Lustwandeln in der endlosen Weite der Dehesa

Die Region fasziniert mit Landschaft, historischen Städten und Rohschinken.
Blick auf eine Stadt mit einer großen Kathedrale und grünen Hügeln im Hintergrund.

Es ist immer die Frage: prägt das Land die Menschen, oder ist es umgekehrt und der Mensch formt die Landschaft?" sinniert Marco Mangut, unser engagierter Guide in der Extremadura. In den Weiten der südspanischen Provinz zwischen Madrid und Sevilla kommt noch ein weiteres gestalterisches Element dazu: Das Schwein. Genauer gesagt, das halbwilde, schwarze iberische Schwein, "cerdo ibérico". Mensch, Tier und Natur leben hier in einer perfekten Koexistenz. Zur gelungenen Symbiose gehören auch die Abertausenden Störche bzw. ihr Dung: Auf fast jedem Rauchfang, Kirchturm und Strommast findet man ein Nest. Schon seit keltischen Zeiten wird hier ein nachhaltiges System des Wirtschaftens gepflegt – geprägt vom gegenseitigen Geben und Nehmen zwischen Mensch und Natur.

Dehesa, die endlose Weite

Eine Gruppe iberischer Schweine grast auf einer grünen Wiese.
Die Extremadura ist halb so groß wie Österreich, hat aber nur 1,1 Millionen Einwohner – ist also extrem dünn besiedelt. Industrie gibt es hier kaum. Da ist Platz für die endlose Weite der Dehesa, wie die einzigartige Kulturlandschaft heißt: Riesige, im Frühling saftig grüne und blumenübersäte Weideflächen. Charakteristisch für sie sind die vereinzelten, knorrigen Steineichen. Sie wirken wie Lollis in den sanft welligen Hügeln. Ein Drittel der Extremadura besteht aus Dehesa. Und die Dehesa ist perfekt für ein iberisches Schwein, um glücklich zu sein. Und um das allerbeste Fleisch für den berühmten Jamón Ibérico Bellota, wie die exklusivste Rohschinkenqualität in Spanien heißt, zu liefern.

Iberische Safari

Im zarten Alter von einem Jahr werden die schwarzen Borstentiere in die Dehesa ausgesetzt. Von nun an müssen sie sich für die nächsten vier, fünf Monate selber ihre Nahrung suchen, die aus Steineicheln (Bellotas), Gräsern und Kräutern besteht. Das verlangt den Borstentieren einiges ab: täglich müssen sie für die Futtersuche einen Halbmarathon zurücklegen. Sportlerschweine also.

Mit dem Jeep brechen wir von der Finca Aldea del Condo zur iberischen Schweine-Safari in die Dehesa auf. Welch Stille, welch Weite, welch himmlischer Frieden! Zuerst geht’s über Blumenwiesen – das Revier der bildhübschen braunen Kühe. Dort, wo der Rasen ganz niedrig ist, finden wir die schwarzen Schweine. Neugierig und flink wie Hunde kommen sie herbeigelaufen, ihre langen Ohren schlenkern dabei wie die eines Dackels. Ihr lustiges Treiben zu beobachten macht genauso viel Spaß wie Elefanten in Afrika aufzulauern.

Paradies für Gourmets

Ein Teller mit geschnittenem Jamón Ibérico neben einem ganzen Schinkenbein.
Die autonome Region Extremadura ist ein wahres Paradies für Gourmets und Freunde des Jamón Ibérico. Er landet mindestens drei Mal täglich auf dem Tisch. Und wehe, wer den Schinken mit der Gabel vom Teller fischt: Der wird sofort als Fremder entlarvt. Die Extremeños langen beim Ibérico stets mit den Finger zu. Wir sind lernfähig, tun es ihnen gleich und können auch schnell guten von hervorragendem Bellota-Schinken unterscheiden. Diese Qualität hat aber seinen Preis: rund 8,50 Euro kosten zehn Deka vom Allerbesten.
Ein älterer Mann reitet auf einem Esel durch eine gepflasterte Gasse.
Die rund fünf Jahre dauernde Prozedur der Schinkenerzeugung kann man beim traditionsreichen Familienbetrieb Casa Bautista in Montánchez nachvollziehen. Nach der Verkostung empfiehlt sich ein Spaziergang durch das verschlafene weiße Dorf, in dem noch die alten Herren auf dem Esel vom Feld heim reiten. Die imposante Festung aus dem 12. Jahrhundert hoch darüber bietet als Balkon der Extremadura herrliche Aussichten über das weite Land.

Lebendiges Mittelalter

Ein langer Saal mit Ziegelwänden, Bögen und Statuen an den Seiten.
Kulturell Interessierte kommen bei den extremenischen Städtekleinoden ins Jubeln. Die Via de la Plata förderte als eine Art römischer Autobahn in der Antike den Handel und in der Folge den Wohlstand. Er findet bis heute in imposanten Römerbrücken, Theatern und Tempeln Ausdruck. Das beste Zeugnis römischer Vergangenheit ist Mérida: Kaiser Augustus ließ hier dereinst für seine Veteranen eine moderne Stadt samt Vergnügungszentrum errichten, um ihnen eine "Pension" in Saus und Braus zu ermöglichen. Neben der originalen Römerbrücke und dem rekonstruierten Theater ist das Museo Nacional de Arte Romano ein absolutes Besuchermuss: Nicht nur wegen der "alten Steine", sondern auch wegen des spektakulären Baus des bekannten spanischen Architekten Rafael Moneo.

Adelspaläste

Blick über die Dächer der Altstadt von Trujillo, Spanien, mit der Burg im Hintergrund.
Westgotische Kirchen, arabische Festungen, mittelalterliche Burgen, prunkvolle Klöster und herrliche Adelspaläste erzählen bis heute von den auf die Römerzeit folgenden, florierenden Epochen. Doch im 16. Jahrhundert kam es plötzlich zum Bruch: Als im Zuge der Entdeckungen Europa seinen Horizont nur mehr auf die neuen Kontinente richtete, geriet die Binnenprovinz ohne Meerzugang aufs Abstellgleis. Der Dornröschenschlaf dauerte an – und so blieben die vielen mittelalterlichen Städtchen bis heute nahezu unverändert erhalten: etwa Zafra, Trujillo, Olivenca, Jerez de los Caballeros oder Guadalupe.
Ein Innenhof mit einem alten Brunnen und Tischen für ein Abendessen im Freien.
Das schönste Schmuckstück ist Cáceres: Eine arabische Wehrmauer mit spitzen Festungstürmchen schützt die zahlreichen mittelalterlichen Adelspaläste. Die völlig ohne Bausünden geschlossen erhaltene Altstadt könnte auch die Kulisse eines Mittelalterfilms sein, und dennoch ist sie kein lebloses Museum: 600 Menschen leben aktuell hinter den schweren Mauern aus honiggelbem Granit. Es ist herrlich, sich durch den Trubel der engen Gassen treiben zu lassen. Bei einem Besuch im Stadtmuseum stoßen wir wieder auf einen guten alten Bekannten: Das iberische Schwein. Diesmal aber aus der Römerzeit. Und aus Granit.
Eine Karte der spanischen Region Extremadura und angrenzenden Gebieten von Portugal.
Anreise

Niki fliegt WienMadrid direkt, Partner Air Berlin SevillaWien über den Hub Palma de Mallorca (jeweils täglich). Die beiden Flughäfen liegen je rund eineinhalb Autostunden nördlich bzw. südlich der Extremadura. Ideal ist ein Gabelflug MadridSevilla.

Hotel & Restauranttipps

– Paradores Kette von insgesamt 94 Luxushotels (im Besitz einer staatlichen AG) in historischen Schlössern, Klöstern, Burgen oder Palästen; sieben in der Extremadura. Viel historisches Flair, meist ist auch ein Restaurant angeschlossen. DZ mit Frühstück ab ca. 80 €.

– Parador de Cáceres Der besonders schöne Palast aus dem 14. Jh. wurde vor drei Jahren um 5,5 Millionen Euro völlig umgebaut und renoviert, 39 moderne Komfortzimmer mit Whirlwannen, Regenduschen. DZ ab 120 €, www.parador.es

– Restaurante und Hotel Garza Real, ValdastillasGehobener Landgasthof in einem kleinen Dorf mit verfeinerten regionalen Gerichten. Tipp: Schweinslungenbraten mit Kirschen-Chutney; sechs gemütliche Gästezimmer, DZ mit Frühstück 65 €. www.garzareal.com

– Restaurante und Hotel Atrio, Cáceres Das beste Gourmet-Restaurant der Extremadura, zwei Michelin-Sterne. Küchenchef Toño Perez serviert subtile Kreationen, die Meer und Land vereinen. Einer der größten Weinkeller Spaniens, futuristische Gästezimmer, herrliche Dachterrasse mit Pool. Doppelzimmer ohne Frühstück ab 264 €; Package „Atrio Experiences“: 1 x Übernachtung, 1 x Gourmet-Dinner 495 € für zwei Personen. www.restauranteatrio.com/en

– Restaurante und Hotel Barbacana, ZafraZeitreise: gutes Restaurant und stilvolles 4*-Hotel in einem alten Adelspalast. DZ ab 65 €. www.hotelhuertahonda.com

Pauschalangebot von Raiffeisen Reisen: Details: 01/313 75-82, buze@raiffeisen-reisen.at www.raiffeisen-reisen.at

Auskünfte beim Spanischen Fremdenverkehrsamt (Turespaña) in Wien, 01/512 95 80 eMail: viena@tourspain.es Internet: www.spain.info

Details zur Extremadura www.stadtlandextremadura.de (Deutsch), www.turismoextremadura.com (Englisch)

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