Universität hat keinen Plan B
Die Proteste nach dem Aufnahmetest an der Medizinischen Universität Wien (MUW) werden lauter. "Wir haben bereits 100 Beschwerden gesammelt", sagt Christian Orasche, Obmann der österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) auf der MUW. Er versteht den Unmut und das Unverständnis der Prüflinge. Wie berichtet, wurden einige männliche Bewerber nach dem Eignungstest auf der MedUni nicht zugelassen, weibliche mit weniger Punkten jedoch schon.
"Das war eine rein politische Entscheidung der Vizerektorin Karin Gutierrez-Lobos", sagt Orasche, der den abgewiesenen Prüflingen die Unterstützung zusagte.
Klage
"Ich gehe heute zur Rechtsanwaltskammer, um meine Chancen für eine Klage bewerten zu lassen", erzählt Stefan P., der wie viele andere um einen Platz an der MedUni kämpft.
Experten wie der Verfassungsrechtler Heinz Mayer geben einer Klage gute Chancen. Die ÖH gab ein Gutachten bei Joseph Marko, Dekan an der Karl-Franzens-Universität Graz, in Auftrag, das dem KURIER vorliegt. Darin kommt der Jurist zu dem Schluss, dass die getrennte Auswertung der Testergebnisse rechtswidrig sei. Er verweist auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs, aus denen hervorgeht , dass es bei gleicher Qualifikation keinen automatischen Vorrang für ein Geschlecht geben kann.
Die MUW will es notfalls auf eine Klage ankommen lassen. " Die Universität hat sich diesbezüglich intern rechtlich abgesichert und befunden, dass die Vorgangsweise rechtskonform ist", sagt Sprecher Thomas Angerer. "Da es jedoch in der österreichischen Judikatur keine vergleichbaren Entscheidungen zu diesem Thema gibt, müssen Unklarheiten vor den Gerichten ausjudiziert werden."
Rücklagen für etwaige Schadenersatzforderungen oder zusätzliche Studienplätze sind derzeit nicht vorgesehen. Angerer: "Wir haben uns rechtlich abgesichert und vertrauen darauf. Deswegen haben wir für diesen Fall keinen Plan B."
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