Tag der Jugend im Zeichen globalen Protests

Jugendliche auf der ganzen Welt kämpfen für Veränderungen politischer und wirtschaftlicher Systeme. Ein Überblick.

Am 12. August wird der "Internationale Tag der Jugend" begangen. Die Jugend ist in Aufruhr: Überall auf der Welt wollen junge Leute Veränderungen durch Proteste herbeiführen. Kaum noch in Erinnerung, doch eigentlich am Beginn der Protestwelle stehend war London: Im November und Dezember 2010 protestierten in England Zehntausende Studenten gegen die drastische Erhöhung der Studiengebühren an Universitäten. In London kam es bei den Demonstrationen zu Zusammenstößen zwischen Studenten und Polizisten. Im Regierungsviertel stürmten aufgebrachte Studenten die Parteizentrale der regierenden Konservativen. Sie drangen in den Gebäudekomplex am Themse-Ufer ein und besetzten stundenlang das Dach des Parteihochhauses. Auch das Auto von Prinz Charles und Camilla wurde attackiert. Trotzdem beschloss die Regierung die Erhöhung der Studiengebühren. Der arabische Frühling aber begann mit diesem Mann: Mohammed Bouazizi. Der Aufstand der Jugend Tunesiens wurde von der Selbstverbrennung des 26-Jährigen ausgelöst. Die Behörden hatten ihm seine Lebensgrundlage entzogen. Bouazizi wurde zum Symbol einer Jugend, die trotz guter Ausbildung schlechte Aussichten auf Arbeit hatte und keine Zukunftsperspektiven mehr sah. Nach wochenlangen Protesten für Demokratie und gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und Behördenwillkür, floh der ehemalige Präsident Zine El Abidine Ben Ali am 14. Jänner 2011 ins arabische Exil. In Ägypten war die Jugendbewegung 6. April eine der treibenden Kräfte hinter den Massenprotesten und dem folgenden Sturz des Regimes. Sie organisierten ihre Anhänger vor allem über die Internetplattform Facebook. Ihre Mitglieder sind hauptsächlich gut ausgebildete junge Leute, die politische Reformen, Pluralität, Meinungsfreiheit und Demokratie fordern. Nach wochenlangen Protesten und einer Dauerbesetzung des Kairoer Tahrir-Platzes wurde der ehemalige Präsident Hosni Mubarak schließlich am 11. Februar 2011 zum Rücktritt gezwungen. Mitglieder der Jugendprotestbewegung "Geracao a rasca" (Generation in der Klemme) riefen im März 2011 über Facebook zu Protestkundgebungen in elf Städten Portugals auf. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Hunderttausende Portugiesen zogen in Lissabon, Porto und anderen Städten durch die Straßen und demonstrierten gegen Arbeitslosigkeit und mangelnde Zukunftsperspektiven. Die landesweiten Proteste dauerten wochenlang an. In Spanien demonstrieren seit 15. Mai 2011 vor allem junge Menschen gegen den rigiden Sparkurs der Regierung, die Macht der Banken und die hohe Arbeitslosigkeit. Auf zahlreichen Plätzen errichteten sie Protest-Camps, die mehrfach geräumt und wieder bezogen wurden. Die Organisatoren sagten, sie hätten sich von den Menschen in Nordafrika und in anderen europäischen Ländern inspirieren lassen: "Die arabische Welt hat uns gezeigt, dass der Sieg möglich ist." In Griechenlands Hauptstadt Athen kam es im Juni 2011 zu Demonstrationen und Krawallen gegen den Sparkurs der Regierung. Hunderte Beamte lieferten sich nahe des Parlamentsgebäudes Straßenschlachten mit Autonomen. Die aufgebrachten großteils jugendlichen Protestler warfen Steine, schlugen Fensterscheiben ein und setzten vereinzelt Gebäude in Brand. In Israel kommt es seit Juli 2011 zu wiederholten Massenprotesten gegen hohe Lebenshaltungskosten. Der Mitorganisator und Vorsitzender des israelischen Studentenverbandes fasste die Stimmung zusammen: "Wir, die Studenten, die Jugend, sind hier, um deutlich zu machen: wir haben die Kraft zur Veränderung". Auslöser der Proteste waren fehlende Wohnungen und die immens hohen Mieten in Tel Aviv, die sich viele Menschen nicht mehr leisten können. In Chile rief der konservative Präsident Sebastian Pinera im 10. August 2011 zum Dialog über die Bildungsreform auf. Zuvor hatten Hunderttausende Studenten und Lehrer monatelang für eine gebührenfreie Bildung demonstriert. Bei den Protesten kam es immer wieder zu Ausschreitungen. Demonstranten errichteten Straßensperren und setzten Barrikaden in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Traurige Eskalation stellt nun England dar: Die Erschießung eines jungen Familienvaters durch die Polizei entzündete am 7. August 2011 landesweite Krawalle. Jugendliche zogen über mehrere Nächte durch die Straßen, steckten Gebäude in Brand, plünderten Geschäfte und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Mit den Protesten in anderen Großstädten der Welt ist dies kaum vergleichbar. Denn in London wurde dieses Mal nicht gegen Ungerechtigkeit und für Demokratie demonstriert. Es herrscht wahlloser Vandalismus.

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(apa / csm) Erstellt am
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