Schmied: Kein Lehrermangel, nur "Engpässe"
Alleine in Wien stieg zum neuen Schuljahr die Zahl der sogenannten "Sondervertragslehrer" - also in der Endphase der Ausbildung befindliche Studenten die bereits unterrichten - von 184 (2010) auf über 350 an. (Der KURIER berichtete)
Berichte der Lehrergewerkschaft über einen Lehrermangel weist Unterrichtsministerin
Claudia Schmied aber dezidiert zurück. "Das stimmt so nicht", sagte Schmied vor dem Ministerrat. "Es gibt in einzelnen Bereichen Engpässe", räumte sie ein, und zwar in Wien und Vorarlberg. Jeder einzelne Fall werde aber gelöst - etwa mit Quereinsteigern, Mehrleistungen oder Ähnlichem.
Dass so auch Studierende vor Abschluss ihrer Ausbildung als Lehrer eingesetzt werden, hält die Ressortchefin für kein Armutszeugnis. "Das weise ich dezidiert zurück", betonte Schmied, bei den Betreffenden handle es sich schließlich um "hoch qualifizierte" Leute, die kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung stünden. Die Zahl der Absolventen zeige für sie generell eine steigende Attraktivität der Pädagogischen Hochschulen (PH).
"Gezielte Motivation"
Neben den unter Sonderdienstverträgen laufenden Sofortmaßnahmen, soll außerdem die Kooperation zwischen BHS und AHS ausgebaut und Lehrer durch "gezielte Motivation" dazu gebracht werden, Karenzierungen und Sabbaticals zu verschieben.
Das Ministerium verwies dabei bereits am Freitag darauf, dass zu Schulbeginn unvorhergesehen Personalausfälle etwa durch Austritt, Krankenstand oder Schwangerschaft vorkommen können und bat Schüler und Eltern in der Aussendung um Verständnis. Für solche kurzfristigen
Engpässe könne laut Landesschulräten durch vorhandene Notfallpläne jedoch "binnen weniger Tage eine Lösung gefunden werden".
Die Gewerkschaft hatte indes daran gezweifelt, dass sich das Ministerium bereits im Vorfeld Gedanken zu "dramatisch steigenden Pensionierungsraten" und damit verbunden, zur Frage wie es "genug junge Leute für den Lehrerberuf motivieren" könne, machen würde.
Vorarlberg garantiert Vollbesetzung
Aus Vorarlberg hieß es indessen, dass zwar in der Tat ein Lehrerengpass herrsche, die Vollbesetzung aber gewährleistet sei. Es seien dazu allerdings Mehrdienstleistungen notwendig, auch werde das Thema Karenzierung restriktiv gehandhabt, sagte Schullandesrat Siegi Stemer (ÖVP).
Im Vorarlberger Pflichtschulbereich werden im Schuljahr 2012/13 rund 4200 Lehrpersonen tätig sein, darunter 63 Absolventen der Pädagogischen Akademie als Junglehrer. Weitere 39 Pädagogen kommen aus anderen Bundesländern oder Nationen, um in Vorarlberg zu unterrichten. An den Bundesschulen werden 1.829 Lehrer beschäftigt, 83 davon sind neue Lehrkräfte. Einen Mangel an Lehrpersonen gibt es nach wie vor in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie sowie in technischen Fächern.
Die Gesamtzahl der Schüler liegt 2012/13 mit 47.487 Heranwachsenden um 405 unter jener des abgelaufenen Schuljahrs. Bereits 2011/12 war die Schülerzahl um 457 Kinder und Jugendliche gesunken.
Spitzelsystem in NÖ
Ein anderer Krisenherd könnte sich für Ministerin Schmied in Niederösterreich auftun. Ein "politisches Spitzelsystem an Bundesschulen in Niederösterreich" verortet etwa Grünen-Bildungssprecher Harald Walser.
Als Beleg dafür legte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz ein E-Mail aus dem Jahr 2006 vor, in dem eine Landesschulinspektorin mehrere Schuldirektoren aufgefordert haben soll, eine "interne (politische) Informationskette" zu ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll einzurichten.
Der amtsführende Präsident des Landesschulrats von Niederösterreich, Hermann Helm, kündigte indes an den Vorwürfen nachzugehen: Er lasse erheben, ob besagtes Email vom Server des Landesschulrats verschickt wurde. "Falls ja, werde ich unverzüglich die Disziplinarkommission im Unterrichtsministerium einschalten", so Helm.
Dabei handelt es sich laut Walser jedoch nicht um einen Einzelfall: "Es ist klar, dass es sich hier um ein System handelt." Der Grünen-Bildungssprecher will die Landesschulinspektorin nun wegen Amtsmissbrauch bei der Staatsanwaltschaft anzeigen und Schmied zum Handeln auffordern - das System müsse durchleuchtet werden.
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