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Politik
12/05/2011

Mediale Rache an Nicolas Sarkozy

Weil der Präsident sie gegängelt hat, setzen viele französische Journalisten auf den SP-Kandidaten Francois Hollande.

Endlich hört das Medientheater um die Vorwahlen der Sozialisten auf", stöhnte ein Vertrauter des bürgerlichen Staatschefs Nicolas Sarkozy nach der Kür des Präsidentschaftskandidaten der französischen SP, Francois Hollande. Der Sarkozy-Intimus hat recht: Frankreichs Medien konzentrierten sich wochenlang auf diese Ur-Wahl der Linksopposition.

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich kam es noch schlimmer für Sarkozy: Viele TV-Journalisten machten aus ihrer Sympathie für die Opposition kein Hehl.

Tobsuchtsanfälle

Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens hat es sich Sarkozy mit den meisten Journalisten verscherzt. Von Anfang an ist er ihnen aggressiv entgegengetreten und hat sie als eine volksferne Kaste dargestellt, so wie er auch die Richter zu Feindbildern erkoren hat. Er leistete sich ihnen gegenüber Tobsuchtsanfälle, er ließ über befreundete Medienbosse missliebige Journalisten entfernen und durch die Behörden beschatten.

Zweitens geben die Journalisten eine generelle Stimmung wider, die sich auch in den verheerenden Umfragewerten für Sarkozy äußert. Dabei geht es nicht nur um die Abnützung eines Staatsmanns, der schmerzhafte Sparmaßnahmen durchzieht.

Die Härte der Wirtschaftskrise (39 % der Franzosen erklärten jüngst in einer Umfrage, sie hätten nicht mehr die nötigen Mittel für einen "korrekten Lebensstandard") fällt schwer ins Gewicht, aber in der Abkehr von Sarkozy kommt auch eine sehr persönliche Entrüstung hinzu. Hatte er doch ursprünglich sehr überzeugend die Bevölkerung umworben, um sich gleich nach seiner Wahl in provokante Kumpanei mit Superreichen zu stürzen. Deren ungenierte Begünstigung und eine flagrante Vetternwirtschaft schüren Ängste vor dem Abgleiten in einen "Berlusconismus".

Daraus speiste sich der vorläufige Erfolg von Francois Hollande. Fragt sich nur, ob der SP-Kandidat mit seinen staatsmännischeren Allüren (als Sarkozy) und seiner taktischen Vorsicht die Distanz bis zu den Präsidentenwahlen im April 2012 bewältigen kann.

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