Politik
13.12.2011

Prominente gegen Diffamierung

Einen konstruktiven Beitrag will eine Gruppe leisten, die eine öffentliche Erklärung verfasst hat.

Die Unterzeichner sind Johann Figl, Vorstand des Instituts für Religionswissenschaft, Universität Wien. Christian Haidinger, Abt des Stiftes Altenburg und Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation. Heinz Nußbaumer, Herausgeber „Die Furche“. Alois Diem, Jurist, Altlengbach. Martin Jäggle, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universität Wien. Johann Hisch, Geschäftsführer des Vereins der Freunde der PILGRIM-Schule, Wien. Ernst Fürlinger, Zentrum Religion und Globalisierung, Donau-Universität Krems. Hier die Erklärung:

Als Christen - katholische Theologen wie Nichttheologen - verfolgen wir die Diskussionen rund um das geplante Projekt der Errichtung eines Friedensstupa samt buddhistischem Zentrum in Gföhl (Niederösterreich) mit Interesse, aber auch mit Besorgnis. Sosehr es legitim ist, zum konkreten Vorhaben unterschiedliche Meinungen zu vertreten, sowenig kann es angehen, eine Ablehnung mit einer unsachlichen Diffamierung des Buddhismus zu verbinden. Wenn praktizierende Katholiken den Buddhismus als Sekte hinstellen oder bezogen auf das geplante Bauwerk von einem “Götzentempel” sprechen, wird damit eine Grenze überschritten.

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die römisch-katholische Kirche eine prinzipielle Wende in der Haltung zu den anderen Religionen vorgenommen: von einer fundamentalen Ablehnung und Abwertung der nichtchristlichen Religionen hin zu einer Haltung der Wertschätzung, des Respekts und des Dialogs gegenüber den großen Religionen der Welt, einschließlich des Buddhismus. Diese neue Haltung wurde von der katholischen Kirche im Konzilsdokument Nostra Aetate mit lehramtlicher Autorität festgelegt. Die Kirche hat diese Wende nach dem Konzil mit Leben gefüllt und weitergeführt – in vielen offiziellen Begegnungen mit Vertretern des Buddhismus auf allen Ebenen, in jüngster Zeit mit dem Friedenstreffen in Assisi (27. Oktober 2011), zu dem Papst Benedikt XVI. einlud und an dem auch Buddhisten teilnahmen.

Einen buddhistischen Sakralbau als “Götzentempel” zu bezeichnen, erinnert an Zeiten, in denen man die Gotteshäuser anderer Religionen auf feindselige Weise diffamierte. Eine solche Rede- und Denkweise kennt man aus jenen kirchlichen Kreisen, die das Konzil und u.a. das Dokument Nostra Aetate nicht anerkennen und sich deshalb von der katholischen Kirche abgespalten haben. Sie steht im Gegensatz zur offiziellen Position der katholischen Kirche.

Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen in der säkularen, multireligiösen Gesellschaft erfordert ein großes Maß an gegenseitigem Respekt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich die katholische Kirche auf diese Haltung des Dialoges und auf die Anerkennung der Religionsfreiheit, auf Basis der menschlichen Würde, verpflichtet. Dieser Geist des echten Dialogs, der Verständigung und des aufrichtigen Respekts vor dem religiös Anderen sollte auch im Umgang mit dem konkreten Vorhaben in Gföhl bestimmend sein.

Krems, 12. Dezember 2011

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