Unis droht ein Ansturm wie nie

Das Audimax: Im größten Hörsaal der Uni Wien war schon bisher der Platz sehr knapp. Kommen alle, die sich bisher in Wien angemeldet haben, müssten noch einmal so viele Studenten in den Saal hineingezwängt werden
Foto: KURIER - Boroviczeny

Uni Wien: Doppelt so viele Interessenten, als es im Vorjahr Anfänger gab. Wie viele davon kommen, weiß aber niemand.

Bessere Planbarkeit ist seit Jahren eine Kern-Forderung der Universitäten, die nicht erst im November (Ende der Inskriptionsfrist) wissen wollen, wer zum Studium kommt. Die Regierung wollte das Problem mit der neuen Voranmeldung lindern: Bis heute, 31. August, muss jeder Student via Internet sein Interesse bekunden.

Der Haken: Die Voranmeldung ist unverbindlich - und jeder kann sich an allen Unis für beliebig viele Fächer anmelden. Der Effekt für die Planbarkeit: gleich null. Einen Tag vor Ende der Frist verzeichnete die Uni Wien knapp 30.000 Voranmeldungen. Das wären mehr als doppelt so viele Erstsemestrige wie im Vorjahr (siehe Grafik unten). Wären - denn niemand rechnet damit, dass angesichts der möglichen Mehrfach-Anmeldungen tatsächlich alle 30.000 Anfänger kommen werden.

In Innsbruck gibt es kurz vor Nennschluss 50 Prozent mehr Voranmeldungen, als es letztes Jahr Anfänger gab, in Klagenfurt doppelt so viele; an der Wirtschaftsuni Wien gab es schon Ende Juli mehr Voranmeldungen als Vorjahres-Anfänger.

Fristenlösung

Das Audimax: Im größten Hörsaal der Uni Wien war schon bisher der Platz sehr knapp. Kommen alle, die sich bisher in Wien angemeldet haben, müssten noch einmal so viele Studenten in den Saal hineingezwängt werden Foto: KURIER - Boroviczeny Das Audimax: Im größten Hörsaal der Uni Wien war schon bisher der Platz sehr knapp. Kommen alle, die sich bisher in Wien angemeldet haben, müssten noch einmal so viele Studenten in den Saal hineingezwängt werden

Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) ist die Voranmeldung zumindest ein kleiner Fortschritt. "Sie ermöglicht den Universitäten mit Anfang September einen Überblick über die Maximalzahl an Studierenden", sagt Töchterle zum KURIER. "Wir werden uns im Herbst gemeinsam mit den Unis genau anschauen, ob Verbesserungen notwendig sind."

Eine simple Lösung den Unis zu helfen wäre es, das Ende der verbindlichen Inskription (derzeit November) vor den Semesterbeginn zu verlegen - wie bei Fachhochschulen und beschränkten Studien wie Medizin. Das empfehlen übrigens auch Töchterles Uni-Weisen in ihrem Bericht.

Budget

Das Audimax: Im größten Hörsaal der Uni Wien war schon bisher der Platz sehr knapp. Kommen alle, die sich bisher in Wien angemeldet haben, müssten noch einmal so viele Studenten in den Saal hineingezwängt werden Foto: KURIER - Boroviczeny Das Audimax: Im größten Hörsaal der Uni Wien war schon bisher der Platz sehr knapp. Kommen alle, die sich bisher in Wien angemeldet haben, müssten noch einmal so viele Studenten in den Saal hineingezwängt werden

Töchterle will im Herbst auch die Finanz-Probleme der Hochschulen anpacken: Bei den "Beichtstuhl-Gesprächen" der Minister mit Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) in den vergangenen Tagen waren die Unis kein Thema.

Bald schon soll es aber Extra-Verhandlungen geben, um den Unis ab 2013 mehr Geld zu sichern. Für die Budget-Periode 2013-2015 fehlen nach derzeitigem Stand mindestens 250 Millionen Euro pro Jahr. Mit Fekter gebe es "gute Gespräche", heißt es aus Töchterles Büro. Und in Richtung SPÖ: "Der Minister setzt sich für mehr Mittel ein. Klar ist aber auch: Geld allein löst keine Strukturprobleme." Soll heißen: Die steigenden Studentenzahlen dürften den Kampf um Studiengebühren und Zugangshürden neu anheizen - und könnten von der ÖVP zu einer Bedingung für mehr Geld gemacht werden.

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(kurier / Philipp Hacker und Julia Hödl) Erstellt am
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