Galapagos: Freiluftkino der Evolution

Mit Luxusjacht und Schlauchboot auf Tuchfühlung mit Leguanen, Schildkröten und Robbenbabys.
Ein Meeresleguan steht am Strand, im Hintergrund sind Menschen und ein Boot zu sehen.

Zeit ist in Zeiten voller Terminkalender so kostbar wie nie zuvor. Was Zeit aber auf der Erde wirklich bedeutet, kann man auf den Galapagosinseln so gut wie nirgendwo erleben. Vom Beginn einer Existenz über deren umweltbedingten Wandel bis zu ihrem Ende, egal, ob es sich um Lebewesen oder ein Stück Land handelt. Die Galapagosinseln sind ein 3-D-Breitwandkino, in dem ein Dauerfilm über die Evolution und die Bedeutung von Zeit und Veränderung gezeigt wird. Treten Sie ein!

Ein farbenfroher Krabbe auf dunklem Lavagestein.

A Zayapa red crab perches on a rock at Punta Albem
Ein Leguan sitzt auf einem Felsen vor dem Hintergrund des Meeres.

Iguana
Eine Galapagos-Riesenschildkröte steht auf dem Boden.

File photo of Lonesome George in Puerto Ayora
Eine Riesenschildkröte frisst einen Gemüseturm aus Paprika, Karotte, Zucchini und Birnen.

BRITAIN GALAPGOS TORTOISE LONDON ZOO FEEDING
Ein Taucher beobachtet eine Meeresschildkröte inmitten eines Schwarms Fische.

A scuba diver takes pictures of a turtle close to
Ein Hammerhai schwimmt umgeben von vielen Fischen im Meer.

A hammerhead shark swims close to Wolf Island at G
Drei Seelöwen ruhen sich an einem Strand aus.

ECUADOR NATURE SEA LIONS
Eine Galapagos-Riesenschildkröte überquert einen roten Schotterweg.
A giant tortoise is seen on a road at Santa Cruz island at Galapagos National Park August 23, 2013. Picture taken August 23, 2013. REUTERS/Jorge Silva (ECUADOR - Tags: ENVIRONMENT SOCIETY TRAVEL ANIMALS)
Der legendäre „Lonesome George“, Letzter einer Riesenschildkröten-Art, ist zwar im Sommer 2012 im Alter von geschätzten hundert Jahren gestorben (ein imposanter Grabstein im Darwin Research Center erinnert an ihn ), aber von seinen weitschichtigen Verwandten gibt es noch genug. Oft sind Schildkröten die ersten Insulaner, die Galapagos-Besucher verzücken. Auf dem langen Weg vom Hauptflughafen Baltra im Norden der Insel Santa Cruz nach Puerto Ayora stoppen die meisten Busse in den zentralen Hügeln und Wäldern. Das ist der beste Platz, um bei geführten Spaziergängen die mehr als ein Meter langen, freundlichen gepanzerten Reptilien zu fotografieren und zu beobachten.
Zwei Seelöwen ruhen sich am Strand aus.
epa03738212 A photo made available 09 June 2013 shows two Galapagos sea lions (Zalophus wollebaeki) at the Baquerizo Moreno Port, in Galapagos, Ecuador 03 June 2013. According to a study from the Direction of the Galapagos National Park, the Galapagos sea lion population has decreased about 50 per cent in the last 30 years. The study states that there is a 'great concern regarding the future of this species', which is already listed on the International Union for the Conservation of the Nature's (IUCN) Red List of Threatened Species. EPA/Jose Jacome
Ausgangspunkt meiner Galapagos-Expedition ist Puerto Ayora auf Santa Cruz, der zweitgrößten und bevölkerungsreichsten Insel des Galapagos-Archipels. Von hier aus werde ich gleich auf eines der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe gebracht – und schon schließe ich Bekanntschaft mit Seelöwen: Ein Bootssteg eignet sich ausgezeichnet zum Sonnen, was die Meeressäuger auch sehr gern tun.

Mein leicht schwankendes Zuhause für die nächsten Tage ist die „La Pinta“, eine feine Jacht für maximal 48 Gäste. Alle Kojen haben große Außenfenster – sehr angenehm. Die Küche im kühl klimatisierten Restaurant ist hervorragend, weitere Annehmlichkeiten sind ein Sonnendeck mit großer Bar und Whirlpool sowie ein geräumiger Salon mit einer weiteren Bar, wo Vorträge gehalten, Fotos und Filme gezeigt werden.

Auftritt der Babyrobbe

Die Hauptattraktion jeder Galapagos-Kreuzfahrt sind freilich die Tiere. Der Kontakt mit den überhaupt nicht scheuen Wesen ergibt sich zwangsläufig, auch wenn aktives Nähern oder gar Berühren streng verboten sind. Aber wenn man im Wasser schwimmt oder schnorchelt, kommen temperamentvolle Seelöwen zum Spielen und gehen schon einmal im Vorbeitauchen auf Hautkontakt. Die putzige Babyrobbe, die neugierig aus einer Felslagune über den Strand zu mir emporwatschelt, um dann intensiv mein Knie zu beschnuppern, zählt zu meinen unvergesslichen Erlebnissen.

Ein farbenfroher Krabbe auf dunklem Lavagestein.
Solche Begegnungen passieren auf den Schlauchbootausflügen, die mehrmals am Tag stattfinden und zu allen Attraktionen vor und auf den Inseln führen. Die Küsten bestehen zwar im Prinzip meist aus graubraunen, scharfen Lavafelsen, die aber immer bunter werden, je näher man kommt: Knallrot, blau und gelb leuchten etwa die unzähligen Klippenkrabben, in unbeschreiblich grellen Farben.

Neues Leben auf der Lava

Erstaunlich, wie viele Tiere auf Vulkangestein existieren – auf Inseln, die sich ständig verändern, denn die Galapagos werden von unterirdischer Magma genährt und bewegt. Die Nasca-Platte im Westen erzeugt durch Vulkanausbrüche neue Eilande, die langsam nach Osten wandern und im Lauf der Zeit untergehen. Keine Sorge, das zieht sich über Millionen von Jahren.

Wie aus totem Gestein Leben erwacht, sieht man gut auf der Insel San Salvador (auch Santiago genannt). Auf den brüchigen, von Höhlen durchzogenen, apokalyptisch schwarz glänzenden Lavafeldern mit reliefartigen Mustern sprießen immer wieder winzige grüne Flechten hervor, deren Samen der Wind irgendwann fallen ließ. Davon werden wieder Insekten und Kleintiere angezogen, und dank dieses Kreislaufs der Natur wird auch hier irgendwann Buschwerk, vielleicht sogar ein Wald entstehen.

Ein gelber Leguan ruht auf einem dunklen Felsen, im Hintergrund sind Touristen zu sehen.
Leguan, Galapagos Islands
Einer der besser getarnten Überlebenskünstler ist die Meerechse, die als einzige Leguanart der Welt nur hier auf den Galapagos das Futter zwar aus dem Meer bezieht, aber auf den schroffen Lavafelsen wohnt und sich dort wieder aufheizt.

Eigentlich zu heiß müsste es den Galapagos-Pinguinen hier sein. Dank Zufall, kalter Humboldt-Strömung und Evolution haben sie es geschafft, hier sesshaft zu werden, als einzige Pinguin-Art nördlich des Äquators.

Zwei Taucher beobachten einen grossen Zackenbarsch inmitten eines Schwarms kleinerer Fische.
A scuba diver swims next to a Leather Bass close to Wolf Island at Galapagos Marine Reserve August 19, 2013. Picture taken August 19, 2013. REUTERS/Jorge Silva (ECUADOR - Tags: ENVIRONMENT SOCIETY TRAVEL ANIMALS TPX IMAGES OF THE DAY)
Apropos Humboldt-Strom: Dank seiner tiefen Temperaturen sind die Gewässer um die Galapagos äußerst fischreich, und das wiederum bedeutet Nahrung für viele andere Tiere. Die meisten davon sind naturgemäß Vögel, die die Touristen oft nicht einmal ignorieren. Sie nehmen sie höchstens als interessante, wenn auch etwas lästige Spezies zur Kenntnis, die sich rechtzeitig vor dem Abendessen wieder vertschüsst. Wer der Herr im Haus ist, ist auch klar, denn Ausweichen muss immer der Mensch, und das ergibt eine friedliche Koexistenz.

Erfreuliches Resultat für die Besucher: Gestochen scharfe Fotos von optisch äußerst herausgeputzten Flugtieren. Lieblinge aller Fotografen sind die Blau- und Rotfußtölpel, nicht nur wegen ihrer von Weitem sichtbar leuchtenden Schwimmhäute zwischen den Zehen. Praktischerweise brüten sie meist in Büschen oder auf Felsen neben gekennzeichneten Pfaden.

Am Himmel regieren andere: Fregattvögel, Piraten der Lüfte. Sie denken gar nicht dran, wie ihre Artgenossen in die Gischt einzutauchen, um einen Fisch zu fangen. Sie warten lieber, bis Tölpel & Co einen aus dem Meer geholt haben und attackieren diese mit vollem Schnabel nicht so beweglichen Vögel so lang, bis sie ihre Beute fallen lassen. Dann folgt meist noch eine wilde Keilerei zwischen den Fregattvögeln selbst, bis der Geschickteste unter den pfeilschnellen Luftakrobaten gewinnt. Am fotogensten sind sie allerdings nicht auf ihren Raubtouren, sondern wenn die Männchen liebeshungrig werden. Dann blasen sie ihren knallroten Kehlkopf auf halbe Körpergröße auf, um den anwesenden Damen zu imponieren.

Nach fünf spannenden Tierbeobachtungstagen steuert die „La Pinta“ wieder Puerto Ayora an. Im schönsten Hotel der Insel, dem nur mit Boot erreichbaren Finch Bay Eco Hotel, schwimmen wir mit entspannten Einheimischen, relaxen am Pool.

Gestresste Fischer

Auch hier gibt es lohnende Ausflüge. Ein Muss ist die Charles Darwin Research Station, eine Hetz der Besuch des Fischmarkts, wo die Fischer beim Zerlegen ihres Fanges höchste Konzentration aufbringen müssen, um sie nicht an einen zu Füßen lauernden Seelöwen oder Pelikan zu verlieren.

Schweißtreibend, aber lohnend ist der Marsch entlang der Mangrovensümpfe nach Las Grietas, einer Felsschlucht mit Meerespool, in den sich Klippenspringer alle paar Minuten waghalsig hinabstürzen.

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