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Politik
05/06/2012

Paris: Viel Bürgerpflicht, wenig Leidenschaft

Von Wahlmüdigkeit war bei den Franzosen wenig zu spüren. Vor manchen Wahllokalen bildeten sich sogar Schlangen.

Wahlmüdigkeit nein, Begeisterung aber auch nicht: Die so wichtige Präsidentenwahl an diesem Sonntag war für manch einen Franzosen eher Pflicht als Leidenschaft. Dazu passte zumindest in Paris der wolkenverhangene Himmel.

"Für mich unterscheiden sich die beiden Stichwahlkandidaten nicht stark. Ich habe nicht mit großer Überzeugung gewählt, sondern aus Bürgerpflicht heraus", sagt die 32-jährige Jeanne S. Sie schiebt ihren Kinderwagen vorbei an der langen Warteschlange vor einem Wahlbüro im Pariser Norden. Ob sie für den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy oder für den Umfragefavoriten und Sozialisten François Hollande gestimmt hat? "In Frankreich fragt man so etwas nicht", sagt sie bestimmt. Der erste Wahlgang war für sie eine "Wahl des Herzens", jetzt hat ihr Kopf sich für den "etwas besseren" Kandidaten entschieden.

Eine 29-Jährige blonde Friseurin ist offener. Sie hat sich trotz einer langen Partynacht zum Wahlbüro in der Nähe des Canal St. Martin, im Nordosten von Paris aufgemacht und ihre Stimme Nicolas Sarkozy gegeben. "Nicht zu wählen bringt uns auch nicht weiter", meint sie schulterzuckend. Vollkommen überzeugt sei sie aber von keinem der Kandidaten gewesen. Ihrer Meinung nach wählen viele nicht für, sondern gegen einen Kandidaten.

"Sarkozy hat republikanische Werte verraten"

Als überzeugte Hollande-Wählerin gehört die 66-jährige Marie Le Grand nicht dazu. "Er vertritt für mich die republikanischen Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Sarkozy hat sie in den letzten fünf Jahren verraten und das französische Volk gespalten", sagt die ehemalige Geschichtslehrerin.

Im bürgerlichen 16. Arrondissement im Westen Paris` geht es etwas ruhiger zu. Hier hat auch Sarkozy in Begleitung seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy seine Stimme abgegeben. Im ersten Wahlgang lag er in diesem Viertel mit 64 Prozent weit vor seinem Herausforderer Hollande. Manche Wähler haben den Amtsinhaber aber nun schon aufgegeben. "Ich denke, Nicolas Sarkozy würde das Land aus der Krise herausführen, aber François Hollande wird die Wahl gewinnen", prophezeit die 32-jährige Elodie Abiker resigniert.

Im nord-östlichen 20. Pariser Arrondissement, einer Wohngegend mit vielen Familien und Rentnern, hält sich die Begeisterung für die Wahl ebenfalls in Grenzen. Aries, eine 42-jährige Schönheitstherapeutin, geht es vor allem um die Persönlichkeit der Kandidaten. "Hollande hat kein Charisma. Er gibt keine gute Figur auf dem internationalen Parkett ab. Ich möchte jemand Starken, der auch mal auf den Tisch haut." Philippe, ein 58-jähriger Computeringenieur sagt, er habe Hollande "aus Ablehnung für Sarkozy" und Unterstützung der Sozialisten gewählt.

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