Es wurlt im Nationalpark
Nass, windig, kühl – der bisherige Frühling ließ zu wünschen übrig. Im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel dagegen ließ die Witterung keine Wünsche offen. Das Nahrungsangebot für die Vogelwelt sei "ideal", sagt Nationalpark-Direktor Kurt Kirchberger: "Was den Wasserstand betrifft, hat es so was wie heuer in den letzten 30 Jahren nicht gegeben." Paul Rittsteuer, Vorstandsvorsitzender des Nationalparks, bringt es auf den Punkt: "Die Lacken des Seewinkels sind bis an den Rand gefüllt. Es wurlt nur so."
Ornithologen und Hobby-Birdwatcher können sich über diese Ausnahmebedingungen freuen. Denn das bedeutet, dass es fast überall etwas zu sehen gibt. Beste Voraussetzungen für das Nationalpark-Programm zum Frühlings-Vogelzug und die "Pannonian BirdExperience" (siehe Zusatzartikel). "In trockeneren Jahren konzentriert sich das Geschehen auf drei Stellen", meint Kirchberger.
Hotspot der Vogelwelt
"Bei uns ist was los, wenn überall sonst noch Schnee liegt", verspricht der Nationalpark-Chef, "wir sind ein Hotspot der Artenvielfalt". Derzeit bevölkern viele, sehr bunte Entenarten den Seewinkel, von Tafel-, über Spieß- bis Löffelenten. Die Wintergänse sind schon weg, die Sommergänse brüten bereits. Watvögel wie Säbelschnäbler oder Stelzenläufer können genauso beobachtet werden wie Störche und "wenn man Glück hat", wie Kirchberger meint, auch Seeadler.
Nicht nur Vögel, auch Menschen lockt das Naturparadies im Burgenland an. Jährlich würden rund 700.000 Besucher im Nationalpark gezählt, informiert Landesrätin Michaela Resetar.
Damit die Vogelwelt ideale Voraussetzungen am Neusiedler See vorfindet, braucht es Management, denn: "Die Landschaft ist ein Produkt der landwirtschaftlichen Arbeit", betont Rittsteuer. Landwirtschaft, die es so nicht mehr gibt, und daher werden 600 Rinder zur Beweidung eingesetzt.
Budget
Das Jahresbudget des Nationalparks beträgt rund 5,9 Millionen Euro, 50 Prozent davon kommen aus Landesmitteln. 60 Prozent der Mittel werden laut Rittsteuer für die Flächensicherung, 20 Prozent für Personalausgaben aufgewendet.
Der Rest fließt in Projekte. So soll z.B. bei Apetlon eine Vogelstation für kranke Vögel errichtet werden und in Illmitz ein neuer Beobachtungssteg.
Zum 6. Mal findet die „Pannonian Bird Experience“ statt, von 18. bis 26. April in und rund um das Info-Zentrum in Illmitz. Mit Exkursionen, Vorträgen und einer Messe will man Ornithologen, Natur-Fotografen und alle Interessierte ansprechen. Es gibt auch ein eigenes Kinderprogramm.
Die Besucher kommen aus aller Welt. „Viele Deutsche, Schweizer, Italiener und vor allem Engländer“, berichtet Nationalpark-Direktor Kirchberger. Dass es sich heuer um ein Ausnahmejahr handelt, hat sich offenbar herumgesprochen. Viele Exkursionen seien bereits ausgebucht.
Auf der Messe, die von 24. bis 26. April bei freiem Eintritt besucht werden kann, ist alles zu finden, was man zum „Birdwatching“ braucht: Von Fernoptik über Kameras bis zur passenden Kleidung.
Laut Auskunft von Experten gibt es im
Seewinkel genug Wasser, der Grundwasserstand hat sich sehr gut erholt. Und deshalb ist umso verwunderlicher, dass Landwirt
Karl Ratzenböck aus Frauenkirchen Teile seiner Felder bereits am 3. April beregnete.
„Das ist eigentlich ein Wahnsinn, was sich hier abspielt“, meint ein Anrainer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Einerseits sprechen die Bauern gerne von Nachhaltigkeit und andererseits beregnen sie, um schneller ernten zu können.“
Diese Anschuldigungen will Karl Ratzenböck nicht auf sich sitzen lassen. „Wir hatten vor kurzem in dieser Gegend einen heftigen Sturm, der die Erde aus den Feldern, wo ich Winterzwiebel anbaue, blies. Daher musste ich beregnen.“ Die Natur zwinge ihn dazu. „Glauben Sie, das mach’ ich freiwillig? Das kostet einen Hauf’n Geld“, sagt Ratzenböck im KURIER-Gespräch.
Die Situation habe sich dort deshalb verschärft, weil die Gemeinde Apetlon rund 500 Meter Windfang weggefräst und deshalb dem Wind „Tür und Tor geöffnet“ hat. Es stimme auch, dass es genug Grundwasser im Seewinkel gibt, aber nur im Boden, an der Oberfläche ist wenig zu bemerken. Und deshalb „danke ich Gott, dass es in den letzten Tagen ein wenig geregnet hat“.
Für Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Stefan Hautzinger sei Bewässerung derzeit überhaupt kein Thema. „Wir in der Landwirtschaft gehen sehr sorgsam mit der Ressource Wasser um, das ist die Tatsache“, sagt Hautzinger.
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