© Jürg Christandl

Politik
05/04/2012

Rechtsstreit: Scheidung. Heirat. Frühpension?

Ein Theologieprofessor darf nach einer zweiten Heirat nicht mehr lehren. Er fordert seitdem seine Frühpensionierung.

Die Lebensführung der Theologieprofessoren muss mit der Lehre der katholischen Kirche übereinstimmen", erklärt Nikolaus Haselsteiner von der Erzdiözese Wien. Was passiert, wenn diese Lebensführung nicht in das Konzept der katholischen Kirche passt, erfuhr Professor F.: Nach einer Scheidung und anschließender Wiederverheiratung wurde dem heute 52-Jährigen von Kardinal Christoph Schönborn 2008 die Lehrtätigkeit entzogen. Nach Ansicht der Universität setzte F. diesen Schritt aber ganz bewusst – um in Frühpension gehen zu können.

"Professor F. kam damals zu mir und erklärte, dass er geschieden und wiederverheiratet wäre. Dann bat er mich, die entsprechenden rechtlichen Schritte einzuleiten", sagt der Dekan der Theologisch-Katholischen Fakultät, Martin Jäggle. Über die Tragweite dieser Schritte dürfte sich der Professor mit Spezialgebiet Prozesstheologie durchaus bewusst gewesen sein: "Es war ihm klar, dass ich mich an Kardinal Schönborn wenden musste und er von der Lehrtätigkeit abberufen würde", so Jäggle.

Notwendig wäre diese Abberufung laut dem Dekan aber nicht gewesen: "Professor F. hätte auch versuchen können, seine erste Ehe annullieren zu lassen. Immerhin wird das in einem Drittel der Verfahren positiv erledigt. Dann hätte er auch weiter lehren können – nur seinen Anspruch auf Frühpension hätte er dann verloren", sagt Dekan Jäggle.

Konkordat

Doch genau das wollte Professor F. nach Ansicht der Universität Wien eben nicht. So leitete F. unmittelbar nach dem Schreiben von Kardinal Schönborn seinerseits rechtliche Schritte ein: Mit Berufung auf das Konkordat von 1933 wollte der Professor seine Frühpensionierung erzwingen. Denn laut dem – immer noch gültigen – Konkordat darf ein Professor, der nicht mehr lehren darf, in den Ruhestand gehen.

Nach einem längeren Rechtsstreit entschied vor wenigen Tagen der Verwaltungsgerichtshof über den Fall – und wies die Beschwerde des Professors als unbegründet zurück. Wegen eines formalen Fehlers der Universität – sie hätte den Professor per Bescheid von der Lehrtätigkeit abberufen müssen – sind weder das Lehrverbot noch der Anspruch auf die Frühpension gültig.

Für den Professor und die Universität heißt es damit zurück zum Start. "Die weitere Vorgehensweise der Universität hängt von Professor F. ab. Wenn er einen Bescheid urgiert, wird man diesen ausstellen müssen". sagt Jäggle.

F. war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er lehrt seit 2009 an einer Universität im Ausland. Von der Uni Wien wurde er dafür freigestellt – ohne Bezüge, wie Jäggle versichert. Ob F. weiter um die Frühpension kämpfen wird, kann auch sein Anwalt noch nicht sagen.

Der Bischof darf die Missio entziehen

Die Lehrtätigkeit von Hochschulprofessoren an der Katholisch-Theologischen Fakultät sowie der Religionslehrer an Schulen unterliegt dem Sendungsauftrag durch den Bischof. Diese Sendung wird als Missio bezeichnet. Sie kann jederzeit vom Bischof zurückgezogen werden.

In der Praxis kommt die Abberufung, also der Entzug der Missio, gerade bei Hochschulprofessoren aber nur sehr selten vor. Der letzte bekannte Fall stammt aus den 70er-Jahren, als ein Theologieprofessor, der aus der Kirche ausgetreten war, dauerhaft in den Ruhestand versetzt wurde. Seine Berufung blieb ohne Erfolg.

Eine Scheidung stellt noch keinen Verstoß gegen die Lebensweise gemäß der katholischen Lehre dar, da diese unverschuldet sein kann. Eine Wiederverheiratung widerspricht der Lehre aber in jedem Fall.

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