Umfrage: Spindelegger hat ein Frauenproblem

Der neue ÖVP-Chef und die Damen in seinem Team bekommen schlechte Noten. Die neuen Männer kommen gut weg.

Im April 2011 übernahm Michael Spindelegger die Agenden von Josef Pröll als ÖVP-Obmann und Vizekanzler. Der Außenminister gilt als recht trocken -  nicht ganz zurecht, wie diese gesammelten Zitate belegen. Der VP-Obmann stellt Anforderungen an seine Männer in den Bundesländern: "Notwendig ist für einen Tiroler Landeshauptmann, dass er jagen geht und ein niederösterreichischer Landeshauptmann wird ein Glas Wein trinken müssen." (März 2012) Korruptionsaffären und Co.: Die ÖVP will sich neue Regeln auferlegen. Der Verhaltenskodex soll allerdings ohne Knast auskommen: "Ich habe nicht vor, ÖVP-Gefängnisse zu eröffnen." (März 2012) Spindelegger motiviert Schüler mit türkischem Migrationshintergrund: "Das Motto lautet, lernt Deutsch und werdet alle Dogudans." (März 2012) Spindelegger kann Doktor. Und verschreibt ein Sparpaket: "Es ist eine bittere Medizin für viele, aber Voraussetzung, dass wir wieder gesund werden." (März 2012) "Die letzten zehn Wochen waren die härtesten in meinem Leben." - Die Sparpakets-Verhandlungen zehren am gebürtigen Niederösterreicher. (Februar 2012) Der Vizekanzler kennt keine Gnade bei Reformen: "Da planen wir richtige Hämmer." (Februar 2012) "Sebastian Kurz ist ein junger Politiker, der halt auch einmal was sagen darf." - Der ÖVP-Chef lässt seine Mitarbeiter halt auch einmal reden. (Februar 2012) Spindelegger denkt laut über das Budget nach: "Bei Steuern und neuen Steuern rieselt es mir immer kalt über den Rücken." (Jänner 2012) Österreich wird herabgestuft. "Sankt Standard & Poor`s"? - Spindelegger ist "not amused": "Dass wir den Freitag, den 13. Jänner 2012, nicht zum Feiertag erklären, ist ja klar." (Jänner 2012) "Ich bleibe schüchtern." - Michael Spindelegger wird ganz rot, wenn die SPÖ neue Steuern erfindet. (Dezember 2011) "Es hat eine tragische Note, wenn ein Finanzminister mit dem Geldkoffer über die Grenze marschiert." -  Michael Spindelegger fühlt mit (Dezember 2011) Ob Wintervorrat oder Staatshaushalt - man sollte sich darüber Gedanken machen... "Das Problem von Österreich ist, dass wir jedes Jahr zu viel ausgeben, und darum darf man doch jetzt nicht mit den Peanuts beginnen." (Dezember 2011) Katholik Spindelegger, noch beeindruckt von seinem Papst-Besuch: "Die Schulden sind die Erbsünde der Politik." (September 2011) "Die SPÖ ist nicht pragmatisiert im Bundeskanzleramt." - Wird sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache denken, sagt aber VP-Obmann Michael Spindelegger. (Mai 2011) Spindelegger plaudert aus dem Nähkästchen: "Meine Frau hat mich trotzdem geheiratet." (Mai 2011) "Ich habe mir handverlesene Persönlichkeiten für dieses Team gewünscht und auch die Zusagen dafür erhalten." - Spindelegger sammelt für seine Auslese 2011 nur die besten schwarzen Beeren. (April 2011) Hat am 14. April Jahrestag: VP-Chef Michael Spindelegger

Nächste Woche hat Michael Spindelegger seinen Jahrestag. Am 14. April 2011 wurde der Außenminister im ÖVP-Vorstand zum neuen Parteichef und Vizekanzler nominiert. Grund zum Feiern hat er nicht: Die ÖVP liegt stabil auf dem dritten Platz. Die Probleme bei der Budgetsanierung lasten schwer auf den Schwarzen, noch viel mehr die Korruptionsskandale.

Die jüngste KURIER-OGM-Umfrage stellt Spindelegger und vor allem den Ministerinnen, die er vor einem Jahr neu ins Team geholt oder mit neuen Aufgaben betraut hat, ein schlechtes Zeugnis aus. Nur 30 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Vizekanzler und ÖVP-Chef bisher gute Arbeit geleistet hat. 55 % sagen, Spindelegger habe nicht so gute Arbeit geleistet.

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer führt Spindeleggers Problem gar nicht auf seine Person, sondern auf das Drumherum zurück: "Ihm selbst kann man konkret nichts anlasten. Aber der Chef ist immer an allem schuld." Und da fällt dem Meinungsforscher einiges ein: "Das Missmanagement der ÖVP beim Telekomskandal, die Unsicherheiten beim Sparpaket und die aktuellen Vorfälle rund um Finanzministerin Fekter (Auseinandersetzung mit dem Chef der Eurogruppe, Juncker, Anm.). Das alles fällt Spindelegger auf den Kopf."

Tröstlich für Spindelegger ist, dass er in seiner eigenen Partei sehr gut ankommt. 83 % der ÖVP-Wähler halten seine Arbeit für gut.

Das ist nicht bei allen so. Justizministerin Beatrix Karl attestieren nur 46 % der ÖVP-Wähler gute Arbeit. Insgesamt halten nur 22 % die Justizministerin für gut.

Schlechte Werte

Umfrage Grafik Spindelegger Foto: KURIER Grafik Die Ergebnisse der Umfrage

Spindelegger hat offenbar ein Frauenproblem. Finanzministerin Maria Fekter halten 61 % für "nicht so gut". Auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner kommt schlecht weg. Bachmayer ortet verschiedene Gründe: Fekter wirke manchmal nicht sattelfest und habe sich politische Fehltritte geleistet. Bei Karl habe es politische Fehleinschätzungen gegeben. Und bei Mikl-Leitner sei es eher der Stil (Her mit dem Zaster-Sager, Anm.).

Ganz anders die neuen Männer im ÖVP-Team. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle kommen mehrheitlich gut an. Bemerkenswert ist für den OGM-Chef der Aufstieg von Kurz: "Er war bei seiner Bestellung von Spott und Hohn begleitet, jetzt hat er Bestwerte." Der junge Staatssekretär kommt auch bei SPÖ- und Grün-Anhängern auffallend gut an. Quereinsteiger Töchterle punktet ebenfalls bei den Grünen.

Bachmayers Resümee: "Die ÖVP hat auch unter Spindelegger ein Kommunikationsproblem." Die gute Sacharbeit, etwa beim Sparpaket, sei untergegangen.

Erbe

Der Politikwissenschafter Peter Ulram meint generell, der VP-Chef habe alle Probleme geerbt. Der große Einbruch sei schon 2010 gekommen, als Länder, Interessensgruppen und die SPÖ Josef Prölls Reformvorhaben "abgedreht" hätten. Spindeleggers Mannschaft, vor allem die Finanzministerin, hält Ulram für "nicht so schlecht".

(kurier / Magdalena Rauscher-Weber) Erstellt am
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