Aschenputtel auf Schloss Hof

Beim Großen Barockfest auf Schloss Hof wurden Kindheitsträume wahr. Einmal Prinzessin spielen und das sogar im richtigen Rahmen. KURIER.at war vor Ort und mischte sich unter die Kostümierten.

Auf Schloss Hof fand am 13. August das Große Barockfest statt. Wie fühlt es sich an, einmal in das Kostüm einer Barockdame zu schlüpfen und zu feiern wie in längst vergangenen Zeiten? Diese Frage stellte sich KURIER.at-Redakteurin Lydia Kozich und war vor Ort, um sich unter die Kostümierten zu mischen. Ein Gefühl wie Aschenputtel: Für einen Abend in ein edles Kleid schlüpfen und die Rolle einer Edeldame übernehmen. Das ganze in dem Wissen, dass sich des Nachts die edle Kutsche wieder in das ordinäre Neuzeitgefährt verwandeln wird. Doch diese Gedanken verflogen schnell, und zunächst ließ ich das schöne Ambiente auf mich wirken. Die barocken Kulissen wurden eigens von einer Künstlerin gemalt, die sich wunderbar auf der ersten Terrasse des Schlossgartens machten. Dem faszinierten Zuseher bot sich ein interessantes Bild: Männer auf Stelzen, ... ... lustige Interpretationen der barocken Garderobe, ... ... auch wenn es nicht alle so genau nahmen mit dem Dresscode. Denn Kostüm musste nicht unbedingt sein, doch zumindest um Abendgarderobe und angemessene Kleidung wurde gebeten. Diese drei Damen hielten sich daran und fügten sich wunderbar in die barocke Landschaftskulisse des Schlosses ein. Im Innenhof gab es eine Einführung des "Zeremonienmeisters" in die höfische Etikette und auch die Fächersprache wurde von der "Dame des Hauses" erklärt. Die revitalisierte Gartenanlage mit ihren drei Terrassen stand in voller Blütenpracht. Sie wurde extra für das Fest von kleinen und großen Zelten umringt. In diesen gab es reichlich zu Essen und zu Trinken. Die rund 800 Besucher bemerkte ich aufgrund des weitläufigen Geländes nicht. An diesem Abend glänzte Schloss Hof wieder in seiner alten Pracht und bewies, dass es tatsächlich ein perfekter Schauplatz für Barockfeste gewesen sein muss. Schließlich wurde es schon zu Zeiten Maria Theresias als Austragungsort für opulente Feste genutzt. 1754 fand das größte Barockfest genau an diesem Ort statt. Prinz Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen richtete es zu Ehren Maria Theresias und ihres Gemahls Kaiser Franz I. Stephan aus. Damals dauerte das Fest ganze drei Tage. Ob es damals auch schon die Schlacht am Buffet gab, fragte sich der erstaunte Besucher. Fürs leibliche Wohl wurde jedenfalls gesorgt. Natürlich stilecht mit barocken Speisen. Unter den Vorspeisen waren gedämpfte Hühnerleber mit Aspik und Pasteten zu finden, bei den Hauptspeisen ging es wilder zu. Fasan, Hase, Reh und Wildschwein mischten sich zu ordinärem Huhn. Auch Fischspezialitäten und Nachspeisen wurden beim reichhaltigen Buffet kredenzt. Zu späterer Stunde gab es dann noch Wildschwein frisch vom Spieß. Mit dem Wetter hatten die Veranstalter großes Glück. Nach einem verregneten Vormittag war es ab 18 Uhr warm und trocken - perfekt für die langen Kleider. Bei Regen hätten sich vor allem die Damen sehr schwer getan, denn aus den Kieselsteinchen und der Erde wäre ein unappetitlicher Matsch geworden, der nur den Saum beschmutzt hätte. Genau bei diesen Gedanken erlischt dann auch die romantische Vorstellung von der guten alten Zeit: Die Kleider wurden nicht häufig genug gewaschen, die Leute rochen dementsprechend und von den Flöhen wollen wir gar nicht anfangen. Für diesen Abend galt das natürlich nicht. Für die Unterhaltung sorgte ein kleines Orchester, das zeitgemäße Musik spielte. Dabei durfte auch ein Opernsänger nicht fehlen. Neben musikalischer Untermalung gab es auch die Möglichkeit, in der Sala terrena Roulette zu spielen. Diese Art des Glücksspiels verbreitete sich im 18. Jahrhundert in Frankreich. Auf Schloss Hof wurde allerdings nicht um Geld gespielt, sondern nur zum Spaß. Kurz vor der Kostümprämierung erholten sich noch einige erschöpfte Gäste. Zu gewinnen gab es ein wertvolles Swarovski-Collier. Bühnen- und Kostümbildner Christof Cremer und Geschäftsführerin Barbara Goess (links) übergaben den Gewinnerinnen (Mitte) des Kostümwettbewerbs das Collier. Vor Mitternacht kam es dann zum Kontertanz. Während in der heutigen Zeit nur mehr die Mitternachtsquadrille an diesen verbreiteten und beliebten Tanz erinnert, gab es im 18. Jahrhundert weit über 40 verschiedene Möglichkeiten, den Gruppentanz zu tanzen. Die Paare stehen einander gegenüber und formen während des Tanzes kleine Gruppen. Wer glaubt, dass diese Tänze gemütlich zugingen, der irrt. Schnell geht es zur Sache, die Röcke fliegen und die Perücken müssen am Kopf behalten werden. Im Kostüm eine schweißtreibende, aber sehr unterhaltsame Angelegenheit. Die Leiterin der Wissenschaft auf Schloss Hof, Dr. Lieselotte Hanzl-Wachter (rechts), war meine Tanzpartnerin beim Kontertanz. Sie trug ein original rekonstruiertes Kleid, das von Olivia Schmidt (links), einer der Gewinnerinnen des Kostümwettbewerbs, angefertigt wurde. Frau Schmidts Passion ist das 18. Jahrhundert, sie stellte ihr Kleid fast gänzlich in mühevoller Handarbeit her. Dr. Lieselotte Hanzl-Wachter erklärte mir: "Auch die einzelnen Bestandteile der Garderobe entsprechen dem historischen Vorbild: am Körper wird eine sogenannte Chemise getragen, ein langes Hemd aus Leinen, darüber das Korsett sowie das Panier (Reifrock), über das Panier kommt noch ein Unterrock. Am Korsett wird der Stecker, ein dreieckiges Stoffstück, mit Stecknadeln befestigt, erst dann kommt das Oberkleid, in diesem Fall eine Robe à la francaise darüber." Das Ankleiden eines solchen Kleides kann bis zu zwei Stunden dauern. Der krönende Abschluss war ein Feuerwerk und schön langsam hieß es auch für die Gäste, dass der Ausflug in die Vergangenheit wieder vorbei war. Für alle, die das rauschende Fest heuer verpasst haben, bietet sich im nächsten Jahr wieder eine Gelegenheit. Dann auch dann findet das Große Barockfest wieder statt.
(KURIER.at) Erstellt am
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