Niki Glattauer

© Jürg Christandl

Politik
05/05/2012

Lehrer-Arbeitszeit im internationalen Schnitt

Österreichs Pädagogen arbeiten zwar ähnlich viel Kollegen anderswo, in der Klasse stehen sie jedoch kürzer.

Die langen Ferien; die wenigen Stunden, die sie in der Klasse stehen: Seit Donnerstag verhandeln Regierung und Gewerkschaft ein neues Lehrerdienstrecht. Damit sind die vermeintlichen Privilegien der Pädagogen auch wieder ein Thema. Sollen Lehrer, wie Salzburgs Landeshauptfrau Burgstaller fordert, nur fünf Wochen Urlaub haben, "wie alle anderen?" Sollen sie auch im Sommer arbeiten?

Der Lehrer, Autor und KURIER-Kolumnist Niki Glattauer sagt: "Lehrer haben einen harten Alltag. Man kann sich das von außen nicht vorstellen." Fakt ist: In ihren 38 Arbeitswochen arbeiten Lehrer so viel wie andere Dienstnehmer in 46 bis 47 Wochen: Österreichs Lehrer arbeiten im Jahresschnitt 40 Wochenstunden und mehr – das belegt unter anderem eine OECD-Studie (2007). Sie zeigt außerdem: Sowohl die 38 Arbeitswochen als die wöchentliche Belastung der österreichischen Lehrer liegen im guten OECD-Schnitt.

Aber Lehrer stehen in Österreich seltener in der Klasse: In der Unterstufe gut 600 Stunden pro Jahr, im OECD-Schnitt sind es 707 Stunden; in den USA 1080. Österreichs Lehrer unterrichten nur 40 Prozent ihrer Arbeitszeit.

Stefan Hopmann, Bildungswissenschafter an der Uni Wien, sagt: "Es bleiben zu viele Assistenzarbeiten bei Lehrern hängen." Aber nicht nur administrative Arbeit.

Glattauer: "Derzeit gibt es nur einen Sozialarbeiter für den gesamten 18. und 19. Wiener Bezirk." Vor- und Nachbereitung der Stunden, Kummerkasten sein, dazu Zettelkrieg und Strukturaufgaben – das frisst Zeit. Deshalb ist ein Punkt der Dienstrechtsverhandlungen: mehr Personal, um Lehrer außerhalb der Klasse zu entlasten. Im Gegenzug sollen die Lehrer länger in der Schule anwesend sein und Kinder auch nachmittags betreuen.

Mehr Personal werde das Problem aber nicht lösen, so Hopmann: "Man müsste die Arbeitsorganisation aufbrechen, alles neu gestalten." Paul Kimberger, Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, will eine "Job-Description" für Lehrer, um deren Aufgaben klar zu definieren.

Ungleich

Burgstallers Vorstoß zur Kürzung des Lehrer-Urlaubes ist für Hopmann "purer Populismus". Für das dahinterstehende Problem gibt es aber noch keine Lösung: 14 Wochen haben die Kinder im Jahr Ferien; die Eltern nur je fünf. Durchgehende Betreuung ist da unmöglich. Glattauer würde die Ferien nicht kürzen – er würde sie umverteilen. Im Sommer "fünf oder sechs Wochen. Die sind nötig, um sich nach einem Schuljahr zu erholen." Den Resturlaub sollen Lehrer frei während des Schuljahres konsumieren. "Mit zeitgemäßen Unterrichtsmethoden wäre das heute gar kein Problem."

OECD-Vergleiche und Experten rücken das Lehrer-Bild gerade. Aber manchmal befeuern Lehrer ja auch selbst das Bild vom Pädagogen, der es sich (zu) gut gehen lässt: Pflichtschullehrer müssen sich jährlich mindestens 15 Stunden weiterbilden. Wie profil vor Kurzem berichtete, absolvierten Lehrer in Österreich 2010/’11 aber nur fünf Prozent der Kurse im Sommer – den Rest im Schuljahr. Kimberger hält die Zahlen für übertrieben: "Ich kenne andere." Zu den Vorurteilen sagt er: "Natürlich gibt es Leute, die besser keine Lehrer geworden wären. Aber das ist doch in jedem Beruf so."

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