Stierkampf: Das Ende einer Ära

Katalonien hat als erste Provinz am spanischen Festland den Stierkampf verboten. Die letzte Corrida fand Ende September in Barcelona statt - vor 20.000 Zuschauern.

Am 25. September wurde zum letzten Mal ein Stier in einer Kampfarena getötet - zumindest in der spanischen Provinz Katalonien. In der 1914 eröffneten Arena Monumental in Barcelona fand die letzte "Corrida" der Saison statt. Mit dem Stierkampf in der zum brechen vollen Arena ist die Ära der Stierkämpfe in Katalonien zu Ende gegangen: Die regionale Regierung hat die traditionsreichen Schaukämpfe ab Jänner 2012 verboten. Die gefeierten Matadore Jose Tomas, Juan Mora und der junge Star Serafín Marín (Bild) bereiteten sich voller Wehmut auf ihren letzten Kampf vor... ...und sparten nicht mit Kritik am Verbot. "Man hat mir meine Vergangenheit und einen Teil meiner Zukunft gestohlen. Man hat mir verboten, meinen Beruf auszuüben", sagte Torero Serafín Marín. Die Stierkämpfer (hier Jose Tomas) wurden von ihren Fans noch einmal ordentlich gefeiert. Der Stierkampf hat in der autonomen Provinz ebenso wie in anderen Teilen Spaniens und Südfrankreichs eine jahrhundertealte Tradition. Die Matadore werden von ihren Anhängern wie Helden gefeiert. Um den letzten Stierkampf zu sehen, waren Menschen aus der ganzen Region herbeigeströmt - die Arena war bis zum letzten Platz mit rund 20.000 Zuschauern gefüllt. Die Tickets waren kurz nach dem Verkaufsstart vergriffen. Manche zahlten 1.500 Euro für einen Platz. Die sechs Stiere stammten aus einer Zucht in der Stadt Salamanca. Ein letztes Mal durften die Matadore ihre... ...Fertigkeiten in Barcelona unter Beweis stellen. Dann versetzte Serafín Marín zum letzten Mal einem Stier den Gnadenstoß. Während 20.000 Stierkampf-Fans in der Arena ihre Stars feierten... ...demonstrierten draußen Gegner des blutigen Schauspiels. Sie hatten die katalonische Regierung mit rund 180.000 Unterschriften dazu gebracht, die "Corridas" als erste Provinz am Festland Spaniens zu verbieten. Die Demonstranten feierten ihren Erfolg vor der Arena in Barcelona. "Das ist ein kleiner Sieg", sagte Stierkampf-Gegner Lluís Villacorta. "Aber das tröstet mich nicht. Die Stiere, die hier nicht sterben, sterben an anderen Orten der Iberischen Halbinsel oder in Frankreich." Die Anhänger des Stierkampfs sind hingegen über das Verbot schockiert. Sie argumentieren vor allem mit der Tradition der Corridas. "Die Arenen zu schließen - das ist, als würde man einen Picasso in den Müll schmeißen", sagte ein 68-jähriger Zuschauer. Die Anghänger wollen  nun Unterschriften sammeln, damit das Parlament in Madrid sich mit der Causa befasst. Mit dieser Forderung stoßen sie wiederum bei vielen Landsleuten auf taube Ohren - das autonome Katalonien hat ein oft zwiespältiges Verhältnis zur Zentralregierung in Madrid. Fakt ist aber, dass der Stierkampf mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien ist. Vor allem in Madrid und in Andalusien hat er nach wie vor viele Anhänger. Beim letzten Kampf in Barcelona ließen sich die Matadore am Sonntag noch einmal feiern... ...dann mussten sie endgültig den Hut ziehen.

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(APA / lef) Erstellt am
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