Politik 25.12.2011

OGM-KURIER-Umfrage: Mehrheit für Akademikersteuer

52 Prozent wollen, dass gut verdienende Uni-Absolventen eine Sondersteuer zahlen. Nur bei SPÖ-Wählern gibt es keine Mehrheit.

Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andere an!“ Das berühmte Floriani-Prinzip: Wenn es schon sein muss, dann aber bitte beim Nachbarn. Das Modell hat etliche Fans in Österreich: Eine OGM-KURIER-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Befragten gerne Akademiker „nachträglich“ besteuern würde: nach der Uni; und nur, wenn sie mehr als 4000 Euro brutto im Monat verdienen. Das Modell wird in der Regierung diskutiert, um die Pattstellung bei den Studiengebühren – SPÖ dagegen, ÖVP dafür – aufzubrechen.

52 Prozent sind dafür, dass gut verdienende Akademiker 20 Euro pro Monat zahlen. „Österreich hat eine eher niedrige Akademikerrate“, sagt OGM-Expertin Karin Cvrtila. Das drücke sich im Ergebnis nach dem Floriani-Prinzip aus: „Die Steuer trifft nicht ,mich‘ – sondern ein paar andere. Durch die Einkommensgrenze ist der Kreis der Betroffenen noch kleiner.“ Für diese Lesart spricht auch, dass Junge überproportional stark dafür sind.

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© Bild: KURIER/OGM

58 Prozent der unter 30-Jährigen würden der Akademikersteuer zustimmen: „Nicht alle studieren, und 4000-Euro-Gehälter sind für die meisten sowieso unerreichbar.“ Ins Auge stechen die Antworten der SPÖ-Anhänger: Sie sind die einzige Teilgruppe in der Befragung, in der die Akademikersteuer keine Mehrheit bekäme. Mit je 36 Prozent liegen Gegner und Befürworter gleichauf.

Cvrtila: „Das liegt daran, dass Ältere in der SPÖ-Wählerschaft überrepräsentiert sind. Und das ist die Gruppe, die oft mehr verdient.“ Aber auch die strikte Ablehnung der Studiengebühren spiele eine Rolle, sagt Cvrtila: „Die ist in der SPÖ stärker als in anderen Fraktionen.“ Damit lasse sich auch der hohe Anteil der Unentschlossenen erklären: 28 Prozent der SPÖ-Wähler wollten sich nicht deklarieren – mehr als in anderen Fraktionen. Cvrtila dazu: „Die wissen offenbar noch nicht, was sie von der Steuer halten sollen: Ist sie eine Art Studiengebühr oder nicht?“

Comeback

Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis die Studiengebühren-Frage wieder hochkommt.“ Karin Cvrtila OGM-Expertin
© Bild: Kurier

Die Debatte über eine solche Steuer ist nicht zuletzt ein Versuch der Regierungsparteien, aus ihrer Pattstellung so herauszukommen, dass beide ihr Gesicht wahren können. „Aber das wird sich wohl nicht ausgehen“, sagt Cvrtila. „Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis die Studiengebühren-Frage wieder hochkommt.

( Kurier ) Erstellt am 25.12.2011