Reformideen für Österreich: Kommt "Neue Schule"?
Wie sieht Österreichs Wirtschaftspolitik 2025 aus? Rund 300 Spitzenmanager und hochrangige Experten haben auf Anregung von ÖVP-Chef Michael Spindelegger in den vergangenen fünf Monaten ihre Visionen für das Land zusammengetragen, am Montag wurde das Ergebnis präsentiert. "Mir gefällt vieles, manches gar nicht", sagte Spindelegger nach der Überreichung der Reformpapiere durch Vertreter der elf Arbeitsgruppen. Er möchte nun eine politische Diskussion starten.
Mit Spannung erwartet wurde das Kapitel Bildung: Noch im Frühsommer hieß es, die Experten würden der ÖVP eine Gesamtschule und die Ganztagsschule ans Herz legen. Nun liest sich die Vision für 2025 etwas anders: "Ganz neue Formen der Schule bieten über den Tagesverlauf ausreichend Zeit, sich den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Schüler widmen zu können."
Gerhard Krassnig vom Berater Spencer Stuart und Leiter der Gruppe Bildung legt Wert darauf, dass man nicht die Bildungskonzepte von ÖVP und SPÖ gegeneinander ausspielen wollte: "Ob das nun verpflichtend oder freiwillig stattfinden soll, war nicht unser Thema."
Man könne aber vor allem in den Städten nicht ignorieren, dass beide Elternteile immer öfter berufstätig seien: "Sechs Stunden Frontalunterricht und dann die Kinder entlassen, kann nicht mehr die richtige Form der Schule sein." Vielmehr gehe es um eine abwechslungsreiche Tagesgestaltung für die Schüler, wo sich Unterricht mit Fächern wie Turnen oder Schauspiel abwechsle. Nur eine Beaufsichtigung der Kinder am Nachmittag sei zu wenig.
Die Experten nennen das Modell "Neue Schule" und wollen es angereichert sehen um eine möglichst große Autonomie für die Schulen. Krassnig: "Die Schule soll finanziell unabhängig sein, der Direktor von einem Gremium bestellt werden." Die Arbeitszeit der Lehrer soll an jene von Angestellten angepasst werden.
Steuern senken
Auch in anderen Bereichen sprechen sich die Manager für tief greifende Reformen aus: "Wir brauchen einen einheitlichen Tarif für Einkommenssteuer und Sozialversicherung", erklärte Projektsprecher Deloitte-Chef Bernhard Gröhs. Steuerbegünstigungen sollen gestrichen werden, dafür die Abgabenquote unter 40 Prozent gedrückt werden. In der Wirtschaftspolitik soll die Forschung auf bestimmte Bereiche fokussiert werden, öffentliche Unternehmen sollen privatisiert werden. Über den Konjunkturzyklus soll das Budget ausgeglichen sein, die Bürger sollen in der Politik mehr mitreden können: Eine Stärkung des Persönlichkeitswahlrechts soll mehr direkt gewählte Mandatare ins Parlament bringen. Den letzten Punkt will Spindelegger "noch vor der Wahl" angehen. "Das Bildungskapitel ist aber eher ein langfristiges Unterfangen."
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Stichwort: Unternehmen Österreich 2025
ÖVP-Initiative "Ich habe die Unternehmer gebeten, ihre Vorschläge für Österreich auf den Tisch zu legen", sagt ÖVP-Chef Michael Spindelegger. Rund 300 sind seinem Aufruf gefolgt. Spindelegger sieht die Initiative übrigens als "parteiübergreifend".
Themen Elf Expertengruppen diskutierten seit Mai Themen wie Standort Österreich, Bildung und Lernen, Arbeitswelten oder Innovation.
Mitglieder Zahlreiche prominente Unternehmer haben sich an der Initiative beteiligt. Unter anderen: Attila Dogudan ( Do & Co), Wolfgang Eder ( voestalpine), Erwin Hameseder ( Raiffeisen), Frank Hensel ( Rewe), Monika Kircher-Kohl ( Infineon) und Hannes Androsch (Salinen).
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