Nordkorea beginnt mit Raketentest

Pjöngjang hat trotz internationaler Kritik zwei Kurzstreckenraketen abgeschossen, berichten südkoreanische Zeitungen.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat seinem verstorbenen Opa Kim Il Sung zum 100. Geburtstag ein besonderes Geschenk gemacht... ... sein Präsent: Er will per Rakete einen Satelliten ins All schicken, um an den ehemaligen Führer zu erinnern. Und das, obwohl erst kürzlich ein Atom- und Raketenteststop verkündet worden ist.


Damit setzt der nordkoreanische Diktator das Säbelrasseln seines Vaters fort: Kommt es zu dem Start der Rakete mit dem Beobachtungssatelliten, wäre dies eine Verletzung jener UN-Resolution, die nach einem nordkoreanischen Raketenstart 2009 gefasst worden war. Damals hatte man ebenso behauptet, einen Satelliten ins All befördern zu wollen - andere Staaten glaubten jedoch eher an Langstrecken-Raketentests und an den Aufbau eines Atomwaffen-Testprogramms. Die Anküdigung Kim Jong Uns kommt zu einem delikaten Zeitpunkt: Erst Ende Februar hatte Nordkorea im Streit um sein Atomprogramm eingelenkt und ein Atommoratorium erklärt. Die südkoreanischen Nachbarn reagieren erbost: Proteste der Bevölkerung sind die Folge... ... beinahe täglich kommt es zu Aufmärschen in der Hauptstadt Seoul. Vor allem vor der chinesischen Botschaft wird demonstriert - China wird vorgeworfen, Nordkorea unter die Arme zu greifen. Weiter nördlich merkt man davon kaum etwas: Kim Jong Un, der erst 28-jährige Führer Nordkoreas, inszeniert sich gerne als Volksheld und Wohltäter. Genauso wie sein im Vorjahr verstorbener Vater Kim Jong Il - wegen seines Todes hätten sogar beeindruckende Naturereignisse stattgefunden, berichteten Staatsmedien - hält er viel von militärischer Machtdemonstration. Speziell die Mediendarstellung Kim Jong Uns ähnelt seinen Vorgängern. In einem TV-Beitrag zu seinem Geburtstag wurde er als "militärisches Genie" bezeichnet, das bereits mit 16 Jahren Abhandlungen über Militärstrategien verfasst habe. Er habe seit seiner Jugend selten gegessen und wenig geschlafen, um zu lernen, sagt man. Im Januar 2010 erklärte die Regierung den Geburtstag von Kim Jong-un sogar zum nationalen Feiertag. Die nordkoreanischen Raketentests sorgen international für Aufruhr

Nordkorea hat Medienberichten zufolge am Donnerstag zwei Kurzstreckenraketen getestet. Die beiden südkoreanischen Zeitungen Chosun Ilbo und JoongAng Ilbo berichteten am Freitag unter Berufung auf südkoreanische Militärkreise, die Raketen seien von Nordkoreas Westküste aus abgeschossen worden.

Der Start hänge wohl eher damit zusammen, die Leistung der Raketen zu steigern und nicht direkt mit dem geplanten Start einer Langstreckenrakete, wird ein Vertreter des südkoreanischen Militärs zitiert. Die kommunistische Führung in Nordkorea hatte jüngst den Start einer Trägerrakete mit einem Wetter-Satelliten angekündigt und internationale Kritik ausgelöst. Südkorea und die USA sehen in den Plänen einen getarnten Raketentest, der gegen internationale Vereinbarungen verstoßen würde.

Atom-Gespräche

Das abgeschottete Nordkorea hatte Ende Februar erklärt, es werde seine Tests von Langstreckenraketen aussetzen, um die Gespräche über sein umstrittenes Atomprogramm wieder in Gang zu bringen. Eine IAEA-Sprecherin sagte am Donnerstag, die Verhandlungen über einen Besuch der Inspektoren dauerten an. Nordkorea hat bereits mehrere Atomtests ausgeführt und erklärt, an der Anreicherung von Uran zu arbeiten. Außerdem verfolgt das Land schon seit längerem ein Programm zu Herstellung von Plutonium. Eine IAEA-Sprecherin sagte am Donnerstag, die Verhandlungen über einen Besuch der Inspektoren dauerten an.

Zugleich wollte sich Pjöngjang auf diesem Wege für die verarmte Bevölkerung Lebensmittelhilfen aus den USA sichern. Die USA hatten die Lieferung von 240.000 Tonnen Lebensmitteln zugesagt, an das verarmte kommunistische Land liefern, wenn es im Gegenzug seine Atomwaffenpläne aussetze. Darunter waren Speiseöl, Fertignahrung und Trockengemüse. Unklar war, ob sie bereits mit der Lieferung der Hilfsgüter begonnen hatten. Sie waren vorwiegend für Kinder und Frauen bestimmt. Strenge Kontrollen sollten sicherstellen, dass nichts für die Armee abgezweigt würde. In der zweiten Hälfte der 90er Jahren waren bei einer schweren Hungersnot in Nordkorea Hunderttausende Menschen verhungert.

 

Japan fühlt sich provoziert

Vor dem für Mitte April angekündigten Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete mit einem Satelliten hat Japan indes mit einem Abschuss der umstrittenen Rakete gedroht. Er habe die Armee angewiesen, die Rakete zu zerstören, falls von ihr eine Gefahr für Japan ausgehe, sagte Verteidigungsminister Naoki Tanaka am Freitag vor Journalisten in Tokio. Zuvor hatte das Kabinett von Regierungschef Yoshihiko Noda der Anordnung zugestimmt.

(apa) Erstellt am
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