Perugia: Hoffnungsschim­mer für Knox

Die vermeintlich wichtigsten Beweise im Berufungsverfahren um den Mord an einer britischen Studentin wurden in Zweifel gezogen.

Die 2009 in Perugia wegen Mordes verurteilte Amerikanerin Amanda Knox  hat wieder einen Grund zum Lächeln. Ein neues gerichtsmedizinisches Gutachten der Staatsanwaltschaft wurde abgelehnt. Die vorliegenden Spuren und Beweise würden dem Gericht genügen, um sich ein Urteil zu bilden, hieß es in der Begründung. Auch der Ex-Freund der Amerikanerin, Raffaele Sollecito, ist in die Sache involviert. Am Montag dem 3. Oktober 2011 tagt das Berufungsgericht. Aufgrund ... ... offenbar verunreinigter DNA-Proben könnte die US-Amerikanerin, wie auch ihr Ex-Freund, freigesprochen werden. Seit August hat das Gericht über die Zuverlässigkeit des Gutachtens beraten. Das Urteil von 2009 könnte noch gekippt werden. Auf Antrag der Verteidigung hatten Experten die 2007 genommenen Proben, unter anderem von der Mordwaffe und einem Büstenhalter, neu genommen und untersucht. Laut den Rechtsmedizinern seien bei der ursprünglichen Probennahme am Tatort internationale Standards für die Spurensicherung nicht befolgt worden, das berichtete die britische Zeitung Guardian bereits im Juni. Knox´ Berufungsprozess wurde bislang von einigen Wendungen gekennzeichnet. Zuletzt hatte ein Zeuge die Studentin und ihren italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito schwer belastet. Der Ivorer Rudy Guede sagte im Berufungsprozess aus, die beiden hätten die britische Studentin umgebracht. Davor hatten zwei andere Zeuge das Gegenteil ausgesagt. Guede war schon vor dem Pärchen in einem Schnellverfahren 2008 für die Tat zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Alle drei beteuerten immer ihre Unschuld. Knox zeigte sich im Berufungsprozess über Guedes Aussage schockiert: "Er weiß, dass wir es nicht waren." Guede widersprach mit seiner Aussage einem Entlastungszeugen der Amerikanerin, dem Kindermörder Mario Alessi. Alessi und ein weiterer Zeuge hatten das frühere Paar im Berufungsprozess entlastet. Die 23-jährige Knox und Sollecito hätten mit dem Mord an Kercher nichts zu tun, sagten damals die beiden Kriminellen Mario Alessi und Luciano Aviello vor dem Berufungsgericht aus. Die Versionen widersprachen einander allerdings.

Ein Freund des ebenfalls wegen des Mordes verurteilten Guede habe Kercher getötet, sagte der wegen Mordes an einem Kind verurteilte Alessi. Dies habe Guede ihm im Gefängnis erzählt. Guede habe aber niemals mit Alessi darüber gesprochen, sagte Guede in seiner Aussage. Aviello, ein Boss der neapolitanischen Mafia Camorra, sagte wiederum letzte Woche aus, sein Bruder habe Kercher bei dem Versuch, ein Gemälde zu stehlen, getötet. Mehrere Regierungspolitiker haben zudem schwere Vorwürfe gegen das zuständige Gericht erhoben. Die Amerikanerin sei demnach im Prozess unfair behandelt worden, das berichtete die Online-Ausgabe der britischen Zeitung Daily Mail. In einem Brief forderten die Politiker Italiens Präsidenten Giorgio Napolitano auf, das laufende Gerichtsverfahren zu überprüfen. Das 21-jährige Mordopfer, die Britin Meredith Kercher, war Anfang November 2007 mit durchgeschnittener Kehle, vergewaltigt und halbnackt sowie von 40 Messerstichen übersät in einem Haus in Perugia, das sie gemeinsam mit Knox und zwei Italienerinnen bewohnte, aufgefunden worden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde sie ermordet, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen.

Im Bild: Knox nach der Urteilsverkündung im Dezember 2009
(apa, epa, ap, KURIER.at / mn, dk) Erstellt am
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