Reise
24.06.2018

Märchenhafte Seen in Berchtesgaden

Königs- und Obersee in Bayern gehören zu den schönsten Plätzen der Alpen. Der Activity Concierge führt zu den versteckten Plätzen.

Die Menschenschlange ist erschreckend lang. Geduldig warten die Touristen bis zu zwei Stunden, um mit dem Boot über den Königssee in Bayern zu tuckern. Offensichtlich ist dieses jadegrüne Schmuckstück in einem chinesischen Reiseführer lobend erwähnt. Überall Asiaten! Nur wenige Zentimeter pro Minute geht es vorwärts.

Wir hingegen marschieren keck an diesem Ansturm vorbei, unser Begleiter Manuel Huber möchte uns abseits der Trampelpfade zu den (fast) geheimen Schätzen des Sees führen. „Die kennen eigentlich nur die Einheimischen“, meint er. Und rät: „Am Nachmittag gibt es bei der Bootsanlegestelle kaum Wartezeiten. Probiert dann euer Glück.“

Denkmalschutz

Schon haben wir das Seeufer mit den wunderschönen, urigen Bootshäuser aus Holz erreicht. „Stehen unter Denkmalschutz“, erklärt er lapidar im Vorübergehen. Sie sind eine wahre Augenweide – und Manuel kennt sie auch von innen: Ein Jahr lang war der fesche Bayer selber Kapitän am Königssee. Doch der Job gefiel ihm nicht: „Das war mir zu stressig. Ständig bist du im Trubel. Da ist mir die Ruhe der Natur lieber.“ Jetzt ist er Activity Concierge im edlen Kempinski Hotel Berchtesgaden und zeigt als solcher den Hotelgästen die schönsten Plätze seiner Heimat.

Hinter dem sogenannten Malerwinkel (hier inspirierte die Aussicht schon zahlreiche Künstler – u.a. Carl Spitzweg, Wilhelm Busch, Caspar David Friedrich, Ludwig Ganghofer, Theodor Fontane oder Theodor Storm) sind wir tatsächlich nahezu allein – und wandern auf einem immer schmäler werdenden Pfad am steilen, dicht bewaldeten Ostufer entlang. „Der Weg ist nicht offiziell – aber auch nicht verboten“, meint er.

Königsbach-Wasserfall

Doch plötzlich führt er ins Wasser, weiter geht es von Fels zu Fels balancierend. Dem Königsbach folgen wir steil bergauf und klettern schließlich über mehrere Geländestufen. Welch herrlicher Fleck: Der Königsbach-Wasserfall ergießt sich in mehreren Kaskaden über 200 Meter in die Tiefe. Rund geschliffene Felsen und Wassergumpen laden zum Rasten und (Sonnen)Baden ein. Die Aussicht über den Königssee nach St. Bartholomä und den sagenumwobenen Watzmann ist grandios.

Außer uns sind noch zwei andere da. Hier sind wir die Könige! Keine Straße, nur Elektroboote. Der weitgereiste Alexander von Humboldt bezeichnete den Königssee im Berchtesgadener Land einst als „eine der schönsten Landschaften der Erde“. Und der Forscher hat viel gesehen. Wer die beeindruckende Kulisse des bekanntesten bayerischen Gebirgssees entdecken möchte, muss das Boot nehmen.

Der Watzmann

Über viele Hundert Meter türmen sich die Felswände an beiden Seiten nahezu senkrecht empor, bis zum Watzmann hinauf. Mit 2713 Metern ist er der höchste Berg, der zur Gänze in Deutschland steht. Für eine Straße ist hier definitiv kein Platz, nicht einmal für einen Wandersteig. So bleibt nur der Weg über das Wasser – per Elektro- oder Ruderboot. Beide umweltschonend, letzteres hat den Vorteil, dass man allein am Wasser schaukelt.

Nachteil: Der See ist mit acht Kilometern Länge zu groß, um rudernd alle Highlights zu erreichen. Wir entscheiden uns für die Linienschifffahrt, die mit 18 Holzbooten bis zu 6400 Personen pro Tag befördert. Manuel behält Recht: Am frühen Nachmittag gibt es kaum Wartezeit. Wir verabschieden uns von ihm und gleiten mit dem E-Boot nahezu geräuschlos südwärts. Bei der Echowand drosselt der Kapitän das Tempo, greift zum Flügelhorn und intoniert eine alpine Weise. Je nach Wettersituation wird sie bis zu sieben Mal von der Felswand zurück geschickt. Gehört mit zum Touristenspektakel, die Asiaten an Bord sind hingerissen. Bei der Haltestelle St. Bartholomä mit dem barocken Kirchlein steigen fast alle aus und strömen in den Biergarten daneben.

Wir hingegen dringen weiter zum Südende des Sees vor, nach Salet. Von hier führt ein 20-minütiger Fußmarsch entlang des Saletbachs zum Obersee und zur Fischunkelalm. Die Kühe hier wurden auch mit dem Boot über den See transportiert.

Wunderschön ist es hier, doch ein Blick auf die Uhr mahnt zur Umkehr. Wir dürfen das letzte Linienboot nicht verpassen. Oh, schon wieder eine lange Schlange! Doch wie meinte Manuel: „Keine Sorge, die Boote verkehren so lange wie nötig, notfalls auch noch bei Dunkelheit.“ Die Gäste hier sind eben alle König.

Info

Anreise  Auto:  A 10 Tauernautobahn, Ausfahrt Grödig, weiter auf der B 160 bzw. 305 in Deutschland bis knapp vor Berchtesgaden; über die B 319 auf den Obersalzberg.
Bahn: bis Salzburg, dann S-Bahn 2 oder Bus 840 bis Berchtesgaden.

Königssee und Nationalpark Berchtesgaden eingebettet in den steilen Felswänden der Watzmann-Ostwand und dem Aussichtsberg Jenner. Das 8 km lange, herrlich smaragdgrüne Gewässer mit Trinkwasserqualität liegt im Nationalpark Berchtesgadener Land, dem einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands.
– Die Königssee-Schifffahrt erschließt umweltschonend mit E-Booten die Naturschönheit. Achtung: Lange Wartezeiten im Sommer! Tipp: Ein Ruderboot ist eine stillere Alternative.

 
Amüsant und neu Königssee-Radltaxi –  seit Juni 2018 verkehren am See die Königsseer Radltaxen. Stramme Bayern in handgefertigten Lederhosen treten für die Gäste in die Pedale. Pro Fahrt (je nach Länge) acht bis 49 €. www.radl-taxi.de

Unterkunft Kempinski Hotel Berchtesgaden.  Das 5*-Superior-Haus thront auf 1000 Meter  Seehöhe am Obersalzberg: Errichtet 2005, eröffnete es als InterContinental, seit 2015 wird es von Kempinski geführt. Hier ist alles edel – die 138 Zimmer und Suiten, die beiden Gourmet-Restaurants Le Ciel und Johan Grill, die Vinothek, wie Bar und natürlich auch der Panorama-Spa. Auf 1400 m² bietet er ein Innen- und ein ganzjährig beheiztes Außenbecken, Saunen und hochkarätige Treatments (z.B. Salzstein-Massage). Activity Concierge Manuel Huber gibt Tipps und begleitet auf Wunsch persönlich. 1 Übernachtung mit Frühstück  im Doppelzimmer  kostet für zwei Personen ab 224 €. www.kempinski.com/berchtesgaden

Auskunft www.berchtesgaden.de, www.berchtesgadener-land.com, www.koenigssee.de, www.germany.travel