Wow Air macht Island zum Sprungbrett für US-Flüge
Die isländische Billigfluglinie Wow Air will angestammten Airlines wie der AUA-Mutter Lufthansa auf den lukrativen Strecken zwischen Europa und den USA Passagiere ablocken. "Dieser Markt wird zu 99 Prozent von einem Club aus Traditionsgesellschaften kontrolliert", sagte Wow-Air-Gründer und Firmenchef Skuli Mogensen in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.
Zwischenstopp: Reykjavik
"Billigfluglinien können ein Viertel des Marktes erobern." Bei 60 Millionen Passagieren auf diesen Routen gebe es noch Platz für einen Newcomer wie die fünf Jahre alte Wow Air, deren Jets zwischendurch in der isländischen Hauptstadt Reykjavik landen. Die eigentlich abgelegene Lage Islands im Nordatlantik sei hier ein Vorteil. "Die Insel ist das perfekte Sprungbrett für Transatlantikflüge."
Der Markt für Verbindungen zwischen Europa und Nordamerika wird von den drei großen europäischen Airline-Konzernen Air France-KLM, British Airways-Iberia und der Lufthansa sowie ihren US-amerikanischen Partnern kontrolliert.
18 Stunden am Tag in der Luft
Doch anders als der Rivale aus Oslo setzt Wow Air nicht auf direkte Flüge, sondern auf Umsteigeverbindungen. "Unser Modell funktioniert, da wir binnen 24 Stunden die perfekte Schleife fliegen", sagt der Top-Manager. Morgens gehe es mit einem der derzeit acht Flugzeuge von Reykjavik nach Europa, dann über Island an die US-Ostküste und wieder zurück zur Heimatbasis. Damit blieben die Maschinen im Schnitt 18 Stunden am Tag in der Luft, und nur dort verdienten sie Geld. Zweiter Vorteil der Strategie: Wegen des Zwischenstopps benötigt Wow Air keine teuren Langstrecken-Jets wie die Lufthansa, sondern fliegt mit relativ kleinen Airbus-A320-Maschinen.
Mit gut 730.000 Passagieren in 2015 verdiente die Fluglinie unter dem Strich 8 Mio. Euro - es war der erste Gewinn in der Firmengeschichte. Mogensen plant, dieses Jahr mehr als doppelt so viele Tickets zu verkaufen. Auf die Ratschläge und Wünsche von Investoren muss der Unternehmer nicht achten, da ihm Wow Air gehört. "Wenn ich Geld benötige, greife ich in meine linke Hosentasche." Den Grundstein für sein Vermögen legte der Isländer vor Jahren mit dem Verkauf eines Technik-Startups an Nokia.
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