Cannes ist nicht nur zu den Filmfestspielen schön

Auf Krimi-Spuren durch die südfranzösische Filmstadt an der Cote d’Azur.
Blick auf den Croisette Beach in Cannes mit Yachten auf dem Meer.

Während Commissario Brunetti nicht mehr aus Venedig wegzudenken ist, Polizeichef Courrèges im Périgord das Sagen hat, löst Kommissar Duval in Cannes seinen ersten Fall. Kein Arbeitsplatz ist glamouröser als die Stadt an der Côte d’Azur, die alljährlich zu den Filmfestspielen aus allen Nähten platzt. Überall wimmelt es von Filmstars, Fotografen, Journalisten. Cannes kultiviert sein "Reich und Schön"-Image, in dem Luxusherbergen, Nobelrestaurants, Edelboutiquen und teure Yachten um die Wette funkeln.

"Die ganze Glitzerwelt ist jedoch nur ein kleiner Teil von Cannes, der Großteil der Leute lebt ein ganz normales Leben, geht zur Arbeit, trifft sich mit Freunden, genießt den Strand", erzählt Christine Cazon, die seit vier Jahren mit ihrem Mann Thierry und zwei Katzen in einem alten Stadthaus in Cannes lebt. "Auch Kommissar Duval, der eigentlich aus Paris stammt, musste sich das normale Leben an der Côte erst erarbeiten", stellt die Autorin den Helden ihres Krimi-Debüts vor.

Blick auf Cannes mit weißen Zelten am Strand und einem bewaldeten Hügel im Hintergrund.

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Palmen säumen eine Küstenlinie mit Yachten und Gebäuden im Hintergrund.

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Blick auf den Hafen von Cannes mit zahlreichen Yachten und dem Festivalpalast.

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Blick auf den Hafen von Antibes mit zahlreichen Segelbooten und der Altstadt im Hintergrund.

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Blick auf Cannes mit Yachten und Booten auf dem Meer.

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Das Carlton Hotel in Cannes mit Strandliegen und Zelten im Vordergrund.

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Ein überfüllter Strand in Cannes mit dem Carlton Hotel im Hintergrund.

Tourists enjoy the sun on the beach of the Croiset
Ein belebter Strand mit vielen Menschen und bunten Sonnenschirmen vor einer Stadtkulisse.

Tourists enjoy the sun on the beach of the Croiset

Kommissar Duval

Duval läuft bei seinen Ermittlungen durch unbekannte Straßen und entdeckt dabei neben dem "Bling-Bling", wie das protzige, Reichtum zur Schau stellende, mondäne Leben abschätzig genannt wird, auch das andere Cannes. Nicht nur Krimibegeisterte sind eingeladen, sich auf seine Spuren zu begeben und dabei versteckte Bistros, einen feinen Lebensmittelladen oder eine wenig überlaufene Bucht zu entdecken. Das Cannes der "einfachen Leute" ist weniger glitzernd, aber charmanter. Der Weg ins Kommissariat führt Duval an der Brasserie "Da Laura" in der Fußgängerzone vorbei. Dort gönnt er sich einen "Café", den besten der Stadt, wie der Gourmet aus Paris findet.

Das Herz der Filmstadt schlägt an der berühmten Prachtstraße Promenade de la Croisette, die direkt am Meer entlang führt. Zu keinem Zeitpunkt pulsiert das Leben in Cannes stärker, als während des Filmfestivals. Im Mai passiert auch der Mord an dem bekannten Regisseur Serge Thibaut, mit dem Kommissar Léon Duval in seinem ersten Fall konfrontiert ist. Schräg gegenüber vom Filmpalais befindet sich das Luxushotel Majestic Barriere, in dessen Suite der ermordete Regisseur wohnte. Die Cannois machen jedoch gewöhnlich einen großen Bogen um die Luxusmeile mit ihren Restaurants und Nobelherbergen.

Lokal mit Kinoplakaten

Für ein ausgiebiges Mittagessen schickt Christine Cazon ihren Kommissar daher auch in ihr Lieblingslokal "Le Pacific", das weit abseits des glamourösen Trubels liegt. "Wenn Sie mittags großen Hunger und wenig Geld haben, keinen Wert darauf legen, draußen zu sitzen und Französisch verstehen, dann sind sie im Le Pacific genau richtig", schwärmt Cazon. In dem Lokal mit den Kinoplakaten an den Wänden essen die Handwerker von nebenan, die Angestellten der Verwaltung und die "flics", die Polizisten, von der Polizeiwache von gegenüber. An der Decke kämpfen zwei Ventilatoren gegen die südliche Hitze. Man bekommt von resoluten Kellnerinnen einen Tisch zugewiesen, wo man schnell mit anderen Gästen ins Gespräch kommt. Bekannt ist das Lokal für seine Spezialität Aioli, frisches Gemüse mit selbst gemachter Knoblauchmayonnaise und Fisch, das immer freitags auf der Karte steht. Dazu wird ein kühles Viertel Rosé und eine Karaffe Wasser serviert. Als Dessert wird eine Creme renversé, eine Kalorienbombe aus Eiern, Milch, Zucker und Karamellsoße, oder ein Nougat Glacé, eine gefrorene Köstlichkeit aus feiner Schokolade und Nougat, kredenzt. Enttäuscht wird auch nicht, wer Moules Frites oder einfach ein "plat du jour", ein täglich wechselndes Tagesgericht, bestellt. Die Rechnung wird auf die Papiertischdecke geschrieben. Nirgendwo sonst lässt es sich in Cannes in ähnlich unprätentiösem Ambiente speisen. Nach der Schlemmerei bietet sich ein Bummel in der Fußgängerzone rund um die Rue Hoche als willkommene Abwechslung an.

Eine Siesta am Strand ist bei einem Urlaub am Meer nicht wegzudenken. Cannes- Insider legen sich dazu nicht in die Liegestühle der teuren, privaten Badeanstalten der Luxushotels vor dem Boulevard de la Croisette, sondern schlendern zum Plage Midi, der stadtauswärts Richtung Mandelieu-la-Napoule liegt. Dort hat man meistens seine Ruhe und kann ungestört im goldgelben Sand vor azurblauem Meer ein Nickerchen halten.

Monsieur Bernard

Ein Fixpunkt in Christine Cazons Alltag ist ein Einkauf in der "Epicerie Les deux Palmiers". Monsieur Bernard, der charmante Besitzer der kleinen Greißlerei, nimmt sich stets Zeit für einen Plausch. Hier kauft nicht nur die Wahl-Französin, sondern auch Commissaire Duval ein frisches Baguette, Pain au chocolat, eine Flasche Rosé und das Lokalblatt "Nice Matin".

Nicht entgehen lassen sollte man sich einen Besuch der romantischen Altstadt, Le Suquet. "Hier ist es sehr verwinkelt und steil, viele kleine Restaurants mit zwei Tischchen auf der Mini-Terrasse stapeln sich geradezu übereinander. Hier das Motto: sehen und gesehen werden", beobachtet Christine Cazon, die sich hier gerne mit Freunden auf einen Aperitif trifft. Während sich die Wahl-Französin am liebsten ein Glas Champagner gönnt, kann sich Duval keinen Feierabend ohne einen eisgekühlten Pastis 51, Hochprozentiges mit Anis- und Lakritze-Geschmack, vorstellen. Beide mögen die kleinen schwarzen Oliven aus der Gegend, die man zum "petit Aperò" bekommt, ebenso wie die Crostini mit Tapenade, der würzigen Olivenpaste mit Anchovis und Kapern.

Die schönsten Sonnenuntergänge mit Panoramablick nach Théoule-sur-Mer und auf das Esterel-Gebirge genießt man von der Aussichtsterrasse vor der Kirche und der Burgruine oberhalb der Altstadt. Ein idealer Ort für einen Moment der Stille. Wenn am Horizont die gelben Lichterketten angehen und die umliegenden Buchten in ein fast unwirkliches Licht tauchen, ist es Zeit für den Aufbruch. Wer sich in das Getümmel an der Promenade stürzt, auf den wartet das nächste Lichtspektakel. In allen Regenbogenfarben, von Pink, Violett, Blau, Grün bis Gelb, beleuchten Spezialeffekte den Gehweg an der Croisette. "Für einen Moment kann man sich selbst als Filmstar fühlen, der gerade über den roten Teppich läuft", schwärmt Cazon und rückt ihren azurblauen Stuhl zurecht, der für Cannes und Nizza so typisch ist.

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