Politik 03.01.2012

Mordanklage im Fall Cain steht

Pflichtverteidiger Edgar Veith will den Prozess verlegen. Man finde in Vorarlberg keine unbefangenen Geschworenen.

Wenige Tage bevor sich das Martyrium des kleinen Cain zum ersten Mal jährt, ist die Mordanklage gegen Milosav M. – jenen Mann, der den Dreijährigen zu Tode geprügelt haben soll – rechtskräftig. Das Oberlandesgericht Innsbruck hat den Einspruch von Verteidiger Edgar Veith abgewiesen.

Der Anwalt will nun aber die Verlegung des Prozesses in ein anderes Bundesland beantragen. „Hier in Vorarlberg ist die Unschuldsvermutung meines Mandanten schon verworfen und mit Füßen getreten worden“, befindet Veith. „Eine objektive Verhandlung ist nicht mehr möglich, hier findet man keine unbefangenen Geschworenen.“

Auch der Jurist selbst habe mehr als 100 eMails und Anrufe mit Drohungen erhalten. „Es hieß etwa, dass man meine Kanzlei niederbrenne, oder dass meine Familie in Gefahr sei, wenn mein Mandant nicht wegen Mordes verurteilt wird“, schildert Veith, der eine Tötungsabsicht des 26-jährigen Serben stets bestritten hat.`

Er hatte bereits im Vorfeld angekündigt, einen Delegationsantrag zu stellen – die Staatsanwaltschaft in Feldkirch sah dafür keinen Grund. „Über das Verbrechen wurde österreichweit breit berichtet. Damit ist die Aufgabe, unbefangene Geschworene zu finden, überall die gleiche“, sagt der Leiter der Staatsanwaltschaft, Wilfried Siegele. Die Entscheidung obliegt dem Oberlandesgericht. Erst danach kann ein Prozesstermin festgelegt werden.

Offene Fragen

„Ich bin gegen ein ,Augen zu und durch‘-Verfahren. Es muss alles auf den Tisch kommen“, begründet Veith seinen Einspruch gegen die Mordanklage. „Es sind noch viele Fragen offen, ich wollte, dass das Ermittlungsverfahren fortgeführt wird.“ Es gebe etwa Widersprüche im gerichtspsychiatrischen Gutachten, weitere Expertisen seien nötig und „zudem fehlt ein Gutachten zu Krankheiten meines Mandanten“.

Nun müssten diese Fragen eben in der Hauptverhandlung geklärt werden. Der kleine Cain starb am 8. Jänner an den Folgen schwerster Misshandlungen in der Bregenzer Wohnung seiner Mutter. Sein mutmaßlicher Peiniger wartet in der U-Haft auf seinen Prozess.

( Kurier ) Erstellt am 03.01.2012