Galapagos: Freiluftkino der Evolution
Zeit ist in Zeiten voller Terminkalender so kostbar wie nie zuvor. Was Zeit aber auf der Erde wirklich bedeutet, kann man auf den Galapagosinseln so gut wie nirgendwo erleben. Vom Beginn einer Existenz über deren umweltbedingten Wandel bis zu ihrem Ende, egal, ob es sich um Lebewesen oder ein Stück Land handelt. Die Galapagosinseln sind ein 3-D-Breitwandkino, in dem ein Dauerfilm über die Evolution und die Bedeutung von Zeit und Veränderung gezeigt wird. Treten Sie ein!
Mein leicht schwankendes Zuhause für die nächsten Tage ist die „La Pinta“, eine feine Jacht für maximal 48 Gäste. Alle Kojen haben große Außenfenster – sehr angenehm. Die Küche im kühl klimatisierten Restaurant ist hervorragend, weitere Annehmlichkeiten sind ein Sonnendeck mit großer Bar und Whirlpool sowie ein geräumiger Salon mit einer weiteren Bar, wo Vorträge gehalten, Fotos und Filme gezeigt werden.
Auftritt der Babyrobbe
Die Hauptattraktion jeder Galapagos-Kreuzfahrt sind freilich die Tiere. Der Kontakt mit den überhaupt nicht scheuen Wesen ergibt sich zwangsläufig, auch wenn aktives Nähern oder gar Berühren streng verboten sind. Aber wenn man im Wasser schwimmt oder schnorchelt, kommen temperamentvolle Seelöwen zum Spielen und gehen schon einmal im Vorbeitauchen auf Hautkontakt. Die putzige Babyrobbe, die neugierig aus einer Felslagune über den Strand zu mir emporwatschelt, um dann intensiv mein Knie zu beschnuppern, zählt zu meinen unvergesslichen Erlebnissen.
Neues Leben auf der Lava
Erstaunlich, wie viele Tiere auf Vulkangestein existieren – auf Inseln, die sich ständig verändern, denn die Galapagos werden von unterirdischer Magma genährt und bewegt. Die Nasca-Platte im Westen erzeugt durch Vulkanausbrüche neue Eilande, die langsam nach Osten wandern und im Lauf der Zeit untergehen. Keine Sorge, das zieht sich über Millionen von Jahren.
Wie aus totem Gestein Leben erwacht, sieht man gut auf der Insel San Salvador (auch Santiago genannt). Auf den brüchigen, von Höhlen durchzogenen, apokalyptisch schwarz glänzenden Lavafeldern mit reliefartigen Mustern sprießen immer wieder winzige grüne Flechten hervor, deren Samen der Wind irgendwann fallen ließ. Davon werden wieder Insekten und Kleintiere angezogen, und dank dieses Kreislaufs der Natur wird auch hier irgendwann Buschwerk, vielleicht sogar ein Wald entstehen.
Eigentlich zu heiß müsste es den Galapagos-Pinguinen hier sein. Dank Zufall, kalter Humboldt-Strömung und Evolution haben sie es geschafft, hier sesshaft zu werden, als einzige Pinguin-Art nördlich des Äquators.
Erfreuliches Resultat für die Besucher: Gestochen scharfe Fotos von optisch äußerst herausgeputzten Flugtieren. Lieblinge aller Fotografen sind die Blau- und Rotfußtölpel, nicht nur wegen ihrer von Weitem sichtbar leuchtenden Schwimmhäute zwischen den Zehen. Praktischerweise brüten sie meist in Büschen oder auf Felsen neben gekennzeichneten Pfaden.
Am Himmel regieren andere: Fregattvögel, Piraten der Lüfte. Sie denken gar nicht dran, wie ihre Artgenossen in die Gischt einzutauchen, um einen Fisch zu fangen. Sie warten lieber, bis Tölpel & Co einen aus dem Meer geholt haben und attackieren diese mit vollem Schnabel nicht so beweglichen Vögel so lang, bis sie ihre Beute fallen lassen. Dann folgt meist noch eine wilde Keilerei zwischen den Fregattvögeln selbst, bis der Geschickteste unter den pfeilschnellen Luftakrobaten gewinnt. Am fotogensten sind sie allerdings nicht auf ihren Raubtouren, sondern wenn die Männchen liebeshungrig werden. Dann blasen sie ihren knallroten Kehlkopf auf halbe Körpergröße auf, um den anwesenden Damen zu imponieren.
Nach fünf spannenden Tierbeobachtungstagen steuert die „La Pinta“ wieder Puerto Ayora an. Im schönsten Hotel der Insel, dem nur mit Boot erreichbaren Finch Bay Eco Hotel, schwimmen wir mit entspannten Einheimischen, relaxen am Pool.
Gestresste Fischer
Auch hier gibt es lohnende Ausflüge. Ein Muss ist die Charles Darwin Research Station, eine Hetz der Besuch des Fischmarkts, wo die Fischer beim Zerlegen ihres Fanges höchste Konzentration aufbringen müssen, um sie nicht an einen zu Füßen lauernden Seelöwen oder Pelikan zu verlieren.
Schweißtreibend, aber lohnend ist der Marsch entlang der Mangrovensümpfe nach Las Grietas, einer Felsschlucht mit Meerespool, in den sich Klippenspringer alle paar Minuten waghalsig hinabstürzen.
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