Versuchskaninchen Hund

Zwei Dackel rennen über eine grüne Wiese, einer mit einem Löffel im Maul.
Im Clever Dog Lab am Messerli Forschungsinstitut wird vergleichende Kognitionsforschung betrieben.

Ein Futterautomat, der die Belohnung nur nach fachgerechter Bedienung freigibt. Touchscreen-Apparaturen, die für Hundenasen entwickelt wurden. Ein Blickfolgemessgerät mit Infrarotkamera. Videoüberwachung: Das neue Clever Dog Lab am Messerli Forschungsinstitut verfügt über fünf Testräume, die wie Wohnzimmer eingerichtet und mit spezieller Technik ausgestattet sind. Es bietet den Gasthunden ausreichend Platz und den Wissenschaftlern zeitgemäße Arbeitsbedingungen. Am Montag wird der Standort an der Vetmeduni Vienna eröffnet. Doch schon an alter Adresse im 9. Wiener Bezirk konnten die Kognitionsbiologen rund um den Lernforscher Univ.-Prof. Ludwig Huber beachtenswerte Forschungsergebnisse erzielen:

Gerechtigkeitssinn Hunde reagieren auf ungleiche Behandlung. In einer Studie erhielten zwei Vierbeiner beim „Pfote geben" zunächst Leckerli. Die Tiere nahmen es auch nicht übel, wenn keiner dabei Futter bekam. Sobald aber nur einer belohnt wurde und der andere leer ausging, streikte der Vernachlässigte.

Vorstellungskraft Das Knurren von Hunden enthält Informationen über die Größe des Tieres und wird von Artgenossen auch ohne Blickkontakt richtig verstanden. In diesem Experiment schauten Hunde schneller und länger zu jenen Hundefotos, die der tatsächlichen Größe des knurrenden Vierbeiners entsprachen. Bilder, die den Kollegen vergrößert bzw. verkleinert zeigten, beachteten sie weniger.

Lernmethode Hunde lernen nach dem Ausschlussprinzip. In einer Vergleichsstudie bewerteten Hunde, Tauben, Kinder und Studenten Alltagsobjekte, die zuvor als positiv bzw. negativ eingestuft und später in zwei Durchgängen mit neuen Gegenständen erweitert wurden. Im Gegensatz zur Taube zeigten die Vier- und Zweibeiner, dass sie im ersten Test den negativ bewerteten Gegenstand logisch ausgeschlossen und den neuen Gegenstand in Folge positiv definiert hatten.

Weibchensache Hündinnen schauen anders. In dieser Untersuchung beobachteten 25 weibliche und 25 männliche Vierbeiner, wie ein Ball kurz hinter einen Schirm gerollt und jedes zweite Mal gegen einen doppelt so großen ausgetauscht wurde. Die Rüden schenkten dem Spielzeug ungeachtet der Größe etwa 17 Sekunden Aufmerksamkeit. Hündinnen hingegen beäugten den kleinen Ball etwa 11 Sekunden, den großen – verwundert – 35 Sekunden.

Nachahmungstäter Hunde können Aktionen, die von Menschen oder Artgenossen vorgezeigt werden, auf Befehl imitieren. In diesem Experiment trainierte der Vierbeiner, acht vom Besitzer demonstrierte Aktionen auf „Do it!" zu wiederholen. Das Tier konnte das Kommando auf einen neuen Demonstrator und auf neue Aktionen übertragen. Clever.

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