Reise
12.12.2011

Fuerteventura: Erste Reihe fussfrei

Robinson/Fuerteventura: Der Club Jandia Playa auf der Kanaren-Insel war vor 40 Jahren die erste Anlage der deutschen Hotelkette. Damals durfte noch direkt am Strand gebaut werden. Runderneuert startet der Club neu durch.

Fünfundzwanzig Grad, leichte Bewölkung, Wind mit fünfzehn Kilometer pro Stunde aus Nordost", schnarrt die Stimme des Copiloten aus dem Lautsprecher des Airbus der Airberlin von Nürnberg nach Fuerteventura kurz vor der Landung.


"Och, det is ja wie inna Wüste", murmelt Sitznachbarin Anke am Fensterplatz sichtlich enttäuscht, als sie beim Landeanflug auf Puerto del Rosario auf das karge, graubraune Eiland schaut, das tausend Meter unterhalb im tiefblauen Atlantik liegt. Die solariumgebräunte WasserstoffBlondine, die nach der Ankunft schon etwas fröhlicher in die Sonne blinzelt, macht zum ersten Mal Urlaub auf der Kanaren-Insel und steuert auf den Bus zu, der sie zu einer der zahlreichen Appartementanlagen nach Morro Jable im Süden bringen wird.

"Robinsö(h)ne mir nach!" Und eine kleine Gruppe salopp gekleideter Urlauber – altersmäßig bunt gemischt – folgt der Aufforderung einer gut gelaunten TUI-Mitarbeiterin.


Nach einstündiger Fahrt an Grünoasen, Klubanlagen, Appartements und Golfplätzen vorbei, erreicht der Bus den Robinson Club Jandia Playa.


Lockerer, doch aufmerksamer Empfang in der sechs Hektar großen Anlage, der man nicht ansieht, dass sie vor 40 Jahren gebaut wurde. Die von fünf Gärtnern perfekt gepflegte, 60.000 m² große Grünanlage mit exotischen Bäumen, Palmen, Sukkulenten, Kakteen und Blumen können mit manch botanischem Garten mithalten. Doch der Beginn war hart.

Steinzeit

Anfang der 1970er-Jahre hatten ein paar "Spinner" ein 9-geschoßiges Hotel in "the middle of nowhere" gesetzt. Ohne asphaltierte Straße, ohne Wasser – etwas Nass kam aus einer selbst angelegten brackigen Zisterne, der Rest per primitiven Tankwagen über eine Rumpelpiste – und ohne Telefon. Die Verbindung zum Rest der Welt erfolgte per Funk. Aber – und hier traf Genie auf Wahnsinn – direkt vor einem traumhaften 20 Kilometer langen Sandstrand. Damit spielt der Methusalem unter den Robinson-Clubs noch heute einen altersbedingten Vorteil aus, denn in den 70er-Jahren musste beim Bauen noch kein 100-Meter-Abstand zum Strand eingehalten werden.

Egal, was Reiseführer auf Fuerteventura auch als Sehenswürdigkeiten anpreisen mögen, die wahren Highlights sind Strand, Sonne, Meer, Wind. Und die T-Shirts mit dem lustigen "Cabrito" drauf, dem genügsamen Zicklein, das das inoffizielle Wappentier der Insel ist. Aus den puristischen Anfängen erklären sich auch der Name "Robinson" und das Wappentier des Clubs, der Papagei Poll, der in Daniel Defoes Roman der erste Freund Robinsons war.

Der Club ist zwar nicht mondän, aber modern, die frisch renovierten Zimmer im "Pueblo", 170 an der Zahl und sechs neue, großzügig angelegte Suiten, sind mit stilsicherer Hand und exklusivem Materialmix sehr geschmackvoll eingerichtet. Die Badezimmer mit edlen Armaturen, Designer-Waschtischen und liebevoll gestalteten Details tragen viel dazu bei, sich rundum wohlzufühlen.


Sport-Campus sind vor allem Strand und Meer. Tauchen für alle Leistungsstufen an rund 20 spektakulären Plätzen. Windsurfen bei leichten Brisen bis zu kräftigen Böen. Oder Katamaran-Segeln, ein spritziges Abenteuer auf kleinen, giftigen und pfeilschnellen Hobie-Cats, bei dem es ordentlich zur Sache geht.

Sportzeit

Wie auch beim Beach-Volleyball vor fachkundigem Publikum. Robinson bringt immer wieder Spitzenleute verschiedener Sportarten in die Clubs, die die Gäste trainieren. Beim KURIER-Besuch lag Beach-Volleyball voll im Trend. Mit dem deutschen Bundestrainer und Olympia-Medaillengewinner Jörg Ahmann und dem ehemaligen Nationalspieler Axel Hager.

Immer aktuell Tennis – auf neun Plätzen mit Kunstrasen und Quarz-Sand. Auch der WellFit-Bereich, ausgestattet mit modernsten "Foltergeräten", ist bei der Young-Fun-Generation, die ständig auf der Jagd nach hohem Puls ist, beliebte Work-out-Zone. Ein feines Spa mit Dampfbad, Sauna und Sanarium sorgt für das wohltuende Finale der Muskelspiele.

Ja, und fast könnte man es vergessen, man kann auch im Pool oder Meer schwimmen. Ein Sprung in den Atlantik im Winter wird bei frischen Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad allerdings schon zur Mutprobe. Natürlich gibt`s auch Aqua-Fitness, Salsa-Kurse und vieles mehr.

 

Mahlzeit

Essen kann zum schwer wiegenden Problem werden: Es ist schwer, nicht schwerer wegzufahren als man angekommen ist. Der Start am Morgen ist beeindruckend und lässt keine Wünsche offen. Ob Müsli-Fan, Fleisch-Tiger oder Vegetarier – für alle gibt`s alles auf sehr hohem Niveau: köstliche Käse-, Wurst, Eier- und Gemüsegerichte, Aufstriche, Speck und mehr. Der Bogen reicht aber auch von Exoten wie Chirimoya und Kapstachelbeeren bis zu saurem Hering oder feurig scharfem Rollmops. Und wen es nach einer Assam-Highland-Mischung gelüstet, der wird auch fündig.

Zu Mittag und am Abend werden Gemüse, Fisch, Meeresfrüchte und Fleisch zumeist direkt am Büfett von Spitzenköchen frisch zubereitet. Lasches Warmgehaltenes ist verpönt. Weder das Obst-Angebot noch die Patisserie fallen ab. Auffallend dabei, wie locker und freundlich das Personal die Wünsche der Gäste erfüllt.

Beim nächtlichen Spaziergang über die Uferpromenade ins 15 Minuten entfernte Morro Jable treffe ich vor der Abreise in der letzten offenen Bar wieder auf Anke. Wie`s ihr denn gefallen habe? "Och, nich` so doll", etwas fad sei es gewesen.

Am Heimflug kündigte der Pilot vor der Landung dann Bodennebel und Temperaturen um den Gefrierpunkt an: Beginn und Ende des Urlaubs waren gleich, doch zwischen Ankes Urlaub und meinem lagen Welten.

INFO

Beste Reisezeit: Die Kanaren gelten als die "Inseln des ewigen Frühlings". 300 Sonnentage im Jahr. Die Tagestemperaturen liegen auch im Winter zumeist um die 20 und darüber.

Angebot: Die Robinson-Clubs gehören zur TUI-Gruppe. Eine Woche Vollpension auf Basis Doppelzimmer, Flug mit Niki inkl. Transfers ab 930 € pro Person. Info & Buchung im Reisebüro.

Club für Sportler: Der Robinson-Club Jandia Playa ist konzipiert für Sportler. Wegen der Windverhältnisse speziell für Surfer und Segler. TUI empfiehlt ihn vor allem Singles und Paaren, nur beschränkt Familien mit Kindern, die im sechs Kilometer entfernten All-inclusive-Club Esquinzo Playa bestens aufgehoben sind.

– Jandia Playa hat keine All-inclusive-Verpflegung, sondern Vollpension. Dazu gehört: Büfett-Essen zu Mittag und Abend im Hauptrestaurant, Kaffeespezialitäten zum Frühstück, Langschläferfrühstück im Strandrestaurant. Mitternachtssnack. Tischwein, Bier, im Büfettbereich angebotene Softdrinks sowie Filterkaffee und Tee zu den Hauptmahlzeiten.

– Abendessen und Getränke in den zwei Spezialitätenrestaurants "Taberna" und "Robi Bar" kosten extra.

– Sport: Täglich angeboten werden Fitness-Aktivitäten indoor und outdoor wie etwa Stretching, Pilates, Tennis (auf neun Rasen- bzw. Sandplätzen) sowie Surfen, Segeln, Sportentertainment, Kurse und Wettkämpfe.

– Gegen Gebühr: Zum Beispiel Power Plate, Personal-Training, maßgeschneiderte Fitnessprogramme. Leih-Katamarane (Schein erforderlich), Tauchgänge und -kurse unter anderem am nahe gelegenen Hausriff.

Robinsonaden: Unter diesem Titel werden gegen Gebühr auch Aktivitäten außerhalb des Clubareals angeboten, z. B. Inselrundfahrten, Katamaran-Ausflüge, Enduro-Touren.

Individuelle Ausflüge Tier-Shows und Kamel-Safaris im nahen Zoo Oasis-Park in La Lajita; Freilichtmuseum in Tefia im Nordwesten der Insel mit alter Handwerkskunst.