Medien und Politik brauchen einen Zaun
Der Hitchcock-Klassiker "Bei Anruf Mord" heißt im Original "Dial M for Murder". Wenn ein Buch unter dem Titel "Dial M for Murdoch" erscheint, kann es also nur ein Krimi sein. Aber dieser spielt im wirklichen Leben und porträtiert den australischen Verleger Rupert Murdoch, einen Medien-Tycoon mit weltweiten Allmachtsansprüchen. Es treten auf Politiker, die sich ängstlich bei Medien anbiedern, und Journalisten, die keine Gesetze kennen. Murdochs Gesetz: Wir hören Telefone ab, setzen Detektive ein, bedrohen Menschen.
Nicht, dass damit von heimischen Sümpfen abgelenkt werden soll, aber andere Skandale können ja auch für uns aufschlussreich sein.
Traurige Gestalt Blair
In London, wo Zeitungen von ihrer stolzen Geschichte und ihrer Primitivität leben, hat Murdoch zunächst seine größten Triumphe erfahren. Heute will ihn dort keiner mehr kennen, er zieht sich aus den Aufsichtsorganen seiner Zeitungen zurück. Viele Jahre lang ließ er Politiker wie Marionetten tanzen. Sie taten dies ohne Widerspruch, nein, sie biederten sich an, dass man an der stolzen britischen Demokratie zweifeln muss. Am traurigsten sieht noch heute der einstige Hoffnungsträger der Labour-Party, Tony Blair, aus. Er nahm, noch in der Opposition, einen Flug um die halbe Welt auf sich, um sich bei einem Treffen von Murdoch-Managern in Australien tief vor dem Verleger zu verneigen. Seine Grundsätze tauschte er gegen freundliche Leitartikel und erfreuliche Schlagzeilen ein. Der konservative David Cameron wollte den Erfolg Blairs imitieren. Er ernannte den Murdoch-Intimus Andy Coulson zum Regierungssprecher, um sich die Unterstützung der Murdoch-Presse zu kaufen.
Felix Austria
Glückliches Österreich. Unser Land war für die Interessen weltweiter Verleger immer zu klein. Hier gehört das Feld den Westentaschen-Murdochs. Und den An-Biedermeiern. Hier werden Spitzenplätze auf Manager-Rankings gegen Geld angeboten, Generaldirektoren sprechen von Schutzgeld, das sie am Boulevard zahlen müssen, damit ihre Firmen regelmäßig gelobt werden, und Politiker verteilen großzügig Steuergeld an Blätter, nur für ein bisschen Lob. Ein neues Gesetz verhindert Politiker-Köpfe in Inseraten, unsaubere Geschäfte wird es weiter geben.
Aber auch perfekte Gesetze können das Verhältnis zwischen Medien und Politik nicht regeln. Das müssen wir schon selbst tun. Am besten dadurch, dass alle Beteiligten anerkennen, dass Politiker und Journalisten zwar auf derselben Wiese agieren, aber auf unterschiedlichen Seiten des Zauns. Im kleinen Österreich, auf der verlängerten Heurigenbank, ist das nicht immer eine Selbstverständlichkeit.
Bleibt die Frage: Wer kümmert sich eigentlich um das Wesen der Politik, also die Verbesserung der Lebensverhältnisse, wenn Politiker ihren Job als Verleger-Lieblinge, Geldboten oder Darsteller eines Shakespeare-Dramas (BZÖ-Petzner) missverstehen?
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