© Walter Schweinöster

freizeit Reise
08/06/2012

Auf Schritt und Tritt

Bergschuh-Test: Eine Woche lang haben wir jeden Tag die Bergstiefel geschnürt. Fazit: Das nächste Mal lassen wir uns gründlich beraten

Zeigen Sie mir einmal Ihren Fuß, ohne Schuach". Schuhmachermeister Kurt Hofmann konstatiert einen Senkfuß. "Ein Scarpa (italienische Schuh-Marke, Anm.) passt auf alle Fälle, ein ,Hanwag" (bayerische Marke, Anm.) auch." Hätte ich nur gleich bei Schuhmachermeister Kurt Hofmann Profi-Tipps eingeholt, wäre mir mein einwöchiges Dasein als Schuh-Versuchsperson in Österreichs Bergen erspart geblieben. Dafür kann mein "Mammut Mercury Advanced GTX" (siehe unten) nichts. Mein Test-Schuh hat sich ordentlich geschlagen, brav. Aber nun, da die Wander­serie ausklingt, habe ich höhere Ansprüche an meine Ausrüstung. Ich will das perfekte Modell für meinen Fuß und ich will Fachberatung.

Daher nutze ich die Gelegenheit und ziehe vor Hofmann blank. "Sie haben außen einen breiten Vorfuß und schmale Fersen, innen einen geradlinigen Fuß." Wusste ich’s doch.

Ein Kaufinteressent probiert im Geschäft gerade einen steigeisenfesten Hochgebirgsschuh aus. Eine halbe Stunde lang schreitet er so über den Teppichboden des gerade renovierten Traditionsbetriebes in Wien-Mariahilf – Stammkunden dürfen die Schuhe vor Kauf sogar nach Hause nehmen. Der optische Eindruck des Hightech-Schuhwerks: elastisch und doch robust.

 

 

Vorderer Widerstand

Erinnerungen steigen auf: Die ersten eigenen Bergschuhe für unsere einwöchige Familien-Tour durch Ankogel- und Goldberggruppe, anno 1983. Das damalige Abrollverhalten entsprach jenem von Skischuhen. Der Fachmann erläutert warum: "Der vordere Widerstand war bei den alten Modellen groß". Außerdem waren die Schuhe verdammt schwer. Seit den Achtzigerjahren wurde unter anderem durch Verwendung von Microfasermaterial rund die Hälfte des Schuh-Gewichts eingespart, Tendenz fallend.

Was sich nicht geändert hat: Vier oder fünf Mal muss ein Bergschuh getragen werden, bis er "eingegangen" ist. Beim Schuh-Probieren sollte man beherzigen, dass der Fuß am Nachmittag größer ist, abhängig von der Tagestemperatur. Die Kategorie sollte den Ansprüchen angepasst sein. Will man Spaziergänge in leichtem Gelände machen, lange Trekkingtouren, mittelschwere Wanderungen, anspruchsvolle Touren im Hochgebirge oder sind Routen geplant, die durch Eis und Schnee führen?

Extrabreit

Oft werden für extrem breite Füße Schuhe gekauft, die um zwei Nummern zu groß sind. Für den Experten müssen sämtliche Kriterien – Schuhlänge, Ballenbreite, Fersensitz und Passform am Schaft – auf den Fuß abgestimmt sein. "Jeder Fuß ist wie ein Fingerabdruck." Für schwere Fälle haben die namhaften Marken Komfortmodelle.

Was auffällt: Bergschuhe dürfen bunt sein. Damen schätzen orange und hellblau besonders. Die Regale der Sportgeschäfte sind entsprechend vollgeräumt, mit vielfarbigen Modellen, deren Namen Fernweh erzeugen – Island, Yucon, Alaska, häufig ergänzt um mysteriöse Zahlenkombinationen wie 4D2GT (Trekkingmodell Salomon Cosmic) . Jeder der namhaften Bergsport-Marken hat zwischen 50 und 60 Modelle am Start. Aber: "Nicht jede Änderung ist eine Qualitätsverbesserung", weiß Schuhmachermeister Hofmann. "Wenn man ehrlich ist, gibt es ein Überangebot. Man muss schauen, dass man für 90 Prozent der Füße einen Schuh hat."

Angenehm: In Hofmanns Regalen ist die Auswahl übersichtlich. Aus gutem Grund: "Würde man die Kataloge um die Hälfte reduzieren, wäre das Angebot immer noch reichhaltig", sagt Hoffmann.

INFO:

Firma Mörtz. Fachgeschäft für Berg- und Wanderschuhe. Wien 6, Windmühlgasse 9.

www.bergschuhe.at

Mit dem GTX durchs Hügelland schreiten

Wenn ein Ding, das für die Fortbewegung in die Welt gesetzt wurde, den Zusatz GTX verpasst bekommt, ist davon auszugehen, dass hohes Tempo mit ihm einhergeht. Zur Beruhigung: Das GTX des eleganten, leichten Halbschuhs Renegade II GTX von Lowageht völlig am Thema vorbei. In Wahrheit ist dieser Schuh ideal für Menschen, die a) nicht auf Gipfel stürmen, b) lieber im sanften Hügelland unterwegs sind, c) es an den Füßen gerne kommod haben und d) nicht auf den ersten Blick als Outdoor-Freaks identifiziert werden wollen.

Der Preis: 150 € sind für den Multifunktions-Halbschuh ziemlich viel Holz .

Gestestet von Uwe Mauch

Sie werden ihn gar nicht bemerken

Man erwartet einen Schuh für Fortgeschrittene, wenn das Gerät, das man unten herum trägt Mercury Advanced GTX heißt und von Mammutstammt. Doch nach wenigen Stunden durch Waldschluchten, entlang aufgewühlter Forststraßen und über Wurzelsteige ist klar: Der Mercury-Nachfolger ist eigentlich ein Modell für Wander-Neulinge. Erklärung: das anschmiegsame und weiche Material, von der Sohle bis zum Schaft. Negativ: Mammut lässt außerhalb Europas produzieren.

Zum Preis ist zu sagen: Es steht kein Zweier davor: 190 €.

Getestet von Martin Burger

Bequem und mit weicher Sohle

Bei Bergschuhen hat Salomon lange keine so große Rolle wie bei Outdoor- und Freizeitschuhen gespielt. Die Erwartungshaltung an den Cosmic 4D 2 GTXwar also niedrig. Aber der Schuh überrascht. Er ist leicht und bequem – das war bei dieser Marke absehbar. Das Stabilitätsgefühl ist hoch – das kommt unerwartet. Am meisten überzeugt der gute Halt des Sohlenprofils. Zum Aber: Die Bequemlichkeit geht zu Lasten der Sohlen-Steifheit. Gerade im steinigen Gelände und bei langen Touren sorgt eben die Steifheit für die Schonung der Füße. Fazit: Guter Wanderschuh, solange man nicht zu lange und zu alpin unterwegs ist.

Preis: 209,95 € –

Getestet von Axel Halbhuber

 

Für jene, die nicht zu hoch hinauswollen

Das zweite Einsteigermodell auf dieser Seite. Der Rofan Tex von Dachstein, ist ein weicher Schuh, der im anspruchsvollen Gelände aber wenig Halt bietet. Auch die Sohle ist mit einer Vibram-Sohle nicht wirklich vergleichbar. Ansonsten ist der Tex mit dem Mercury-Modell von Mammut (links im Bild) vergleichbar. Das Einsatzgebiet des überknöchelhohen Rofan Tex umfasst Hochalmen, Tagestouren in Mittelgebirgsregionen und ausgebaute Wald- und Forstwege.

Der Preis ist mit 159,95 € akzeptabel.

Getestet von Martin Burger

Einsteigen, losgehen, sich sicher fühlen

Der Ticam GTX von Lowaist ideal für lange anspruchsvolle Touren im Gebirge. Egal, ob am steilen Felsweg oder am Klettersteig – der hohe, stabile Lederschaft und di eVibram-Sohle geben sicheren Halt und griffige Bodenhaftung. Regen oder Schnee haben keine Chance und das wasserdichte atmungsaktive Gore-Tex-Innenfutter (GTX) sorgt für gutes Fußklima. Das Beste aber ist die Passform dieses Bergstiefels. Auch nach der ersten Acht-Stunden-Tour gibt es keine Blasen oder Druckstellen. Seine Leuchtfarbe ist zumindest praktisch, der Schuh ist im Trockenraum leicht zu finden. Preis: 239,95€. 

Getestet von Martin Grabner

 

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