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Politik
08/06/2012

Tempel-Blutbad: Sikhs mit Muslimen verwechselt?

Das Blutbad in einem Sikh-Tempel im US-Bundesstaat Wisconsin hat womöglich einen rassistischen Hintergrund.

Nach der Schießerei in einem Sikh-Tempel in den USA mit insgesamt sieben Toten und drei Schwerverletzten gibt es erste Erkenntnisse zu Täter und Motiv: Bei dem Todesschützen handelt es sich um einen ehemaligen Soldaten, der laut CNN einer Neonazi-Musikgruppe angehörte. Womöglich verwechselte er die Sikhs und wollte eigentlich Muslime treffen. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. Sie geht bei der Tat in Oak Creek aber von einem "Terrorakt" aus. Der Täter selbst wurde von einem Polizisten erschossen.

Der 40-jährige Wade Michael Page wurde 1998 wegen wiederholten "Fehlverhaltens" aus dem Militär entlassen, wie Medien unter Berufung aufs Pentagon berichteten. Weil er betrunken im Dienst erschien, sei er 1998 degradiert worden.

Präsident Barack Obama bekundete seine "tiefe Trauer". Erst vor zwei Wochen hatte ein Kino-Amoklauf in Colorado die USA geschockt.

Indischer Premier: "Sinnlose Gewalttat"

Die sechs Todesopfer sind fünf Männer und eine Frau im Alter zwischen 39 und 84 Jahren, wie der Polizeichef von Oak Creek, John Edwards, auf einer Pressekonferenz sagte. Zu den Toten zählt auch der Präsident der Tempel-Gemeinde, Satwant Kaleka. Drei Menschen wurden bei der Attacke schwer verletzt, darunter ein Polizist. Der Schütze habe auf ihn acht- bis neunmal aus nächster Nähe gefeuert, bevor ein anderer Polizist den Täter erschoss, schilderte Edwards.

Der indische Premierminister Manmohan Singh verurteilte das Massaker scharf. Besonders schmerzvoll sei, dass die "sinnlose Gewalttat" an einem Ort der Gottesverehrung passiert sei, erklärte Singh, der selber der religiösen Minderheit der Sikhs angehört.

Sikhs mit Taliban verwechselt?

Nach Angaben des Polizeichefs gehen die Behörden davon aus, dass der Schütze allein handelte. CNN zufolge wohnte der Schütze etwa acht Kilometer von dem Tempel entfernt. Er sei ein verschlossener Typ gewesen und habe mit seiner Freundin zusammengelebt, hieß es unter Berufung auf Nachbarn.

Spekulationen, nach denen der Todesschütze seine Opfer mit Muslimen verwechselt haben könnte, stützen sich unter anderem auf Augenzeugenberichte. Demnach soll der Täter eine "9/11"-Tätowierung getragen haben, möglicherweise zum Gedenken an die Anschläge vom 11. September 2001. Laut US-Medien spüren viele Mitglieder der Sikh-Gemeinschaft seit den Terrorattacken eine wachsende Abneigung. Eine Anhängerin aus der Region sagte laut New York Times, mancher halte Sikhs für Mitglieder der radikal-islamischen Taliban, weil viele von ihnen einen Turban tragen.

Präsident schützte seine Mitglieder und starb

Der Mann eröffnete das Feuer in dem Tempel am Sonntag, während Gläubige ein Mittagessen vorbereiteten. Sikhs sind Anhänger einer religiösen Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert in Nordindien entstand. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger. Ihre Zahl in den USA wird auf bis zu 500.000 geschätzt.

Der Präsident der Tempel-Gemeinde in Oak Creek, Satwant Kaleka, versuchte nach Angaben von Angehörigen, den Schützen zu überwältigen. Dabei wurde er erschossen. "Er war der Beschützer seiner eigenen Leute, ein unglaublicher Mensch", zitierte CNN einen Neffen.

In Indien wurde am Montag in Trauergottesdiensten der Ermordeten gedacht. Premierminister Singh kondolierte den Angehörigen und erklärte Indiens Solidarität mit allen friedliebenden Amerikanern, die die Gewalt verurteilten. Zugleich begrüßte er die Erklärung von US-Präsident Barack Obama, der seine Anteilnahme bekundet hatte.

Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Die Sikh-Religion ist mit mehr als 30 Millionen Anhängern die fünftgrößte der Welt. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger. In den USA gehören mehr als 500.000 Menschen der Glaubensgemeinschaft an. Die Sikhs tragen traditionell Turban und Bart. In den USA werden sie vielfach für Muslime gehalten und waren deshalb besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Anfeindungen ausgesetzt.

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