Die Welt gehört uns

Vor 150 Jahren wurde die erste Gruppenreise organisiert - vom Briten Thomas Cook. Seither ist der Tourismus zum Big Business geworden. Und die Welt scheinbar viel kleiner.

Im Megapool auf einem 200 Meter hohen Wolkenkratzer plantschen. In der Wüste von Nevada mit singenden Gondolieri im Wasser schaukeln. Und demnächst in einem chinesischen Öko-Resort in Island Golf spielen. Dass die Welt mitunter ziemlich verrückt spielt, ist nicht neu. Auffällig ist jedoch: Als Tourist sitzt man dabei immer öfter in der ersten Reihe. Aber wundert das noch jemanden?

Im Bild: Im Luxushotel mit spektakulärer Aussicht schwimmen Touristen über dem Häusermeer von Singapur. Das Marina Bay Sands hat einen Pool in 200 Meter Höhe. Mittlerweile gibt es zwei Generationen von Menschen, die pauschal und günstigfliegend alle Attraktionen dieser Welt abgegrast haben – von der Adria bis Zimbabwe. Da muss schon Spektakuläres geboten werden, um bei Gästen noch das gute alte Globetrotter-Gefühl aufkommen zu lassen – das Staunen.

Im Bild: Die weiten Ebenen von Kenia sind für Afrikaurlauber eine begehrte Sehenswürdigkeit. Dennoch: Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass der Mensch den Touristen in sich entdeckte. Interessant dabei: Mit dem Briten Thomas Cook war es ein Laienprediger, der die erste Gruppenreise in ein anderes Land organisiert hat. 150 Jahre ist das her. Angeboten wurde ein Ausflug nach Paris, der zugleich das Prinzip der All-inclusive-Reise miterfand: Vom Transport über die Unterkunft bis zur Verpflegung – samt Getränken – war alles im Preis enthalten. Der seelischen Erbauung sollte der Trip ebenfalls dienen: Denn Menschen mit Menschen, und Menschen mit Gott zu verbinden, war das Motto des Pioniers.

Im Bild: Egal, wo und wen man fragt: Strand, Meer, Palmen und eine ruhige Bucht sind überall auf der Welt Synonyme für ein perfektes Reiseziel. Bis dahin war Reisen Abenteuer und Expedition. Vor 150 Jahren wurde es zur Ablenkung und Besinnung, zur Vermittlung eines Gefühls der Freiheit. Der 1808 geborene Thomas Cook dachte dabei stets in großen Dimensionen. Mit weltweit rund 100 Millionen Beschäftigten ist der Tourismus der größte Arbeitgeber unter den Branchen. Dabei sind noch
weitaus mehr Menschen touristisch tätig. 

Im Bild: Die lange in Vergessenheit geratene Tempelanlage von Angkor Wat in Kambodscha ist heute eine touristische Sensation Sicher, die Welt erscheint heute nicht mehr so groß wie zu Cooks Zeiten. Weiße Flecken auf den Landkarten gibt es kaum noch, und wenn, steht dort bald ein Hotel. Ein Glück, dass der Massentourismus mit seinen von Betonburgen gesäumten Stränden in den letzten Jahren nicht ohne Antwort geblieben ist.

Im Bild: In Reih und Glied geschlichtet am Strand in Italien Aber auch der sanfte Tourismus ist Tourismus. Und dessen Sinn erfüllt sich sogar, wenn man zu Hause bleibt. Denn: Der moderne Reisende, der schon die halbe Welt gesehen hat, will nicht mehr ein bestimmtes geografisches Ziel erreichen. Sondern bei sich selbst ankommen. So kann er endlich auch eines abhaken: Die Suche nach Selbstverwirklichung durch Ortsveränderung. 

Im Bild: Alles ist möglich. Venedig in Las Vegas in Gestalt des Hotels "The Venetian" Beliebtestes Reiseland 2010 war Griechenland mit seinen vielen Inseln, gefolgt von Spanien, Italien, der Türkei und Kroatien. Dahinter (noch vor dem Arabischen Frühling): Ägypten und Tunesien; dann folgten Deutschland, Frankreich und Portugal. Beliebteste Fernreiseziele der Österreicher sind Thailand, die Karibik und die USA.
(KURIER) Erstellt am
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