Razzien in Frankreichs Islamisten-Milieu

Die Einsätze fanden in Nantes, Le Mans, im Großraum Paris und in Toulouse statt, wo Attentäter Mohamed Merah am Donnerstag beigesetzt worden war.

Insgesamt sieben tote Menschen - das ist die traurige Bilanz des Attentäters von Toulouse. Der mutmaßliche Täter: Mohamed Merah. Nach erbittertem Widerstand wurde der 23-Jährige von einem Scharfschützen mit einem Kopfschuss getötet worden. Neben einem umfangreichen Waffenlager... ...fanden die Ermittler bei der Erstürmung der Wohnung auch die Kamera von Merah , mit der er die sieben Morde gefilmt hatte. Merah verschanzte sich seit Mittwochmorgen in einem Haus in Toulouse. Am Donnerstag stürmten schließlich Beamte seinen Unterschlupf. Der Franzose algerischer Abstammung soll mehrmals nach Pakistan und Afghanistan gereist sein. Unterdessen sitzt der Schock über seine Taten noch tief. Noch am Montagabendend wurden vor der Ozar Hatorah Schule, wo Merah vier Menschen erschoss, ein Schrein zum Gedenken an die Opfer desselben Tages errichtet. In Paris haben sich die Menschen zu einem Trauermarsch getroffen, auch in anderen französischen Städten - wie hier in Nizza - wurden Gedenkfeiern veranstaltet. Direkt vor der Schule versammelten sich im Laufe des Abends und des Tages danach immer mehr Menschen... ... sie leisteten den Betroffenen Beistand. Schweigeminuten wurden vor den Schulmauern abgehalten. Nach dem Attentat, ordnete das Innenministerium ordnete eine verschärfte Überwachung jüdischer Einrichtungen in Frankreich an. Wenige Stunden nach dem blutigen Anschlag traf Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Tatort ein. Dort sprach er von einer "nationalen Tragödie". Die Gewalttaten bringen das Thema Sicherheit im laufenden Präsidentschaftswahlkampf höher auf die Tagesordnung. Auch Sarkozys sozialistischer Herausforderer Francois Hollande ist bald nach dem Präsidenten in Toulouse eingetroffen. Der mutmaßliche Täter, der am das Feuer vor der Ozar-Hatorah-Schule im Bezirk La Roseraie eröffnete, ging offenbar ähnlich vor wie bei den tödlichen Schüssen auf französische Soldaten vergangene Woche in derselben Region. Er fuhr laut Augenzeugen einen Motorroller, schoss am helllichten Tag seine Opfer nieder und benutzte laut Polizei auch eine Waffe vom Kaliber 11,43 Millimeter. Insgesamt trug er zwei Waffen bei sich. Auch der Anführer der islamistischen Gruppe Forsane Alizza soll festgenommen worden sein.

Bei Razzien gegen mutmaßliche Islamisten in Frankreich wurden Freitagfrüh 19 Verdächtige festgenommen. Ermittlern zufolge wurde auch der Anführer der Gruppe Forsane Alizza, Mohamed Achamlane, verhaftet. Drei Kalaschnikows, eine Pistole und eine Granate seien bei ihm sichergestellt worden. Die Gruppe war im Jänner verboten worden. Nach Erkenntnissen der Regierung bildet sie ihre Anhänger zum bewaffneten Kampf aus und strebt die Herrschaft des Islams in Frankreich an.

Die Polizei war vor allem in Toulouse, Nantes, Le Mans und im Großraum Paris im Einsatz. Präsident Nicolas Sarkozy kündigte die Fortsetzung solcher Aktionen an. Die Anschläge von Toulouse seien ein "Trauma", das "ein wenig" dem Trauma nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington entspreche, sagte Sarkozy.

Merah beigesetzt

Mohamed Merah Foto: Reuters Merahs Beisetzung am Stadtrand von Toulouse.

Mohamed Merah, der bei drei Attentaten in Toulouse und Montauban sieben Menschen erschossen hatte, wurde Donnerstagabend auf dem muslimischen Teil des Friedhofs von Cornebarrieu am Stadtrand von Toulouse beerdigt. Merah wurde vor einer Woche von Elitepolizisten in seiner Wohnung erschossen.

Die Stadtverwaltung hatte zuvor vergeblich versucht, die Bestattung in Toulouse zu verhindern. Algerien hatte eine Beisetzung des Attentäters auf algerischem Boden, wie sie von der Familie gewünscht wurde, aus Sicherheitsgründen aber abgelehnt. Da Merah französischer Staatsbürger war, bestand ein Anspruch auf seine Beisetzung in Frankreich. Der 23-Jährige hatte sich als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida bezeichnet.

(apa, dpa / aho) Erstellt am
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