ORF gerät zwischen Fronten
Zwischen die Wahlkampffronten von SPÖ und ÖVP gerät unterdessen der ORF. Während die SPÖ in den vergangenen Wochen dem Vernehmen nach vor allem hinter den ORF-Kulissen massiv Druck in Richtung genehmerer Berichterstattung gemacht haben soll, meldete sich die ÖVP Mittwochabend mit offener Kritik am öffentlich-rechtlichen Sender zu Wort.
Wie es aus informellen ORF-Quellen heißt, herrscht in der SPÖ vor allem seit dem ORF-Sommergespräch, bei dem Moderator Armin Wolf Faymann mit Fragen zur Inseratenpraxis aus der Reserve gelockt hatte, großer Unmut. Besonders der Umstand, dass der ORF als einziges großes Massenmedium in seinen Informationssendungen umfassend und kritisch über die Inseratenaffäre sowie die Vorwürfe gegen Faymann berichtet hat, soll für nachhaltige Verärgerung bei der SPÖ gesorgt haben, ist vom Küniglberg zu hören.
Mittwochabend kam dann auch Kritik vom Koalitionspartner ÖVP. ÖVP-Generalsekretär Johannes Rauch zeigte sich über einen Mittwochabend gesendeten Zeit im Bild-Bericht über ein ÖBB-Inserat in einer Festschrift zum 60. Geburtstag des damaligen ÖVP-Chefs und Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel empört. Dass in dem Beitrag der Hinweis, dass die ÖBB auch in einer Festschrift der SPÖ inseriert hatte, "mit keinem Wort erwähnt" worden sei, sei eine "journalistische Pleiteerklärung der Führungsmannschaft am Küniglberg", wetterte Rauch. In der ZiB 2 fand das ÖBB-Inserat in der SPÖ-Festschrift übrigens Erwähnung. Die ÖVP denkt nun an Konsequenzen in der Zusammenarbeit mit dem ORF. "Wir werden uns überlegen, wie es mit dem ORF weitergeht", so Rauch. Man müsse "bewerten, wie man in Zukunft den ORF unterstützt". Bisher sei die ÖVP "immer auf der Seite des ORF gestanden, aber so kann eine Zusammenarbeit nicht sein". Wenn man eine faire Zusammenarbeit wolle, sei eine objektive Berichterstattung geboten.
Kommentare