird fündig. Zum Beispiel auf einer Fahrt im VW-Kübelwagen zu den legendären Reisterrassen, zum malerischen Bratansee mit Blick auf den Vulkan Batur, zu Tempel im Bergdschungel, die jederzeit als Filmkulisse für Indiana Jones taugen würden. 2000 Tempel soll es auf Bali geben. Auch religiöse Zeremonien sind kaum zu verpassen. Der VW 181 Kübelwagen wurde bis 1981 als Militärfahrzeug gebaut, mit Fetzendach und Sitzen, die umgedrehten Kübeln ähneln. In den 1970er-Jahren war der robuste Luftikus beliebtes Strandauto der Hippies in Kalifornien. Auf Bali hat der Österreicher Gerry Nutz das Oldtimer-Cabrio als ideales Gefährt für Touri-Safaris entdeckt. Mit Driver-Guides, die Chauffeur und Reiseleiter in einer Person sind, kurven wir in vier Smarties-bunten Kübeln durch Dörfer und Dschungel zu den versteckten Höhepunkten der Insel, zu Moos-überwachsenen Steintempeln, wo selbst in der Hochsaison kaum ein Tourist zu sehen ist. Still und mystisch ist Bali jetzt. Nördlich von Ubud schlängelt sich die schmale Straße durch eine unwirklich schöne Landschaft den Berg hinauf nach Jatiluwih. Hier sind Balis berühmte Reisterrassen am schönsten. Ganze Täler sind damit überzogen. Die Opfertempel auf den Feldern, Palmen und Berge spiegeln sich im Wasser, aus dem zart die jungen Reispflanzen sprießen. Das ganze Land leuchtet sanft grün in stufenlosen Schattierungen. Nächster Stopp – Bratan See. Märchenhaft, zauberhaft steht der Ulun-Danu-Tempel auf der Mini-Insel mitten im Wasser. Im Hintergrund Urwald-grüne Bergketten und der pechschwarze Krater-Gipfel des Vulkans Batur. Das Seeufer säumen Blumenbeete und Spazierwege. Eine Kulisse, die Sehnsüchte befriedigt, sich verkaufen lässt. Vor Jahren gab es auch hier noch kaum Touristen. Heute ist der Tempel vorbildlich restauriert und tägliches Ziel der Ausflugsbusse. Genauso wie der Uluwatu-Tempel, der im Südwesten der Insel auf einer Klippe über dem Meer thront. Zum Sonnenuntergang drängen dort Touristenscharen ins Open-Air-Theater mit Blick auf die im Meer versinkende Sonne. Es ist Zeit für den Affentanz Kecak. Männer im Lendenschurz verkörpern das Affenheer des Prinzen Rama. "Kecak Kecak Cak-a-Cak", rufen sie und tanzen ums lodernde Feuer, bis die Nacht die Sonne verdrängt. Applaus, Applaus. Auf den Rängen ist man gerührt. Nirgends sonst auf Bali sei der Kecak-Tanz so authentisch zu erleben, erklärt der Reiseleiter. Wir sehnen uns zurück in die Stille der Dörfer, Reisfelder und Tempel im Dschungel. Bali hat sich verändert – und auch wieder nicht.

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(KURIER) Erstellt am
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