© Deleted - 713571

Politik
12/05/2011

USA: Hinrichtung ohne Beweise

Keine Beweise, keine DNA-Spuren, keine Tatwaffe und Zeugen, die ihre Aussagen widerrufen - trotzdem muss Troy Davis sterben.

Die Todesstrafe. Was hierzulande seit 1950 verboten, wird im US-Bundesstaat Georgia noch exekutiert. Troy Davis, heute 42, wird am 21. September durch die Giftspritze sterben. Er soll 1989 den weißen Polizisten Mark McPhail ermordet haben. Davis wurde 1991 verurteilt. Doch wirklich stichhaltige Beweise konnte die Anklage damals wie heute nicht liefern.

Es fand sich weder eine Tatwaffe, noch konnten DNA-Spuren des Verurteilten in Zusammenhang mit dem Mordfall sichergestellt werden. Andere "eindeutige" Beweise (wie etwa Fingerabdrücke) fehlten ebenfalls. Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Thesen auf neun Zeugen, denen zufolge Davis die Tat begangen hatte. Heute, 2011, haben sieben der neun mutmaßlichen Zeugen ihre Aussagen widerrufen und die Polizei bezichtigt, sie zur Falschaussage genötigt zu haben.

So konnte Davis dreimal - zuletzt im Jahr 2008 - das Vollstreckungsurteil aussetzen. Am 28. März diesen Jahres war das Urteil ein letztes Mal bestätigt, am 20. September ein Gnadengesuch abgelehnt worden.

Doch Davis gibt nicht auf. "Der Kampf für Gerechtigkeit endet nicht mit mir", ließ der 42-Jährige in einer am Dienstag (Ortszeit) von der US-Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International verbreiteten Botschaft wissen. "Dieser Kampf ist für alle Troy Davise, die vor mir kamen und die nach mir kommen werden", schrieb er. "Ich bin guter Verfassung und voller Gebete und in Frieden. Aber ich werde bis zu meinem letzten Atemzug nicht aufhören zu kämpfen."

Unterstützer

Unterstützung erhielt Davis, der bis zuletzt stets seine Unschuld beteuerte, von zahlreichen Stellen. So forderten mehr als 50 US- Kongressabgeordnete, ein Ex-FBI-Chef, der ehemalige Präsident Jimmy Carter, der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Papst Benedikt XVI. Gnade für Davis.

Nach Angaben von Pro-Davis-Aktivisten unterstützen knapp eine Million Menschen Davis. Allein in den letzten 72 Stunden vor der Sitzung des Begnadigungsausschusses sollen knapp 200.000 Unterschriften gesammelt worden sein.

Jüngste Befürworter des Gnadengesuchs waren die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die "stets Zweifel an den Beweisen" verortete, sowie der Generalsekretär des Europarates, Thorbjörn Jagland, der als Grund "nicht nur unsere Ablehnung der Todesstrafe, sondern zuerst die ernsten Zweifel an der Lauterkeit des Urteils" anführte.

Verdächtiger Zeuge

Fast schon unglaubliches Detail: Von den beiden Zeugen, welche ihre Aussagen nicht widerrufen haben, ist eine Person schwer psychisch krank, die andere - Sylvester Coles dagegen geht wohl selbst als "tatverdächtig" durch.

Coles hatte vor knapp 20 Jahren den Fall zur Anzeige gebracht, er war nachweislich selbst am Tatort und ist heute der einzige "echte" verbliebene Zeuge. Als im Jahr 2010 eine letzte Anhörung stattfand, in der das Verfahren neu aufgerollt werden sollte, weigerte sich Coles nochmals in den Zeugenstand zu treten.

So blieb nur das von Richter William T. Moore verkündete Urteil: "Der Fall ist zwar nicht vollkommen wasserdicht, die meisten Mitglieder einer Jury würden jedoch Mr. Davis wieder wegen Mordes an Officer MacPhail verurteilen. Ein Bundesgericht kann sich nicht anmaßen, das Urteil einer Jury zu missachten, wenn die Unschuld des Angeklagten nicht zweifellos bewiesen ist." Troy Davis wird am 21. September durch die Gifspritze sterben.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.