Politik
09/18/2012

Schöne neue Schule, aber bitte ohne Klassenzimmer

Nachgefragt: Christian Kühn, Professor am Institut für Architektur und Entwerfen an der Technischen Universität Wien, hat sich mit dieser Frage in zahlreichen Studien konkret beschäftigt.

KURIER: Was muss die Schule künftig den Schülern bieten?

Christian Kühn: Sie muss für unterschiedliche Lernsituationen unterschiedliche Räume anbieten. Das heißt: Wir müssen wegkommen vom Standard-Klassenzimmer, weil Schüler in unterschiedlich großen Gruppen lernen werden. In Zukunft ist die Schule ein Haus des Lernens. Unterrichts- und Pausenräume werden dort nicht mehr getrennt sein.

Gibt es dafür ausreichend Verständnis in Österreich?

Ich würde sagen: Es gibt vermehrt Verständnis. Es gibt aber auch noch immer Bremser, die betonen, dass sich die Klassenzimmer-Gang-Situation nun 200 Jahre lang gut bewährt hat und daher nicht verändert werden darf. Und es gibt auch Entscheidungsträger, die am Prinzip "Gleiches Elend für alle" festhalten.

Weil das Geld fehlt?

Österreich hat eines der teuersten Bildungssysteme der Welt. Nur mit dem Geld zu argumentieren, halte ich da für falsch. Es geht darum, aus derselben Fläche mehr Nutzwert und Aufenthaltsqualität rauszuholen. Wenn man bei einer Schulbau-Sanierung nicht nur die Wärmedämmung und den barrierefreien Zugang berücksichtigt, sondern auch die neuen Anforderungen der Pädagogik, kann man mit wenig Zusatzaufwand zu deutlich besseren Ergebnissen gelangen.

Also intelligente Planung?

Genau, möglichst unter Einbeziehung der Nutzer der Schulen. Darüber hinaus müssen wir lernen, in Bildungslandschaften zu denken, nicht nur in Einzelstandorten. Wenn mehrere Schulen, und mit ihnen auch die Sportstätten und vielleicht die Stadtteilbibliothek ihre Ressourcen vernetzen, ist das für alle ein Gewinn.

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