Mubarak-Prozess: Wirbel um Zeugenaussage

Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es Verletzte und etliche Festnahmen.
Foto: Reuters/AMR ABDALLAH DALSH

Dritter Prozesstag gegen Ägyptens Ex-Präsident: Im Gerichtssaal musste die Polizei die Anwälte trennen. Vor dem Gebäude flogen die Steine.

Im Prozess gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak wegen Korruption und Beteiligung an der Tötung von Demonstranten hat eine Zeugenaussage am Montag für Wirbel gesorgt. Der als Zeuge der Staatsanwaltschaft auftretende Polizeigeneral Hussein Said Mursi sagte, der Polizei sei kein Befehl erteilt worden, auf Demonstranten zu schießen, die sich Anfang des Jahres zu Protesten gegen Mubarak auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelt hatten.

Er widersprach damit dem Vorwurf der Staatsanwälte, wonach Mubarak und sein Sicherheitschef der Polizei grünes Licht gaben, um mit tödlicher Gewalt gegen den Aufstand vorzugehen. Bei dem 18 Tage dauernden Aufstand, der im Februar zum Sturz Mubaraks führte, wurden mindestens 850 Menschen getötet. Sollte Mubarak wegen Mordes verurteilt werden, droht ihm die Todesstrafe. Er plädierte auf nicht schuldig.

Die Staatsanwälte zeigten sich sichtlich fassungslos über die Hussein Said Mursis Aussage und warfen ihm vor, sich nicht an seine ursprüngliche Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft gehalten zu haben. Ein Anwalt von Angehörigen getöteter Demonstranten, Mohammed Damati, beschuldigte Mursi, die Wahrheit zu verdrehen.

Faustkämpfe im Gerichtssaal

Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es Verletzte und etliche Festnahmen. Foto: Reuters/AMR ABDALLAH DALSH Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es Verletzte und etliche Festnahmen.

Die Anhörung am Montag dauerte zehn Stunden, unter den Zuhörern waren sowohl Anhänger als Gegner Mubaraks. Der Ex-Präsident war zuvor per Hubschrauber und dann in einem Krankenwagen zur Polizeiakademie in einem Vorort Kairos gebracht worden, wo der Prozess stattfindet. Angehörige getöteter Demonstranten schleuderten Wasserflaschen gegen den Käfig, von dem Mubarak auf einer Trage liegend aus das Geschehen verfolgte. Sie riefen "Mubarak, du Verräter" und "Die Menschen wollen den Entmachteten hinrichten", ehe Wachleute für Ruhe sorgten.

Während der Anhörung hielt ein Mubarak-Anhänger ein Poster des früheren Staatspräsidenten hoch, wodurch es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Anwälten beider Parteien kam, die sich zu regelrechten Faustkämpfen entwickelten. Einer der Anwälte schlug einen anderen mit seinen Schuhen, bevor der Richter zur Beruhigung der Lage eine kurze Unterbrechung der Anhörung anordnete.

Verletzte und Festnahmen

Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es Verletzte und etliche Festnahmen. Foto: Reuters/AMR ABDALLAH DALSH Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es Verletzte und etliche Festnahmen.

Vor der Polizeiakademie in Kairo, wo der Prozess ausgetragen wird, kam es zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen von Demonstranten, denen der Zugang zum Gerichtssaal verwehrt wurde, und Polizisten. Die Familienangehörigen warfen mit Steinen auf die Beamten und versuchten, auf das Gelände zu gelangen. Sie waren verärgert über die Entscheidung der Richter, Live-Übertragungen aus dem Gerichtssaal im Fernsehen zu unterbinden. Bei den Ausschreitungen gab es Dutzende Verletzte und Festnahmen.

Die nächste Anhörung im Prozess soll am Mittwoch stattfinden.

(APA / lef) Erstellt am
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