Mit Stretch-Limo zur Erstkommunion

Die Iren feiern das Sakrament allzu weltlich, kritisiert der Erzbischof. Viele Familien verschulden sich für das Ereignis.
Zwei Mädchen in Kommunionskleidern sitzen an einem Tisch und essen Lutscher.

Eine Stretch-Limousine fährt vor der Kirche vor. Der Chauffeur öffnet die Tür, ein künstlich stark gebräuntes Mädchen in weißem Designerkleid samt dazu passendem Sonnenschirm in der Hand steigt aus. Ein Profi-Fotograf hält jede Bewegung fest. Das Mädchen geht, gefolgt von der Familie, in das Gotteshaus – zu seiner Erstkommunion.

Szenen wie diese sind bei dem Sakrament im katholischen Irland keine Seltenheit. Im Schnitt haben irische Familien in den vergangenen Jahren mehr als 1000 Euro für die Erstkommunion eines Kindes ausgegeben.

Extravaganz

Damit müsse Schluss sein, fordert der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin. Seine Schäfchen sollten ihre Ausgaben für das Ereignis dramatisch kürzen und "sehr klar darauf achten, wie viel Geld sie für Kleidung, manchmal Transport und Feiern ausgeben. Extravaganz ist etwas Schlechtes."

Insgesamt 45 Millionen Euro haben irische Familien laut aktueller Statistik in diesem Jahr für die Erstkommunion ausgegeben: für die Kleidung des Kindes und der Familienmitglieder, für Transport (manche Familien mieten eine Kutsche) und für die anschließende Party samt professioneller Unterhaltung. Dazu kommen noch 26 Millionen Euro für Geschenke, im Schnitt im Wert von 432 Euro pro Kind.

Laut Erzbischof Martin müssen viele Familien Kredite aufnehmen, um sich das leisten zu können. "Wir müssen sicherstellen, dass sich niemand mehr wegen einer Erstkommunion verschuldet. Das ist falsch", so der Erzbischof von Dublin.

Ein weiteres Problem ist, dass immer mehr Kinder, vor allem Mädchen, ihre Erstkommunion in der Kirche verpassen. Nach den Terminen für Frisur, Make-up und Maniküre sind sie zu spät dran und fahren samt Familie direkt zur Party.

Um die schlimmsten Exzesse zu stoppen, ließ Erzbischof Martin neue Richtlinien für die Erstkommunion an alle Diözesen im Land verschicken.

Einen Helfer hat der Erzbischof bei seinem Kreuzzug gegen die weltlichen Auswüchse: die schwere Wirtschaftskrise in Irland. Heuer sind die durchschnittlichen Ausgaben pro Familie für die Erstkommunion erstmals seit Jahren leicht zurückgegangen.

Kommentare