© REUTERS

Politik
08/04/2012

Syrien: Angriff auf Staats-TV

Aleppo wurde in der Nacht auf Samstag wieder Schauplatz für Explosionen: Die Rebellen griffen mit Sprengsätzen das Gebäude des Staatsfernsehens an.

Syrische Rebellen haben in der Nacht auf Samstag das Gebäude des Staatsfernsehens in der umkämpften Metropole Aleppo angegriffen. Die Aufständischen hätten rings um das Haus Sprengsätze deponiert, seien dann aber bei dem Versuch, das Gebäude zu stürmen, von der syrischen Luftwaffe beschossen worden. Das teilten Oppositionelle mit. Daraufhin hätten sich die Rebellen zurückgezogen.

Die amtliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte den Angriff auf die Niederlassung des Staatsfernsehens und berichtete von "Terroristen, die Zivilisten und das Gebäude angegriffen" hätten. Syrische Soldaten seien aber zur Verteidigung angerückt. Bei dem Vorfall seien "Terroristen getötet und verletzt worden", hieß es weiter. Der in London ansässigen "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" zufolge gab es in zwei westlichen Stadtteilen von Aleppo zudem heftige Kämpfe.

"So heftig beschossen wie nie zuvor"

Auch in der Hauptstadt Damaskus gab es schwere Kämpfe. Die Armee habe das südliche Viertel Tadamun "so heftig beschossen wie nie zuvor", teilte die Beobachtungsstelle mit. Auch im östlichen Bezirk Jobar gab es demnach Gefechte. Laut Sana ging die Armee auch hier gegen "Terroristen" vor. Eine "große Anzahl" von ihnen sei festgenommen oder getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur. Zudem seien Waffen beschlagnahmt worden.

Der der Opposition in Syrien nahestehenden Beobachtungsstelle zufolge wurden landesweit am Samstag mindestens 13 Menschen getötet. Am Freitag starben landesweit mindestens 84 Menschen, darunter 46 Zivilisten. Der blutig ausgetragene Konflikt im Land hält seit nunmehr eineinhalb Jahren an.

Entführter Moderator wurde ermordet

Ein Mitte Juli aus seinem Haus in Damaskus entführter Moderator des syrischen Staatsfernsehens ist indes ermordet worden. Dies berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (ODSH) am Samstag. "Eine bekannte Persönlichkeit des syrischen Staatsfernsehens ist exekutiert worden und die Al-Nosra Front hat sich zur Tat bekannt", bestätigte der Leiter der OSDH, Rami Abdel Rahman gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Assad bittet Russland um Hilfe

Am Abend wurde bekannt, dass die syrische Armee wieder die gesamte Hauptstadt Damaskus kontrolliert. Ein hochrangiger Offizier, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte am Samstag vor Journalisten, die Armee habe das südliche Stadtviertel Tadamun zurückerobert. "Wir haben alle Bezirke von Damaskus gesäubert", sagte der General, der den Armeeeinsatz in Tadamun leitete. Dieser war nach seinen Angaben "auf Wunsch der Bevölkerung" erfolgt und dauerte von Freitagmorgen bis Samstagmittag.

Die Lage in Damaskus sei nun "hervorragend und stabil", fügte der General hinzu. Es gebe keine "bewaffneten Gruppen" mehr in der Stadt - "bis auf einige wenige Individuen, die von einem Ort zum anderen ziehen, um zu beweisen, dass es sie gibt".

Dennoch: Die westlichen Sanktionen und der Vormarsch der Rebellen zeigen offenbar Wirkung. Das bedrängte Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad hat seinen Verbündeten Russland um Finanz- und Wirtschaftshilfe gebeten, um sich über Wasser halten zu können. Wie russische Medien am Samstag berichteten, beklagte der syrische Vizepremier Kadri Jamil bei Gesprächen in Msokau besonders einen Mangel an Erdölprodukten wie Diesel. Während das Rote Kreuz an die Konfliktparteien appellierte, Zivilisten zu schonen, berichteten Augenzeugen von massiven Luftangriffen auf Rebellenhochburgen in Damaskus und Aleppo.

Mehr zum Thema

  • Hintergrund

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.