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Politik
04/30/2012

London: Raketen auf dem Hausdach

Mehrere Wohnanlagen in London werden zum Schutz vor Terrorakten zu Abschussrampen. Die Bewohner sind besorgt.

Bow Quarter ist eine noble Wohnanlage im Osten Londons. Umgrenzt von Mauern und bewacht durch Sicherheitspersonal leben die Bewohner der ehemaligen Zündholz-Fabrik in rund 700 Apartments, die sich um einen grünen Innenhof gruppieren. Es gibt Springbrunnen, ein Fitnesscenter, Geschäfte und Restaurants.

Diese Idylle wird nun gestört. Bow Quarter ist der erste von mehreren Gebäudekomplexen und Parks in der britischen Hauptstadt, in denen in den kommenden Tagen Raketen stationiert werden sollen. Diese sind Teil des eine Milliarde Pfund (rund 1,14 Mrd. Euro) teuren Sicherheitsplans, den die Regierung für die Olympischen Spiele im Juli und August erstellt hat.

Die Raketen mit einer Reichweite von fünf Kilometern, die dreimal so schnell wie der Schall sind, sollen Luftangriffe von Terroristen verhindern, indem sie verdächtige Flugzeuge und Hubschrauber abschießen.

Flugblätter

Die Bewohner des Bow Quarter erfuhren erst Freitagabend durch Flugblätter von der Stationierung der Raketen. "Der Standort wurde ausgesucht, weil er in der Nähe des olympischen Parks liegt und einen exzellenten Überblick über Umgebung und Luftraum bietet", heißt es in den Schreiben. Die Raketen würden nur als "allerletzte Konsequenz" abgefeuert. Auch Bewohnern anderer Wohnblocks, die mit Raketen bestückt werden sollen, dürften noch vor Mittwoch derartige Briefe ins Haus flattern. An diesem Tag startet eine Sicherheitsübung für Olympia, für die die Raketensysteme stehen sollen – vorerst allerdings mit Attrappen. Auch Kampfjets, Hubschrauber und ein Kriegsschiff nehmen an der Übung teil.

Obwohl die Raketen im Bow Quarter rund um die Uhr von zehn unbewaffneten Soldaten und eventuell auch bewaffneten Polizisten bewacht werden sollen, fühlen sich die meisten Bewohner unsicher. Sie fürchten, durch die Raketen oder die Soldaten zum Terror-Ziel zu werden. "Es gibt auch die Angst", so ein Anwohner, "dass Terroristen die Kontrolle über die Raketen erlangen könnten ."

EU-Vorsitz 2006: Lenkwaffen in der Wiener City

Anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs im Jahr 2006 wurden ebenfalls die Sicherheitsmaßnahmen extrem verschärft. Neben Flugverbotszonen und Platzverboten waren Abfangjäger und Black-Hawk-Hubschrauber startklar. Es wurden auch Raketen in der Wiener Innenstadt in Stellung gebracht: Zwillingsfliegerabwehrkanonen und Fliegerabwehrlenkwaffen. Damit hätte man Flugzeuge, die allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz eingedrungen wären, sofort abschießen können. Die Standorte der Kanonen waren geheim, allerdings wurden sie in der Nähe der wichtigen Veranstaltungsorte stationiert, wie das Bundesheer dem KURIER damals verriet.

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