SP-Voves macht jetzt Druck für Uni-Gebühr
In der Steiermark krempelt Franz Voves (SPÖ) mit seinem Vize Hermann Schützenhöfer das Land um. Nun fordert er auch in der Bundespolitik Reformen. Vor allem das Thema Bildung brennt ihm unter den Nägeln.
KURIER: Herr Voves, Sie haben in der Steiermark eine rot-schwarze Reformpartnerschaft, die sich an ganz große Brocken heranwagt. Was müsste die Bundesregierung dringend angehen?
Das Bildungsthema ist mit Abstand das wichtigste. Das ist der Faktor, von dem wir als kleiner Staat leben. Ohne innovativ zu sein, hat man am Markt keine Chancen. Das kann man nur mit einer toll ausgebildeten Jugend.
Was schwebt Ihnen vor?
Das Thema Bildung vom Kindergarten zur Universität muss sofort verbessert werden. Da sprechen wir von einer gemeinsame Schule der 10-14-Jährigen ebenso, wie von der Gesamtschule als Ganztagsschule, wo es auch individuelle Förderung der Kinder nach ihren Kenntnissen gibt. Und auch das Thema der Studiengebühren muss angegangen werden.
Das ist in Ihrer Partei nicht unumstritten…
Wenn es gelänge, zu einem sozial gerechten Stipendiensystem zu kommen, kann man auch über Studiengebühren diskutieren. Wir haben in der Steiermark einen sozial gestaffelten Kindergarten, da könnte man doch auch bei Studiengebühren zu einer sozial gerechten Lösung kommen. Dafür braucht es aber eine ordentlich vergleichbare Einkommensdefinition. Auf Basis der aktuell gültigen sieben Einkunftsarten ist es sehr ungerecht, Netto mit Netto zu vergleichen, weil Selbstständige ganz andere Möglichkeiten haben als Lohnsteuer-Pflichtige.
Sie fordern also, dass sich die SPÖ im Bereich Studiengebühren bewegt?
Es geht um Studiengebühren nur in Kombination mit einem sozial gerechten Stipendiensystem. Das Paket muss sozial gerecht sein. Niemand hat diese Aufgabe bisher gelöst, weil unser Steuersystem sehr kompliziert ist und sehr unterschiedliche Nettoeinkommensdarstellungen erlaubt. Aber Studiengebühren sind Beträge, die unsere Universitäten brauchen. Und man muss auch über eine Leistungstangente sprechen: Die Gebühren sollen auch Anreiz sein für rasches Studieren.
Waren die alten Studiengebühren ungerecht?
Ich kann die SPÖ-Haltung verstehen, solange das Gesamtpaket nicht ausführlichst diskutiert wird. Aber es kann nicht sein, das kluge Menschen sich nicht hinsetzen und ein intelligentes System ausarbeiten.
Sind Sie für die Einsetzung einer Arbeitsgruppe?
Natürlich, aber dann müssen innerhalb von ein paar Monaten Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Da soll etwa jede Partei zwei Wirtschaftstreuhänder und ein paar Juristen nominieren. Und auch die Parteijugend sollte man am Diskussionsprozess teilhaben lassen.
Werden Sie das Thema beim Bundesparteitag ansprechen?
Ich nehme an, dass das Thema kommt.
Wollen Sie einen politischen Abtausch Gesamtschule gegen Studiengebühren?
Politik ist die Kunst des Möglichen. Es geht nicht an, dass sich die Parteien in dem wichtigen Thema über Jahre nicht in den Kernfragen bewegen – das versteht niemand. Und das aus ideologischen Gründen! Wir leben in einer globalen Welt, Österreich muss als Standort wettbewerbsfähig bleiben. Das ist nur schaffbar, wenn ich junge Menschen möglichst hoch qualifiziere. Da dürfen Parteien nicht am Schluss mit Ideologien aus den 60ern und 70ern hocken bleiben – das kann es nicht sein. Ich würde das nicht so vehement sagen, wenn das nicht schon jahrelang so dahingehen würde.
Was ist mit der Ideologie des freien Hochschulzugangs?
Wenn in manchen Studien 700 Laborplätze fehlen, dann braucht es realistische Alternativen. Das hat nichts mit Ideologie zu tun. Generell soll jeder das studieren, wo er seine Stärken vermutet. Aber man muss den Menschen auch sagen, dass gewisse Studien massiv überlaufen sind. Ich bin überzeugt, dass wir daher viel mehr in die Beratung vor dem Studienantritt investieren müssen.
Entspannte Stimmung trotz großen Ansturms in letzter Minute
Einige Hundert Studenten fanden sich am Mittwoch am letzten Drücker zur Anmeldung ihres Uni-Studiums ein.
"Was möchten Sie studieren, haben Sie alles dabei?", fragt eine Inskribtionshelferin und koordiniert den Anmeldungsablauf an der Uni Wien. Mit einem Kaffee in der Hand warten die Studierwilligen bis ihre Nummer aufgerufen wird. Das Chaos der letzten Tage scheint sie wenig zu tangieren. Die Stimmung ist entspannt, lange Warteschlangen wie in der Früh bleiben aus. Gestresst scheint hier nur das Aufsichtspersonal: "Seit Montag ist es Horror," meint eine Angestellte.
"Versteh ich nicht, warum die Leute jetzt erst kommen, war ja lang genug Zeit, irgendwann muss Schluss sein", so auch Studentin Claudia von der Studienabteilung der TU Wien. Insgesamt lief die Inskription jedoch reibungsloser ab als erwartet, auch aufgrund der guten Vorbereitung der Studenten kam es kaum zu Auseinandersetzungen .
An der Wirtschaftsuniversität ebenfalls keine Spur von Hektik. "Die Terminvergabe funktioniert hier schon seit Jahren gut", heißt es seitens des Unipersonals. Nur am Morgen sind die zukünftigen Studenten bis zur Eingangstüre angestanden, Mittwochmittag ist das wartende Grüppchen vor der Zulassungsstelle überschaubar .
Zu spät
Die Gründe für die späte Inskription sind vielfältig. "Ich habe von der neuen Frist zu spät erfahren", so der 27-jährige Musikstudent Bernhard, der mit Sinologie schon sein zweites Studium inskribiert. Manche kommen gerade erst aus dem Ausland zurück, andere konnten sich so schnell für keine Studienrichtung entscheiden.
Viele der Wartenden stehen auch für andere Familienmitglieder an, die bis zum Fristende nicht erscheinen konnten. Mike Ongerie, 31, Student der Theaterwissenschaften, kümmert sich um die Einschreibung seiner Cousine, die derzeit noch in Kenia weilt. Sie wird in den nächsten zwei Wochen zum Studium nach Wien kommen. Patrick aus Berlin und bald Neuwiener, ist überrascht, dass es doch so schnell ging mit der Anmeldung. "Ich hab zirka 15 Minuten gewartet und schon bin ich eingeschrieben, jetzt brauche ich eine Wohnung."
Offen
Als eine "Insel der Seligen" sieht sich die Johannes Kepler Universität in Linz, meint ÖH-Sprecherin Katharina Bloderer: "Wir verfügen noch über ein großes Kontingent. Keiner muss sich fürchten, hier keinen Studienplatz zu bekommen." Nach dem gestrigen Ablauf der Erstinskriptionsfrist bleibe in Linz noch ein Türchen offen. "Wir stehen in gutem Kontakt zum Rektorat und haben die Zusage, dass es einen gewissen Spielraum gibt", sagt Bloderer. Vizerektor Herbert Kalb bestätigt dies nicht. "Wir halten uns an die gesetzlichen Regelungen, bemühen uns aber natürlich um kulante Lösungen." Insgesamt etwa 3000 Studierende werden bis Ende der Nachfrist am 30. November erwartet.
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