"Wunder von Chile" feiert Jubiläum

Ein Jahr ist es her, dass das Schicksal von 33 verschütteten Kumpel die Welt in Atem hielt. Es war die längste Grubentragödie der Welt.

Todesangst und Verzweiflung, Heldenmut und Erlösung - all das gehört mit zum "Wunder von Chile". Es nahm am 5. August 2010 seinen Lauf, als in der Mine San Jose in Chiles unwirtlicher Atacama-Wüste 33 Kumpel in fast 700 Metern Tiefe verschüttet wurden. Die meisten glaubten die Bergleute nach über zwei Wochen ergebnisloser Suche schon tot. Dann aber geschah das Unglaubliche. Aus den Tiefen der Mine kam auf einem kleinen Zettel die Botschaft: "Wir sind alle am Leben." Für die Kumpel begann ein langer Aufstieg. Einigen macht er auch heute noch Mühe. Wer könnte die Bilder je vergessen? Verschwitzte, müde, kohlenschwarze Gesichter, in denen aber Augen voller Hoffnung funkelten und die Zähne beim Lachen weiß aufblitzten. Es waren die ersten Videoaufnahmen aus der Tiefe. 17 lange, für die Familien schier unerträgliche Tage hatte es gedauert, bis ein Bohrer endlich an der richtigen Stelle durchbrach. Die Rettungskapsel „Phönix“ war es schließlich, die die Kumpel  aus der Tiefe holte. Mario Sepulveda stieg am 13. Oktober aus der Rettungskapsel "Phönix". Er, der in den Wochen zuvor die Videos unter Tage gekonnt und mit Witz kommentiert hatte, kam als zweiter nach oben. Er umarmte seine Frau, dann alle, die ums Bohrloch standen samt Präsident Pinera, tanzte wild wie ein Derwisch herum und feuerte die Bohrarbeiter zu einem "Chi Chi Chi, Le Le Le" an. Familien und Angehörige hatten bei dem Minengelände im Camp "Esperanza" (Hoffnung) wochenlang ausgeharrt. Die Frau des Minenarbeiters Ariel Ticona war hochschwanger, als ihr Mann verschüttet wurde. Er verfolgte die Geburt seiner Tochter per Videoschaltung mit. Das Mädchen heißt Esperanza, benannt nach dem Lager der Hoffnung. Österreichische Spezialisten waren maßgeblich an der historischen Rettungsaktion beteiligt. Mitarbeiter eines Tunnelbauspezialisten aus der Steiermark bedienten jene Seilwinde, welche die Minenarbeiter vor den Augen von Millionen TV-Zusehern in der Vorwoche nach 69 Tagen aus mehr als 600 Metern Tiefe wieder ans Tageslicht beförderte. Doch für einige der Kumpels will sich ein echtes Happy End nicht einstellen. Viele hätten Schwierigkeiten, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und könnten nicht mehr arbeiten, sagte Luis Urzua, der am 5. August Schichtleiter war, kürzlich in einem Interview. 14 der 33 wollen deshalb in Frühpension gehen und hoffen auf eine positive Entscheidung der Regierung.
(apa/dpa) Erstellt am
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