Schmuckdiebe seilten sich in Basar ab

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Foto: KURIER/Gruber Der Große Basar von Istanbul beherbergt Tausende Geschäfte. Darunter sind zahlreiche Läden von Gold- und Silberhändlern.

Türkei: Ein spektakulärer Schmuckraub im Großen Basar von Istanbul konnte aufgeklärt werden.

Als Ibrahim Ali Esen Ende Februar seinen Laden im Großen Basar von Istanbul aufsperrten, stockte ihm der Atem. Gold und Edelsteine im Wert von 2,5 Millionen Euro waren weg, obwohl die Eingangstür wie immer verriegelt war. Seine Sicherheitskameras halfen der Polizei auch nicht weiter, sie waren Attrappen.

Die Polizei bildete daraufhin eine zwölfköpfige Sondereinheit, die sich in den Tagen und Wochen nach dem Diebstahl durch rund 3000 Stunden Videoaufnahmen anderer Kameras im Basar kämpfte und so eines der spektakulärsten Verbrechen in der 500-jährigen Geschichte des Basars aufklären konnte.

Ibrahim Ali Esen hatte die Hoffnung schon aufgegeben, als den Beamten zwei Männer mit Rucksäcken auffielen. Am Abend vor der Tatnacht waren zwei Männer im Laden eines Silberhändler in rund 250 Meter Entfernung von Esens Geschäft verschwunden. Da waren die Rucksäcke leer. Zwei Stunden später kamen die beiden mit prall gefüllten Rucksäcken aus dem Geschäft.

Diskrete Nachfragen ergaben, dass die Männer Brüder sind, die als Elektriker bei vielen Händlern gearbeitet hatten, auch bei Ali Esen. Die Polizei befragte auch eine Frau, die zum Tatzeitpunkt einen Sicherheitsbeamten in der Nähe des Silberladens in ein Gespräch verwickelt hatte: Sie ist die Freundin eines der Brüder.

Beute im Kohlenkeller

Wie sich bald herausstellte, hatten die Brüder bei früheren Reparaturarbeiten im Basar ein hydraulisches Schneidegerät und ein mit Knoten versehenes Seil unter dem Dach des Basargebäudes versteckt. Sie kletterten aus dem Silberladen aufs Dach des Basars, liefen von dort zur Stelle über Esens Geschäft und öffneten mit dem Schneidegerät ein Gitter über einem Entlüftungsschacht. Einer der Brüder seilte sich sieben bis acht Meter ab und brachte den Schmuck und das Gold nach oben. Der Schatz wurde im Kohlenkeller einer Nachbarin versteckt und sollte erst nach ein paar Monaten verkauft werden.

So konnte die Polizei fast die gesamte Beute sicherstellen. Nur ein paar Ringe fehlen, die einer der Täter seiner Freundin geschenkt hatte: Nach ihrer ersten Polizeibefragung bekam die Frau aber Angst und warf den Schmuck in den Müll.

Ibrahim Ali Esen ist jetzt überglücklich. Weh tut ihm nur, dass er den Vater der Täter seit mehr als 30 Jahren gut kennt.

(kurier / HANS JUNGBLUTH ISTANBUL ) Erstellt am
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