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Politik
08/05/2012

Unwetter: Blitz schlug im Kleiderkasten ein

In Wien fuhr ein Blitz durch den Rauchfang bis ins Schlafzimmer. In ganz Österreich wälzten sich Muren durch Ortschaften.

Der ungebetene Gast hatte sich mit einem Knall angekündigt und kam über den Rauchfang bis ins Schlafzimmer. Es war kein Einbrecher, sondern ein Blitz, der einen Wiener Sonntag kurz vor ein Uhr Früh in Angst und Schrecken versetzte.

"Es hat gescheppert und plötzlich war es dunkel", sagt der Liesinger. Überall? "Nein, im Obergeschoß blieb es hell." Dort brannte bereits ein Holzkasten. Der Blitz wurde quasi vom Rauchfang eingefangen, kanalisiert und schaffte es über Kabel bis ins Schlafgemach, wo er den Schrank in Brand setzte. Dicke Rauchschwaden hatten den oberen Stock bereits eingenebelt, als Feuerwehrmänner kurz darauf mit einer Kübelspritze das Feuer löschten.

Extreme Situation

In mehreren Bundesländern standen die Feuerwehren ab Samstagabend nach den neuerlichen Unwettern im Dauereinsatz.

In der Steiermark war vor allem der Bezirk Judenburg betroffen. "So eine extreme Situation hatten wir selten", berichtete Josef Mayerl, Feuerwehr-Kommandant von Zistl-Bretstein. Bis zu acht Meter hoch türmten sich Muren in der 330-Einwohner-Gemeinde, Höfe waren von der Umwelt abgeschlossen. Ein Paar musste über eine Brücke – mit Seilen gesichert – aus einem Wochenendhaus gerettet werden. "Sie wurden vom Rauschen des Wassers wach, das vom Bach bereits ins Gebäude eingedrungen ist", sagt Mayerl.

Bei einem Erkundungsflug zeigte sich am Sonntag das ganze Ausmaß der Verwüstung: Die Bretsteinstraße wurde vom Bach an mehreren Stellen weggerissen.

In St. Johann am Tauern hatte eine riesige Mure die Bundesstraße verschüttet. Und weil ein Hang abzurutschen drohte, blieben ein Einfamilien- und ein Mehrparteienhaus über Nacht evakuiert. Einige Bewohner des Seniorenheims wurden in den vorderen Teil des Gebäudes verlegt. Am Sonntag durften die 18 Personen in ihre Häuser zurück.

In Tirol war vor allem die Osttiroler Gemeinde Virgen betroffen: Dort wälzten sich riesige Gesteinsmassen durch das Bett des Virgerbachs – bis vor die Feuerwehrhalle. Erst rissen sie die Fußgängerbrücken mit sich, später mussten Häuser evakuiert werden, zehn Gebäude wurden beschädigt.

In Kühnring im Bezirk Horn in NÖ wurde im Zuge eines Unwetters ein Bauernhof nach einem Blitzschlag vernichtet. Etwa 100 Schweine und 150 Hühner mussten in der brennenden Scheune qualvoll verenden. Die Lebensgefährtin des Landwirten hatte den Blitzschlag vom Haus aus beobachtet, kurz darauf begann das Scheunendach zu brennen. Der zu Hilfe gerufenen Feuerwehr gelang es noch, 50 Schweine aus den Stallungen zu retten.

In Oberösterreich , in Walding, Bezirk Urfahr-Umgebung, mussten 600 Kinder evakuiert werden, die gerade auf einem Ferienlager sind. Sie wurden in einem benachbarten Feuerwehrhaus in Sicherheit gebracht.

In Salzburg gingen wieder mehrere Muren ab. Am stärksten betroffen war diesmal das Gebiet um Hof und Faistenau. Auf der Großglockner Hochalpenstraße ging eine Gerölllawine ab.

Zwei Frauen starben in Häusern

Dramatisch war die Situation in der Nacht auf Sonntag auf Südtiroler Seite des Wipptales, wo schwere Unwetter nieder gingen. Am schlimmsten betroffen war Pfitsch: Dort starben zwei betagte Frauen in ihren Häusern.

Irma G., 84, die in der Fraktion Afens lebte, wurde in der Nacht tot geborgen. Erdmassen hatten ihr Haus vermurt. Auch Hedwig A. konnte am Sonntag nur noch tot geborgen werden. Ihr Hof in Tulfer war komplett von einer Mure erfasst worden. Erdmassen verschütteten auch die Zufahrten eines Tunnels bei Afens. Erst am Morgen konnten mehrere Personen, die mit zwei Pkw und einem Motorrad unterwegs werden, befreit werden. Die Schäden an der Infrastruktur sind groß: Wegen Vermurungen bleibt die Brennerbahn zwischen dem Brenner und Sterzing für zwei Wochen gesperrt. Auswirkungen für Fernzüge werden nicht erwartet, weil die Linie von Innsbruck bis zum Brenner für die Generalsanierung ab 6. August gesperrt ist.

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