Politik 05.12.2011

Lotto-Gewinner auf der Flucht vor Bittstellern

Schottland/Spanien: Colin und Chris Weir sind nach ihrem 185 Millionen Euro-Gewinn auf Tauchstation.

Die Gewinner des größten Jackpots der europäischen Lottogeschichte sind mit ihren beiden Kindern nach Spanien geflohen. Auf diese Art versuchen Colin, 64, und Chris Weir, 55, den zahllosen Bittbriefen zu entgehen, die seit Freitag in ihrem Zuhause im schottischen Largs eingehen.

"Der Postkasten quillt über, auch auf dem Postamt liegen schon die Stapel", sagt der örtliche Briefträger. "Manche sind einfach an ,The Weirs' adressiert, und unser Chef überlegt, ob sie überhaupt zugestellt werden sollen."

Colin und Chris Weir waren, wie berichtet, am Freitag vor die Presse getreten: Sie hatten am Dienstag 185 Millionen Euro in der Europa-Lotterie Euromillions gewonnen. Warum gingen die Lottogewinner überhaupt an die Öffentlichkeit?

Schwere Entscheidung

"Es ist von Land zu Land verschieden", erklärt Gerlinde Wohlauf von den Österreichischen Lotterien. "In Österreich ist es gesetzlich vorgesehen, dass wir darauf achten, dass die Gewinner anonym bleiben." In anderen Ländern Europas gelten andere Gesetze, daher könne dies unterschiedlich geregelt sein.

In Großbritannien ist es bei hohen Lotto-Gewinnen üblich, sich vor der Presse zu zeigen. Dennoch verstehen Bekannte der Weirs den Schritt nicht. "Es ist schwer, sich vorzustellen, dass sie weiter hier wohnen können - jetzt, wo jeder weiß, dass sie 185 Millionen Euro auf dem Konto haben", sagt Nachbar David Simpson. "Warum nur haben sie die Katze aus
dem Sack gelassen? Man wird sie nicht in Ruhe lassen."

Die Weirs hatten selbst erklärt, es sei eine schwere Entscheidung gewesen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Von dem Geld will das pensionierte Ehepaar Häuser für seine Kinder kaufen und auf Reisen gehen. "Wir wollten schon immer die Chinesische Mauer sehen", sagte Chris Weir. Wenn die Bittsteller weiter Schlange stehen, müssen die Weirs ihre geplante Weltreise wohl ausdehnen.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011