Politik
11.12.2011

Mormone Romney kämpft gegen Misstrauen

US-Wahlkampf: Der mormonische Glaube von Mitt Romney spaltet die Republikaner. Kann er Präsidentschaftskandidat werden?

Täglich donnernder Applaus eines begeisterten Publikums. Das aktuell wohl erfolgreichste Musical am New Yorker Broadway "The Book of Mormon" – "Das Buch Mormon" – ist monatelang im Voraus restlos ausverkauft. Das ironisch gemeinte Stück rund um eine Schar junger Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat in Amerika schon so etwas wie Kultstatus erreicht.

Auch auf der politischen Bühne stehen die Mormonen derzeit in den USA im Rampenlicht. Schon 2008 war Mitt Romney, früher sogar Bischof dieser Religionsgemeinschaft, nur knapp im republikanischen Vorwahlkampf am späteren Kandidaten Senator John McCain gescheitert. Nach der Tradition der Partei wäre er damit als "runner up" eigentlich der logische Präsidentschaftskandidat für 2012.

 

Mormone vs. Christen

Der Beifall aus den republikanischen Reihen ist jedoch derzeit noch verhalten. In den Umfragen für die Vorwahlen ab Jänner liegt Romney in den vergangenen Monaten immer im Spitzenfeld, kommt aber selten auf Werte jenseits der 25 Prozent. Seit Kurzem ist der von Skandalen geprägte Newt Gingrich, einst Sprecher des Repräsentantenhauses, an vorderster Front. Ist Romneys Glaube schuld daran, dass der skandalfreie Akademiker, ehemalige Gouverneur und erfolgreiche Geschäftsmann es nicht schafft, sich als klarer Spitzenreiter zu etablieren?

Experten bejahen das in Hinblick auf die einflussreiche Basis der republikanischen Partei. Diese besteht zu einem großen Teil aus erzkonservativen Christen, den Evangelikalen, die Mormonen äußerst kritisch sehen. Diese Distanz erzeugt eine Barriere für seine Umfragewerte, die Romney derzeit scheinbar nicht überwinden kann. Die Fachleute deuten aber auch auf Folgendes: Bricht der Damm und schafft es der 64-Jährige, sich die Nominierung zu sichern, würde sich das Blatt bei der Basis rasch zu seinen Gunsten wenden.

"Es gibt keine Hinweise darauf, dass Romneys Glaube das republikanische Fußvolk, inklusive der weißen Evangelikalen, davon abhalten würde, sich um ihn zu scharen, wenn er die Nominierung gewinnt", besagt eine Umfrage des Pew Research Centers in Washington. "Allgemein betrachtet würden weiße Evangelikale zu den stärksten Romney-Unterstützern zählen." Der Grund sei, so die Umfrage, dass Republikaner mit Bedenken über Romneys Glauben gleichzeitig zu den vehementesten Gegnern von Präsident Obama zählen.

"Ich sehe ein, dass ich im Endeffekt sehr wohl Romney wählen werde, sollte er der republikanische Kandidat sein", meint sogar Robert Jeffress, einflussreicher Pastor der First Baptist Church of Dallas, einer evangelikalen Kirche in Texas. Zuvor hatte er die mormonische Religion noch abwertend als "Kult" bezeichnet.

Wichtige Werte

Romney hat schon jetzt einige Evangelikale auf seine Seite gezogen. Die Gruppe "Evangelikale für Mitt" etwa preist seine mit Wirtschaftsexpertise gepaarten konservativen Wertvorstellungen. Einflussreiche Stimmen aus der evangelikalen Szene lassen mittlerweile mit Appellen zu mehr Toleranz aufhorchen. "Wir Evangelikale sollten altes Misstrauen und Feindseligkeiten über Bord werfen und im Wahlkampf aufmerksam zuhören", schreibt Richard J. Mouw, Präsident des Fuller Theological Priesterseminars in Kalifornien, in der LA Times. "Wir sollten unsere Wahlentscheidung auf der Basis treffen, was ein mormonischer Kandidat – oder irgendein Kandidat – tatsächlich über die Werte und Probleme zu sagen hat, die uns als Bürger wichtig sind."

Mormonen: Mehr und mehr Mitglieder

Buch Mormon Glaubensgemeinschaften, die sich neben der Bibel noch auf das Buch Mormon berufen, werden dem Mormonentum zugerechnet. Die größte mormonische Gemeinschaft ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Weltweit haben mormonische Kirchen 14 Mio. Mitglieder.

Mitglieder Rund sechs Millionen Amerikaner (ca. 2 Prozent der US-Bevölkerung) gehören einer mormonischen Kirche an. Die meisten von ihnen leben in Utah (1,9 Mio.) – 73 Prozent der Bevölkerung Utahs sind Mormonen. In Salt Lake City ist heute der Hauptsitz. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Mitglieder in den USA um 1,4 Prozent erhöht.

Österreich In Österreich leben bis zu 4000 Mormonen. Die Religionsgemeinschaft wurde hier 1955 als Reaktion auf die Marshallplanhilfe anerkannt.