Selbstbewusste Junge saufen weniger

Jugendliche trinken heute zwar weniger Alkohol als vor 20 Jahren, beginnen aber früher mit regelmäßigem Konsum.
Zwei junge Frauen trinken im Freien aus einer grünen und einer dunklen Flasche.

Platz drei in Europa bei den Jugendlichen, die einmal wöchentlich rauchen; Platz fünf bei jenen, die mindestens einmal in der Woche Alkohol trinken: Dieses Ergebnis der internationalen HBSC-Studie sorgt für Diskussionen.

Artur Schroers, Leiter des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien, sieht es differenziert: "In den letzten 20 Jahren ist die Zahl derer, die wöchentlich trinken, sogar rückläufig. Allerdings wird früher regelmäßig getrunken. Jugendliche kommen heute ein bis eineinhalb Jahre früher in die Pubertät – dadurch kommt es eher zu sexuellen Kontakten sowie zu Alkohol- und Nikotinkonsum. "

Es gibt kaum noch Geschlechterunterschiede: Burschen trinken das erste Glas Alkohol zwischen 10 und 11, Mädchen zwischen 11 und 12 Jahren. Die erste Zigarette rauchen Burschen mit 13,1, Mädchen mit 13,4 Jahren.

Gleichzeitig breite sich das skandinavische Konsummuster in vielen Regionen Europas aus – große Mengen in kurzer Zeit, um rasch betrunken zu werden, sagt Schroers. Allerdings: Die wenigsten seien bewusste Komatrinker, sondern junge Menschen, die experimentieren und dabei ihre Grenzen unabsichtlich überschreiten.

"Ein Problem ist da sicher, dass Jugendliche Zugang zu großen Mengen Alkohol haben", kritisiert Prim. Klaus Vavrik (Vorsitzender der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit): " Lokale bieten Jugendlichen an, zu einem Fixpreis so viel trinken zu dürfen wie sie wollen. Das ist Geschäftemacherei auf dem Rücken der Kinder. Einige Softdrinks sollten billiger sein als Alkohol."

Extreme

Eine Grafik zeigt Statistiken zum Rauchen und Alkoholkonsum von Jugendlichen in Österreich. Ein Jugendlicher steht daneben.

Doch was tun, wenn das Kind betrunken nach Hause kommt? "Viele Eltern bagatellisieren oder dramatisieren. Beide extreme Reaktionen sind falsch", meint Vavrik. Er rät: "Reden Sie mit Ihrem Kind, erspüren Sie, was der Grund dafür war." Manchen Jugendlichen mache es Spaß, wenn sie in einer Szene plötzlich ihren Lebensmittelpunkt haben. "Achten Sie genau darauf, mit wem Ihr Kind sich regelmäßig trifft. Gibt es guten Kontakt innerhalb der Gruppe und zu deren Eltern?" Das sei wichtig, um den Draht zum Kind nicht zu verlieren.

Junge Menschen trinken oft auch, weil sie Probleme haben "und nicht, weil sie ein Problem sind", stellt Vavrik fest: "Sie wollen ihre Sorgen, ihre Verletzungen vergessen, oder ihr mangelndes Selbstbewusstsein überdecken. Wer aus dieser Motivation heraus trinkt, ist besonders gefährdet, abhängig zu werden", meint Vavrik. Oft seien Eltern ein schlechtes Vorbild: "Das Trinken erleben die Kinder zu Hause so, dass es zur Entspannung dient und dazu, das Leben erträglicher zu machen. Alkohol wird zum Betäuber, zum Mutmacher, zum Tröster."

Kinder lernen aber durch Vorbilder. Wenn es das "gepflegte" Glas Wein zum Beispiel nur zu einem guten Essen in Gesellschaft gibt, werde Alkohol als Genuss erlebt. Und da darf die Flasche Wein auch etwas mehr kosten. "Qualität statt Quantität ist, was junge Menschen lernen sollten."

Mit der Rauschbrille unterwegs

Ziel der Prävention muss es sein, die Kinder in ihrer Persönlichkeit und ihren Lebenskompetenzen zu stärken, betonen sowohl Vavrik als auch Schroers. "Und es ist wichtig, den Jugendlichen auf Augenhöhe – nicht von oben herab – Informationen zu geben."

Ein Beispiel dafür sei etwa das Projekt "VOLLFAN statt voll fett" des Instituts für Suchtprävention der Wiener Sucht- und Drogenkoordination. Bei ausgewählten Heimspielen der Projektpartner FK Austria und SK Rapid sprechen speziell geschulte Jugendliche junge Fans auf das Thema Alkohol an – und binden sie auch ein: So können sie Geschicklichkeitsaufgaben mit einer Rauschbrille lösen, die eine eingeschränkte Sicht wie bei einem Alkoholkonsum zwischen 0,8 und 1,3 Promille simuliert. Sofort nach dem Aufsetzen der Brille kommt es zum Kontrollverlust.

Wichtig für die Prävention sei auch der Lebensraum Schule, betont Vavrik: "Aus Studien wissen wir, dass Kinder, die in der Schule zufrieden sind, weniger rauchen."

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