Töchterle-Kritik an umstrittenem Med-Uni-Test
Eine klare Absage erteilt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) der "gendergerechten" Auswertung der Aufnahmetests an der Medizin-Uni Wien. "Das ist klarerweise nicht fair und eine problematische Diskriminierung der Burschen", so Töchterle in der Kleinen Zeitung (Donnerstag-Ausgabe). Die rechtlichen Chancen von Klagen - ein Student hat kürzlich sogar Klage beim VfGH eingereicht - könne er als Nicht-Jurist nur schwer einschätzen. "Mein Rechtsempfinden sagt mir, dass Diskriminierung rein aufgrund des Geschlechts grundsätzlich Unrecht ist."
In einem ersten Schritt habe nun das Ministerium versucht, für die Studenten eine rasche Lösung zu finden, berichtet die Zeitung. "Die Universität hat eine Kulanzlösung angeboten und die Plätze von 740 auf 800 erhöht. Wir sind davon ausgegangen, dass damit alle Burschen einen Platz bekommen, die nicht zum Zug kamen. Wenn das nicht der Fall sein sollte, müssen wir uns das neu anschauen", wird Töchterle zitiert.
Punktezahl
Durch die "gendergerechte" Auswertung haben Frauen mehr Studienplätze erhalten als ihnen rein nach der Punktezahl zugestanden wären. Dies funktionierte mittels einer nach Geschlechtern getrennten Auswertung: Dadurch konnten Frauen trotz identer bzw. sogar niedrigerer Punktezahl einen höheren Testwert als Männer aufweisen - und deshalb einen Studienplatz bekommen. Die Regelung wurde eingeführt, weil sich bisher stets mehr Frauen als Männer beworben hatten, der Anteil an zum Studium zugelassenen Frauen aber deutlich darunter lag. Heuer waren die Werte mit einem Frauenanteil von je 56 Prozent sowohl bei Bewerbern als auch Aufgenommenen aufgrund der Auswertungsmethode erstmals gleich.
Ministerium und Medizin-Uni haben sich nach einer Beschwerde der HochschülerInnenschaft der Uni vor rund zwei Wochen auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach werden heuer mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums 60 zusätzliche Anfänger-Studienplätze an der Universität geschaffen, um die beim Test Benachteiligten doch noch zum Zug kommen zu lassen - allerdings werden auch die Zusatzplätze "genderspezifisch" vergeben.
Ab dem kommenden Jahr soll es an allen drei Medizin-Unis ein komplett neues Aufnahmeverfahren geben.
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